Montag, 30. Juni 2008

Hrant Dinks erstes Buch

Die liberale türkische Stiftung für wirtschaftliche und soziale Studien TESEV hat die Schriften, die der ermordete türkisch-armenische Publizist, Journalist und Autor Hrant Dink für die Organisation verfasste, gemeinsam mit der nach Dinks Tod aufgebauten "Hrant-Dink-Stiftung" als Buch herausgegeben.

Dink, der Zeit seines Lebens immer wieder bedauerte, dass er noch kein Buch geschrieben habe, wurde somit postum zum Buchautor. In dem Werk mit dem Titel "Zwei nahe Völker, zwei entfernte Nachbarn" betont Dink, dass der fruchtbarste Weg, die türkisch-armenische Vergangenheit zu bewältigen darin liege, eine gemeisame Zukunft für beide Völker aufzubauen.

Das Buch, welches auch auf Armenisch und Englisch übersetzt werden soll, kann hier erworben werden. mehr...

Verbotsverfahren gegen die AKP kommt in die heiße Phase

Der Generalstaatsanwalt beim Verfassungsgericht Abdurrahman Yalçınkaya wird dem zuständigen Senat des höchsten türkischen Gerichts morgen um 10.00 Uhr türkischer Zeit seinen Antrag auf Schließung der AKP mündlich darlegen.

Die AKP wird sich am 3. Juli ebenfalls mündlich verteidigen. Für ein gültiges Urteil müssen 7 der 11 Senatsmitglieder für ein Verbot der AKP stimmen. mehr...

Wie viele US-amerikanische Atomwaffen gibt es in der Türkei?

Die "Federation of American Scientists" hat in einer Studie festgehalten, dass die USA ihre Atomwaffen in Europa vornehmlich im Süden des Kontinents konzentrieren.

So weist die Institution darauf hin, dass etliche Atomwaffen aus dem deutschen Rammstein und dem britischen Lakenheath abgezogen worden seien. Momentan befänden sich auf folgenden Stützpunkten Atomwaffen:

Kleine Brogel (Belgien): 10-20
Büchel (Deutschland): 10-20
Volkel (Niederlande): 10-20
Aviano (Italien): 50
Ghedi Torre (Italien): 20-40
Incirlik (Türkei): 50-90

Eine detaillierte Übersicht ist hier verfügbar. Der CHP-Abgeordnete Ahmet Ersin aus Izmir hat eine parlamentarische Anfrage an Verteidigungsminister Vecdi Gönül gerichtet, in der er um Auskunft darüber ersucht, wie viele US-amerikanische Atomwaffen sich auf türkischem Territorium befinden. mehr...

Gründung der Türkischen Grünen Partei

Die türkischen Grünen haben dem Innenministerium nach einer annähernd 6-jährigen Gründungsphase ihren Gründungsantrag zukommen lassen und wollen als 57. Partei der türkisch-republikanischen Geschichte einen neue politische Alternative bilden.

Die beiden Sprecher Bilgi Contepe und Ümit Şahin sagten, dass in der Türkei der Weg für die Demokratie wieder frei gemacht werden müsse. Dazu wolle die neue Partei mit einer pazifistischen und ökologisch orientierten Politik beitragen. Auch die türkischen Grünen übernehmen das Modell der beiden gleichberechtigten Sprecher anstelle eines Vorsitzenden. Die Frauenquote soll bei annähernd 50% liegen. Über 100 Künstler, Umweltaktivisten und Intellektuelle haben die Gründung der Partei in diversen Zeitungsanzeigen begrüßt. mehr...

A&G präsentiert neue Umfrageergebnisse zum türkischen Wählerverhalten

Das türkische Meinungsforschungsunternehmen A&G Research hat für die Zeitung "Milliyet" erstmals nach dem negativen Urteil des Verfassungsgerichts zum Tragen von Kopftüchern eine Umfrage zum politischen Verhalten der türkischen Wähler durchgeführt.

Die AKP hat seit Januar konstant an Stimmen verloren. So wollten Anfang des Jahres noch 54,2% der Befragten die Partei unter der Führung von Ministerpräsident Erdogan wählen. Bei einer Umfrage im Mai, die die A&G für die schweizerische Crédit Suisse durchführte, waren es nur noch 39,7%. Nach Bekanntgabe des negativen Urteils des Verfassungsgerichts zu den Verfassungsänderungen, mit denen das Tragen von Kopftüchern an Universitäten und im öffentlichen Dienst legitimiert werden sollte, stieg der Prozentsatz nun doch auf 43,4%. Der Anteil derer, die für eine AKP ohne Erdogan stimmen würden, stieg ebenfalls auf 65,9%. Im Mai waren dies noch ca. 61%.

Neben der AKP, die bei der Sonntagsfrage mit 30,3% führend ist, kommen die CHP auf 12,7% und die MHP auf 11,7%. Überträgt man den Prozentsatz der Unentschlossenen anteilig auf die politische Parteien, ergibt sich ein Gesamtergebnis von 43,4% für die AKP, 18,1% für die CHP und 16,8% für die MHP. mehr...

Nachtrag: Ärger der CHP mit der Sozialistischen Internationalen

Wie soeben bekannt wurde, hat auch der populäre Bürgermeister des Istanbuler Bezirks Şişli, Mustafa Sarigül, der 2005 aus der CHP ausgeschlossen wurde, einen Brief an die Sozialistische Internationale (SI) geschrieben, in der er der Parteiführung vorwirft, die sozialdemokratische Basis der Partei nicht mehr zu vertreten.

Als Gründe für die Unstimmigkeiten zwischen der CHP und der SI werden der autoritäre Führungsstil Baykals sowie die Agitationen der Parteiführung genannt, die einen Militärputsch teilweise unverhohlen befürwortete. mehr...

Atatürks "Appell an die türkische Jugend" stammt gar nicht von Atatürk

Wie der Journalist Oral Çalışlar in seinem neuen Buch "Liderler Hapishanesi, 12 Eylül Günlükleri" (zu deutsch: "Das Gefängnis der Führer, Tagebücher des 12. Spetember") schreibt, hat der ehemalige Vorsitzende der CHP Bülent Ecevit aus dem Munde Ismet Inönüs erfahren, dass der berühmte und in der Türkei allgegenwärtige "Appell an die türkische Jugend" ("Gençliğe Hitabe") nicht wie bisher angenommen von Atatürk, sondern von Inönü selbst stammt.

Çalışlar beschreibt in seinem Buch die Umstände der Sicherheitsverwahrung, die nach dem Militärputsch des 12. Sptember 1980 für die Führer der politischen Parteien und kritische Journalisten angeordnet wurde. So wurde insbesondere das Sprachen- und Nachrichtendienstzentrum der Armee in Ankara zum Gefängnis für die politische Elite umfunktioniert. Hier sassen neben Bülent Ecevit und Oral Çalışlar auch Necmettin Erbakan, der Gründer und Führer diverser religiös inspirierter Bewegungen wie z.B. "Milli Görüş", und Alparslan Türkeş, der Gründer und Vordenker der MHP, ein. Während der täglichen Freigänge hatten die Insassen die Gelegenheit, sich intensiv auszutauschen.

Çalışlar beschreibt zum Beispiel ein Gespräch zwischen dem Sozialdemokraten Ecevit und dem Völkisch-Nationalen Türkeş über die Falkland-Krise. So hätte sich Türkeş in ein Gespräch zwischen Ecevit und Çalışlar eingebracht und Ecevit gefragt, ob er Argentinien oder Großbritannien unterstütze. Ecevit habe geantwortet, dass ihm die Wahl sehr schwer falle, da Argentinien eine faschistische Diktatur sei, Großbritannien hingegen ein imperialistischer Akteur. Daraufhin habe Türkeş geantwortet: "Argentinien soll besiegt werden, mein Herr. Somit wird der Diktator an seiner Spitze gestürzt, und vielleicht auch der Faschismus besiegt."

Eine noch viel interessantere Gesprächsnotiz bezieht sich auf eine Anekdote Ecevits. Dieser habe von Ismet Inönü, dem alten Weggefährten Atatürks, erfahren, dass der "Appell an die türkische Jugend", die bislang immer Atatürk zugeschrieben wurde, und die sich im Anhang seiner "großen Rede", dem "Nutuk", befindet, von Inönü selbst stamme. So habe Atatürk Inönü das Manuskript des "Nutuk" vorgelegt und um seine Meinung gebeten. Inönü habe Atatürk vorgeschlagen, den Schlussteil zu redigieren und als seperaten Appell an die Jugend zu verfassen. Daraufhin habe Atatürk Inönü gebeten, diesen Teil selbst zu Papier zu bringen. An der von Inönü verfassten Version habe Atatürk nichts mehr geändert. mehr...

CHP: Ärger mit der Sozialistischen Internationale

Die Republikanische Volkspartei CHP hat Ärger mit der Sozialistischen Internationale (SI).

Auf Betreiben führender Sozialdemokraten aus Deutschland und Skandinavien wird zur Zeit geprüft, ob die Politik der CHP konform mit den Zielen der Internationale ist. So gibt es seit etwa einem Jahr Bestrebungen, die von Atatürk gegründete Partei aus dem Verbund der sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien auszuschließen. Doch auch die AKP betreibt hinter den Kulissen eine Kampagne gegen die Mitgliedschaft der CHP und empfiehlt statt dessen sich selbst als Mitglied.

Der Parteivorsitzende der CHP Deniz Baykal, der u.a. neben Kurt Beck, Tony Blair und François Hollande stellvertretender Vorsitzender der SI ist, hat trotz intensiver Benühungen nicht verhindern können, dass das Thema auf dem heute beginnenden 23. Kongress der SI in Athen auf den Tisch kommen wird. So schickte Baykal seinen Emissär, den ehemaligen Türkischen Botschafter in Deutschland Onur Öymen, zum SI-Vorsitzenden Yorgo Papandreu, dem Vorsitzenden der griechischen PASOK. Dieser wies jedoch in dem Gespräch darauf hin, dass ihm die Hände gebunden seien. Wenn ein entsprechender Antrag von Seiten der Delegierten komme, dann müsse strikt nach der Satzung verfahren werden.

Deniz Baykal zog es darauf hin vor, in der Türkei zu bleiben und seine Aufgaben als stellvertretender Vorsitzender in Athen nicht wahrzunehmen. Stattdessen nahm Baykal am Maulbeeren-Festival der Gemeinde Ayaş teil. mehr...

Freitag, 27. Juni 2008

Türmen: Keine konkrete Bedrohung durch die AKP

Der ehemalige Richter am Europäischen Menschengerichtshof Rıza Türmen hat in einem Interview mit dem Sender "CNN Türk" gesagt, dass es schwer sei, im Verbotsverfahren gegen die AKP konkrete und hinreichend gewichtige Tatbestände auszumachen.

Türmen wies darauf hin, dass für den Europäischen Menschengerichtshofs immer die Demokratie als Richtschnur gegolten habe. Wenn das türkische Verfassungsgericht sich jedoch nur auf die Laizität als schützenswertes Rechstgut beschränke, bestehe die Gefahr, dass ein Verbotsurteil vor dem Europäischen Menschengerichtshof nicht bestehen könne. Es müsse in einem solchen Urteil unbedingt auf die Gefahren für die Demokratie eingegangen werden.

Auf die Frage, ob das Verfassungsgericht in europäischen Justizkreisen als voreingenommen und parteiisch gelte, antwortete Türmen, dass dem nicht so sei. Er wies vielmehr darauf hin, dass der Europäische Menschengerichtshof in der Frage der Klage von Leyla Şahin, wo es um das Kopftuch ging, oder des Verbotsurteils gegen die Refah-Partei von Necmettin Erbakan, dem Vorläufer der AKP, der selben Auffassung wie das türkische Verfassungsgericht gewesen sei. Dies müsse als Zeichen des Respekts und der Achtung vor dem höchsten türkischen Gericht aufgefasst werden.

Der gestern von der Parlamentarischen Versammlung des Europarats angenommene Türkei-Bericht zeuge hingegen von einer gewachsenen Skepsis vor den politischen Strukturen in der Türkei. So habe der Europarat vor vier Jahren festgestellt, dass die Türkei erhebliche Fortschritte gemacht habe und in den meisten strittigen Fragen auf europäischem Niveau sei. Die in dem neuen Bericht angeregte strengere Überwachung der Türkei sei sicherlich eine Reaktion auf Verbotsverfahren, die gleich gegen zwei türkische Parteien liefen. mehr...

JP Morgan: Erdogan könnte bei Betätigungsverbot angeklagt werden

Das amerikanische Bankhaus JP Morgan hat einen neuen Bericht veröffentlicht, wonach Ministerpräsident Erdogan im Falle eines politischen Betätigungsverbots eine Anklage wegen diverser Vergehen erwarten könnte.

So sind bei der Türkischen Großen Nationalversammlung sogenannte Immunitätsakten hinterlegt, die im Fall eines Betätigungsverbots zum Gegenstand juristischer Verfahren werden könnten. Nicht nur Erdogan, sondern auch 7 weitere Abgeordnete der AKP sind im Fall eines Betätigungsverbots von Verfahren bedroht. In dem Moment, in dem ein Urteil über ein politisches Betätigungsverbot im Staatsanzeiger "Resmi Gazete" veröffentlicht wird, erlischt nach türkischem Recht die Immmunität der betreffenden Person(en).

Laut JP Morgan dürfen folgende Parlamentarier im Falle eines entsprechenden Urteils des Verfassungsgerichts mit juristischen Konsequenzen rechnen:

Akif Gülle (Wahlkreis Amasya): Verstoß gegen das Gesetz über Ausschreibungen Nr. 2886

Dengir Mir Mehmet Fırat (Adana): Volksverhetzung, Beleidigung

Asım Aykan (Trabzon): Mißbrauch des Amtes

Sadullah Ergin (Hatay): Verstoß gegen das Wahlgesetz Nr. 298

Nihat Ergün (Kocaeli): Verstoß gegen das Wahlgesetz Nr. 298

Idris Naim Şahin (Istanbul): Absprache bei Ausschreibungen, Urkundenfälschung, Aufbau einer Organisation mit kriminellen Absichten

Eyüp Fatsa (Ordu): Verstoß gegen das Wahlgesetz Nr. 298, Abfeuern von Schusswaffen

Gegen Ministerpräsident Erdogan liegen folgende Anschuldigungen vor:
Amtsmißbrauch, Urkundenfälschung, Bilanzfälschung, Aufbau einer kriminellen Organisation

Die Anschuldigungen wegen Urkundenfälschung und des Aufbaus einer kriminellen Organisation entstammen dem Prozesss um die Einführung des sogenannten intelligenten Tickets "AkBil" in der Türkei, einer neuen Form des Fahrscheins für öffentliche Personenbeförderungsmittel. Im Zuge der Ausschreibung und der Abwicklung dieses Systems ist es zu erheblichen Unregelmäßigkeiten gekommen. Die Anklagen gegen die unter Immunität befindlichen Personen wurden seinerzeit vorerst eingestellt. mehr...

Veruntreuung bei der CHP

Das türkische Verfassungsgericht hat bei einer Revision der Parteikasse der CHP Unregelmässigkeiten für die Jahre 1998, 2004 , 2005 und 2006 entdeckt.

Das Gericht hat nun einen Strafantrag wegen Veruntreuung gegen die Verantwortlichen der Partei gestellt. So stellte das Gericht fest, dass 1998 35.386.533.000 alte türkische Lira, im Jahr 2004 267.860 neue türkische Lira (YTL), 2005 161.620 YTL und 2006 465.660 YTL an Ausgaben erfolgten, deren Verwendung unklar oder nicht belegt seien. Das Gericht verfügte, dass Parteivermögen in Höhe der veruntreuten Beträge bis zum Ausgleich der Bilanz in die Treuhand des Staates übergeht. mehr...

Donnerstag, 26. Juni 2008

Herzlichen Glückwünsch Almanya!

Nach einer für alle Akteure und Zuschauer mal wieder unglaublich spannenden EM-Begegnung möchten wir die deutsche Nationalmannschaft zu Ihrem Sieg über die Türkei beglückwünschen und drücken für Sonntag ganz fest die Daumen. mehr...

Zentrum für Türkeistudien will Direktor Faruk Sen abberufen

Wie der Vorstand der Essern Stiftung Zentrum für Türkeistudien auf der ZfT-Homepage mitteilte, hat heute eine außerordentliche Vorstandstagung statt gefunden, auf der der Beschluss gefasst wurde, beim Vorsitzenden des Stiftungskuratoriums die sofortige Abberufung Faruk Sens als Direktor zu beantragen.

Sen hatte nach Angaben der Frankfurter Allgemeine Zeitung am 19. Juni in der Zeitung "Referans" die Türken als die neuen Juden Europas bezeichnet. Dies war anscheinend der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Der ZfT-Vorstand schreibt in seiner Begründung, dass Sen wiederholt gegen den Stiftungszweck eines friedlichen Zusammenlebens beider Volksgruppen verstossen habe und diesbezüglich an seine Pflichten als Direktor erinnert worden sei. mehr...

Europarat berät über Türkei-Bericht

Der Europarat berät mit hoher Wahrscheinlichkeit heute über einen neuen Bericht über die Türkei.

Der Bericht wird in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats gegenstand einer Debatte, in deren Anschluss über die Annahme des Berichts gestimmt wird. Die Konsultationen können über diesen Stream live mitverfolgt werden. mehr...

Regionalpräsident von Milas ist suspendiert

Das Gouvernat der Region Muğla hat im Zuge der Ermittlungen zu den illegalen Bauaktivitäten der MNG-Holding auf der Pina-Halbinsel erste Schritte eingeleitet.

So wurde der Regionalpräsident von Milas, Bahattin Atçı, mit sofortiger Wirkung suspendiert, da er offizielle Ermittlungen verzögert und behindert haben soll. Die Ermittlungen werden vom stellvertretenden Gouverneur Muğlas fortgeführt. mehr...

Wer sind Fethullah Gülens Bürgen?

Wie der Türkeimonitor berichtete, wurde dem vor einem Gericht in Pennsylvania verhandelten Antrag Fethullah Gülens auf Erteilung einer Green Card nicht entsprochen. Im Zuge der Berichterstattung über diesen Fall war immer wieder von Bürgen die Rede, die Empfehlungsschreiben für Gülen verfasst haben. Razi Canikligil von der "Hürriyet" hat nun die Liste aller Fürsprecher Gülens veröffentlicht.

George Fidas - ehemaliger Direktor der CIA für Analyse und Produktion, Balkanexperte. Unterrichtet an der Washington University Internationale Beziehungen und sitzt im "Joint Military Intelligence Council"

Graham Fuller - ehemaliger CIA-Agent und stellvertretender Vorsitzender des "National Intelligence Council" , z.Z. bei der "RAND Corporation" beschäftigt

Alexander Karloutsos - Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Amerika

Morton Abramowitz - ehemaliger Botschafter der USA in der Türkei, z.Z. bei der "The Century Foundation" beschäftigt

Ermin Başer - ehemaliger Berater von Turgut Özal

John Obert Voll - Georgetown University

Ralph Lazarus und Richard Lazarus - Dartmouth College

Yıldırım Akbulut - ehemaliger türkischer Ministerpräsident

Mehmet Sağlam - AKP-Abgeordneter aus Kahramanmaraş und Vorsitzender der Nationalen Bildungskomission des türkischen Parlaments

Bernadette Andrea - Texas University San Antonio

Paul Parker - Elmhurst College

Floyd M. Schoenhals - American Evangelical Lutheran Church

Murat Saraylı - Vorsitzender des Verbands Junger Türkischer Unternehmer TÜGİAD (Die TÜGIAD hat gestern der Hürriyet eine Meldung zukommen lassen, wonach die persönlichen Ansichten Saraylıs den Vorstand des TÜGİAD nicht binden)

Thomas Michel - Sekretariat für den Interreligiösen Dialog der Römisch-Katholischen Kirche

Donald Senior - Vorsitzender der Catholic Theological Union

James Kenneth Echols - Chicago Lutheran School of Theology

Jill Caroll - Rice University

Lynn E. Mitchell - Houston University

Sheryl L. Santos - Texas Tech University

David B. Capes - Houston Baptist University

Terry Mathis - Universty of California, Pfarrer des Riverside Campus

Loye Ashton - Taugaloo College

Lawrence T. Geraty - La Sierra University

Ali Yurtsever - Rumi Forum

Kemal Öksüz - Niagara Foundation

John L. Esposito - Einer der Gründungsdirektoren der Georgetown University

Mustafa Akyol - Autor mehr...

Das Türkische hat seinen Meister verloren

Ali Püsküllüoğlu ist tot. Der insbesondere für sein Werk "Öz Türkçe Sözlük" ("Wörterbuch des reinen Türkisch") bekannte Dichter, Sprachwisenschaftler und Publizist ist am 24. Juni im Alter von 73 Jahren an Lungenversagen verstorben.

Püsküllüoğlu hatte einen bewegten Lebensweg. So muste er seinen Gymnasialbesuch aus gesundheitlichen Gründen abrechen und arbeitete fortan in verschiedenen Städten. Er gründete 1959 den "Çevre"-Verlag und gab die Wochenzeitung "Karacaoğlan" heraus. Zwischen 1960 und 1983 arbeitete er in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Insituts für die Türkische Sprache ("Türk Dil Kurumu"). Im Radio präsentierte Püsküllüoğlu Programme wie die "Bücherstunde" und "Unsere Muttersprache". Er war der erste Poet, der das Oeuvre Atatürks dem modernen Türkisch anpasste und in einer täglichen Radiosendung dem türkischen Publikum präsentierte.

Der mit vielen Preisen und Ehrungen bedachte Püsküllüoğlu brachte Zeit seines Lebens ca. 20 Wörterbücher heraus. mehr...

Selber denken? Unerwünscht!

In Kocaeli hat Yüksel Şişman einen Artikel über das Kontrollieren der Kleidung von Schülern ins Lehrerzimmer gehangen, und wurde dafür bestraft.

Şişman, der seit 29 Jahren Kunstlehrer ist und seit 2000 am Süleyman Demirel Gymnasium in Kocaeli unterrichtet, hat in der für Jugendliche bestimmten Beilage der Zeitung "Radikal" einen Artikel der Ankaraner Schülerin Helin Beysu über die alltägliche Kleiderkontrolle gelesen. In diesem Artikel beschreibt Beysu, wie die Schüler jeden Morgen in voller Montur, d.h. für Jungen mit Krawatte und Sakko, und für Mädchen mit Überkniestrümpfen und knielangen Röcken, vor dem Schulleiter patroullieren, nur um daraufhin die Krawatten und Sakkos wieder verschwinden zu lassen, die Röcke höher zu ziehen und die Strümpfe herunter zu rollen. Die Schülerin fragte in dem Artikel, warum dieses Ritual, von dem alle Beteiligten wüssten, dass es zur Farce verkommen sei, immer noch durchgeführt werde.

Der Artikel hat dem Kunstlehrer Yüksel Şişman so gut gefallen, dass er ihn ausschnitt und ins Lehrerzimmer hang. Er wollte mit seinen Kollegen und vor allem mit seinen Schülern über dieses Thema diskutieren und ihre Meinungen erfahren. Doch schon nach einem Tag verfügte der Schulleiter, dass der Zeitungsausschnitt entfernt werde und leitete ein Disziplinarverfahren gegen Şişman ein. Die Folge: Şişman muss nun eine Strafe in Höhe eines Tagesverdienstes zahlen, weil er Schüler zum Ungehorsam angestachelt habe. Şişman zieht nun vor das Verwaltungsgericht, um die Verfügung rückgängig zu machen. mehr...

Neues Atomkraftwerk in Sinop

Nach Mersin wird die zweite Atomenergieanlage der Türkei in Sinop gebaut. Die Ausschreibungen sollen, so Energieminister Hilmi Güler, noch in diesem Jahr erfolgen.

So gab Güler auf einem Seminar des Direktorats für Elektrische Studien und der Japanischen Agentur für Internationale Kooperation (JICA) erstmals Einzelheiten über die in Sinop und Mersin geplanten Anlagen bekannt. So sei das für die Bebauung erforderliche Bodengutachten fast fertig, somit könne die Ausschreibung in diesem Jahr erfolgen. Über das Ausschreibungsmodell und die geplante Größe der Anlage wollte Güler sich nicht im Detail äußern, er sagte jedoch, dass die Anlage "nicht kleiner" ausfallen werde, als die in Mersin geplanet.

Die Ausschreibungsphase für die Anlage in Mersin dauert noch an. Laut Minister Güler hätten 6 Unternehmen bzw. Konsortien die Ausschreibungsunterlagen angefordert und wollten Angebote abgeben. Dies seien AECL Atomic Energy Of Canada Limited (Kanada), Itochu Corporation (Japan), Vinci Construction Grand Projets (Frankreich), Suez Tractebel (Frankreich/Belgien), Atostroyexport (Russland), KEPCO (Südkorea).

Parallel zu den Bestrebungen der Türkei, Energie aus nuklearen Quellen zu produzieren, besässen erneuerbare Energien nach wie vor einen hohen Stellenwert. Der Minister erklärte, dass noch in diesem Monat im Ägäis-Raum drei neue Windenergie-Parks eröffnet werden. mehr...

Mittwoch, 25. Juni 2008

Schießt ruhig, aber zielt wenigstens

Die türkische Gesangsikone Ibrahim Tatlises, kurz Ibo, hat im Rahmen seiner vom Sender "atv" ausgestrahlten Sendung "Ibo Show" das Thema der aus scharfen Waffen abgebenen Freudensalven aufgegegriffen.

Allerdings akzentuierte Tatlises das Thema auf seine eigene Art und Weise. Während so gut wie alle türkische Prominenten sich öffentlich gegen dieses barbarische Gehabe aussprachen, sagte Ibo vor laufenden Kameras: "Nun, ich würde lügen, würde ich euch dazu auffordern, nicht zu schiessen. Aber wenn ihr dies tut, dann zielt wenigstens." mehr...

Kein Bleiberecht für Gülen in den USA

Die US-amerikanische Einwanderungsbehörde hat ein gerichtliches Verfahren gegen Fethullah Gülen gewonnen, wodurch der legale Aufenthaltsstatus von Gülen in den USA laut der Zeitung "Vatan" innerhalb eines Monats erlischt.

So hatte die Einwanderungsbehörde dem Antrag von Gülen auf Erteilung einer Green Card nicht entsprochen. Gülen klagte hierauf vor dem Pennsyalvania East District Court, und verlor. Gülen wurde vor Gericht von der Kanzlei Klasko, Rulan, Stock & Seltzer vertreten, die im Zuge ihrer Argumentation darauf hinwies, dass Gülen die führende geistliche Persönlichkeit der Türkei, ein Vertreter der Toleranz und ein weltweit herausragender Lehrer sei. Ferner wurden Empfehlungsschreiben vom Vorsitzenden des amerikanischen RUMI-Forums Ali Yurtsever, dem ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Yıldırım Akbulut, dem ehemaligen Bildungsminister und heutigen AKP-Abgeordneten aus Kahramanmaraş Mehmet Sağlam, dem ehemaligen US-Botschafter in Ankara Morton Abramowitz, von katholischen und evangelischenTheologen verschiedener US-Universitäten, dem ehemaligen Direktor für Analyse und Produktion des CIA und aktuellem Mitglied des "Joint Military Intelligence Council" George Fidas sowie dem ehemaligen CIA-Agenten Graham Fuller, der mittlerweile bei der Pentagon-eigenen "Rand Corporation" tätig ist, vorgelegt.

Die Staatsanwaltschaft machte hingegen geltend, dass gegen Gülen in der Türkei wegen der Bildung einer Vereinigung mit dem Ziel eines religiös inspirierten Systemwechsels ermittelt worden sei. In diesem Verfahren wurde der Freispruch Anfang der Woche offiziell, nach dem der türkischen Generalstaatsanwaltschaft wegen Verjährung der Rechtsweg nicht mehr offen stand. Es wurde weiterhin geltend gemacht, dass sich unter den Geldgebern für Gülens Projekte nicht nur seine eigene finanzstarke Bewegung, sondern auch Saudi-Arabien, der Iran, die Türkei und sogar die CIA befänden. Gülen sei keine akademisch bedeutsame Persönlichkeit, sondern er bezahle vielmehr Akademiker dafür, Auftragsschriften über ihn und seine Bewegung zu verfassen, um das akademische Renommée seiner Bewegung zu erhöhen. mehr...

Filmoffensive des Kulturministeriums

Das türkische Kulturministerium hat eine Initative zur Förderung des cineastischen Nachwuchses gestartet. Für die unter dem Namen "Kino der Zukunft" firmierende Kampagne können sich Bewerber aus den Studienrichtungen Kommunikation, Film, Regie und Bildende Künste bis zum 2. Dezember bewerben.

Das zu fördernde Projekt darf noch nicht über die Projektphase hinaus sein. So ist vorgesehen, insgesamt 20 Projekte aus allen filmischen Bereichen unterstützen. Das erstplatzierte Projekt wird von der Stiftung für Kino und audiovisuelle Kultur TÜRSAK mit einer Filmkamera belohnt, der zweite Platz erhält ein Notebook und der dritte Platz eine Digitalkamera. mehr...

Türkei vs. Deutschland: Und für wen bist du?

Ein gemeinsames Europa verbunden durch den Fußball. Das ist die Botschaft der UEFA in Ihrem EM-Werbespot. Dass Sport seit jeher politisch instrumentalisiert wird ist nichts Neues. Nachdem nun aber die Türkei überraschend bis ins EM-Halbfinale gegen Deutschland gekommen ist, werden vor laufenden Kameras Türken bzw. "Deutsch-Türken", die in Deutschland leben mit der Frage konfrontiert: Und für wen bist du? Die politisch korrekte Antwort auf diese Frage lautet dann in den meisten Fällen, dass man zwei Herzen in seiner Brust trage. Im Innern sei man halt Türke, leben und/oder aufgewachsen tut und ist man aber in Deutschland.

Eines scheint derzeit jedenfalls noch Gültigkeit für die in Deutschland lebenden Türken zu haben. Egal welche Nationalität auf einem Stück Papier steht, sie sagt nichts über die Verbundenheit mit dem Heimatland aus. Ein "Deutsch-Türke" mit türkischem oder deutschem Pass bleibt also vorerst Fan der türkischen Nationalmannschaft. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, wäre die logische Konsequenz eine doppelte Staatsbürgerschaft. Denn nur eine doppelte Staatsbürgerschaft könnte das Gefühlsleben von "Deutsch-Türken" glaubwürdig abbilden.

Wolfgang Bosbach bestätigte übrigens meine Einschätzung. So sagte er kürzlich in der Sendung "Was erlauben Strunz?" auf N24, dass es völlig normal sei, wenn Deutsch-Türken für die Türkei seien. Er wäre schließlich immer noch für Deutschland, wenn er 100 Jahre in Österreich leben würde mehr...

EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei

Nun ist es endlich so weit - das Halbfinal-Finale kann beginnnen. Was ist nicht alles in diese Partie hinein interpretiert worden. Was ist diese Partie politisiert und regelrecht aufgeladen worden. Da wollen wir vom Türkeimonitor natürlich auch mitmischen.

Ein kurzer Blick in den deutschen Pressedschungel genügt, um den Modus der deutschen Selbstvergewisserung zu entlarven. Da heißt es, dass die Türken ja im Falle eines eigentlich schon sicheren Scheiterns ihrer Mannschaft im Halbfinale mit den Deutschen weiterfeiern würden. Natürlich würden wir dies tun! Abgerundet wird diese Form der Berichterstattung jedoch von Musterbeispielen der Integration, die in typischer Best-Practice-Manier Anleitung zur kulturellen Schizophrenie geben: "Hahaha, auch ich habe auf meinem Plasma-Fernseher eine deutsche und eine türkische Fahne stehen. Wenn ich meine kleine Tochter frage, dann sagt sie, dass sie für die Türkei ist und zeigt dabei auf die deutsche Fahne. Hahaha"

Ob das nun wenigen, einigen, vielen oder den meisten Türken so oder so ähnlich geht, sei erst einmal dahingestellt. Ich finde die Frage viel interessanter, warum kein Deutscher von sich behauptet, sich im Falle eines Scheiterns der Deutschen mit den Türken zu freuen. Deutsche und Türken sind über die Jahre mehr geworden als nur eine Schicksalsgemeinschaft, schließlich haben viele von uns hier wahre Brüder und Schwestern gefunden. Leider will keiner von denen mit uns feiern... mehr...

Dienstag, 24. Juni 2008

Dreiertreffen in Bagdad?

Im Vorfeld der für nächste Woche geplanten Bagdad-Reise des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan hat die Zeitung "Radikal" berichtet, dass es in Bagdad zu einem Dreier-Gipfel mit Erdogan, dem irakischen Präsidenten Celal Talabani und dem Führer des autonomen kurdischen Nordirak Neçirvan Barzani kommen könne.

Der irakisch-kurdische Abgeordnete Mahmut Otman hatte gegenüber der Presse gesagt, dass Erdogan einige kritische Punkte auf die Tagesordnung bringen wolle. Ein weiterer Schwerpunkt werden wirtschaftliche Themen sein, denn die Türkei ist bestrebt, ihr Handelsvolumen mit dem Irak auf über US$ 5 Mrd. zu erhöhen. mehr...

Yilmaz und Uras streiten in Europa

Die beiden unabhängigen Parlamentsabgeordneten Mesut Yilmaz und Ufuk Uras haben auf einer Konferenz des Europäischen Parlaments mit dem Titel "What is happening in Turkey?" mit Vertretern des EU-Parlaments über aktuelle politische Entwicklungen diskutiert.

Uras wies darauf hin, dass im Jahr 2004 ein Putschversuch einiger Generäle an die Öffentlichkeit kam, und er daraufhin alle türkischen Parlamentarier angeschrieben habe, um einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuß zu installieren. Mesut Yilmaz entgegnete Uras, dass er selbst einer der Politiker sei, die sich in seiner Amtszeit als Ministerpräsident am meisten mit dem Militär angeklegt hätten. Nichtsdestotrotz halte er es für unwahrscheinlich, dass das Militär ein Gefahr für die Demokratie sei. Es könne zwar einzelne Militärs mit umstürzlerischen Ambitionen geben, doch die Institution Militär wisse, wie man solchen Elementen begegnen müsse. So lange, wie die Gefahren des Seperatismus und eines religiösen Staatswesens jedoch nicht vom Tisch seien, werde "die Armee nicht in ihre Kasernen zurück kehren".

Yilmaz kam im Anschluss auf das Beispiel Iran zu sprechen und beschuldigte "Linke wie Herrn Uras", sich von Khomeini getäuscht haben zu lassen. Uras wies dies zurück und stellte fest, dass der Iran keinesfalls mit der heutigen Türkei vergleichbar sei. Dazu fehle Erdogan alleine schon die theologische Authorität.

In Bezug auf die bevorstehenden Urteile in den Verbotsverfahren gegen die DTP und die AKP sagte Yilmaz, dass selbst Deutschland dem Recht auf freie Meinungsäußerung dort Einhalt gebiete, wo die Sicherheit des Staates gefährdet sei, und verwies darauf, dass auch in Deutschland wiederholt Parteien verboten worden seien. Ufuk Uras widersprach auch diesem Argument und fragte zurück, ob man denn irgendwann auch die Wähler verbieten und wegsperren wolle. Die Türkei müsse Mechanismen entwickeln, um auf andere Weise mit solchen Problemen umzugehen. mehr...

4,5 Millionen ADSL-Zugänge in der Türkei

Finaznminister Kemal Unakitan hat auf die schriftliche Anfrage des MHP-Abgeordneten Süleyman Turan Çirkin aus Hatay hin erklärt, dass die Türk Telekom zum 31. Dezember 2007 4,5 Mio. ADSL-Abonnenten gehabt habe.

Die Frage, wieviel der ehemals staatseigene Konzern an diesen Positionen verdient habe, blieb unbeantwortet, da in der Privatisierungsbehörde keine Daten hierüber vorlägen. Auf die Frage nach dem Wert des Unternehmens antwortete Unakitan, dass Berechnungen einen Wert von 4,60 YTL pro Aktie ergeben hätten.

Die Anfrage von Çirkin hängt mit dem Verkauf von 15% der Aktien der Türk Telekom an türkische Kleinanleger zusammen. mehr...

Hilmi Özkök: Die Regierung wird Başbuğs Wahl nicht verhindern

Im August kommt wie in jedem Jahr der Hohe Militärische Rat "Yüksek Askeri Şûra" zusammen, um über Beförderungen und Verrentungen hoher Militärs zu entscheiden. Da die Amtszeit des Generalstabschefs Büykanit ausläuft, wird damit gerechnet, dass der Kommandeur der Heeresstreitkräfte Ilker Başbuğ zu seinem Nachfolger ernannt wird.

Gegen General Başbuğ laufen jedoch Diskreditierungskampagnen, die insbesondere von Zeitungen religiöser Couleur wie der "Vakit" betrieben werden. So hat die Zeitung jüngst ein Kreuzworträtsel mit den Fotos von Büyükanit und Başbuğ abgedruckt, dessen Auflösung "Ihr seid keine Könige" war. Nach kurzer Zeit verschärfte sich der Ton, man wollte anscheinend auf der leider im religiösen Millieu herrschenden antiisraelischen Welle reiten. So druckte die "Vakit" wiederum in einem Kreuzworträtsel ein Foto von Başbuğ ab, dass bei einem Israel-Besuch entstanden ist. Darauf ist zu sehen, wie General Başbuğ die Klagemauer mit beiden Händen berührt. Die Auflösung des Rätsels war "Klagemauer". Dies passt zu immer wieder kolportierten Gerüchten, wonach Büyükanit und auch Başbuğ verkappte Juden seien.

Der ehemalige Generalstabschef Hilmi Özkök äusserte nun in einem Interview die Ansicht, dass die Regierung nicht in die Wahl Başbuğs zum Generalstabchef eingreifen werde. Zwar habe die Regierung die rechtlichen Befugnisse, den Generalstabschef zu ernennen - dieses Recht wurde von den Ministerpräsidenten Demirel, Özal und Çiller seinerzeit genutzt - , doch sei zu erwarten, dass man die Entscheidung der militärischen Führung überlassen werde und diese allein nach Gesichtspunkten der Kompetenz getroffen werde. Sorge bereite ihm vielmehr das Eindringen religiöser Bruderschaften und Gemeinden in die militärischen Strukturen, wobei er auf die Frage, ob die Bewegung von Fethullah Gülen hier besonders hervor zu heben sei, nur ausweichend antwortete. mehr...

Franzosen sagen "Nein" zum Türkei-Referandum

Der französische Senat, die Vertretung der Gebietskörperschaften und somit zweite Kammer des Parlaments, hat eine in der ersten Kammer des Parlament beschlossene Gesetzesänderung, wonach im Falle eines Beitritts eines Landes zur EU, dessen Bevölkerungszahl mehr als 5% der Gesamtbevölkerung der EU übersteigt, eine Volksabstimmung erfolgen soll, abgelehnt.

Diese Gesetz wurde von vielen Beobachtern so aufgefasst, dass es insbesondere für einen Beitritt der Türkei gelten solle. Die Senatskommissionen für juristische Angelegenheiten und für Internationale Beziehungen haben jeweils eine Gesetzesänderung abgelehnt und den Entwurf erneut der ersten Kammer vorgelegt. Wie die Kommission für Internationale Beziehungen mitteilte, sei das Gesetz geeignet, den Beziehungen zwischen Frankreich und der Türkei immensen Schaden zuzufügen.

Im nächsten Monat wird endgültig über das Schicksal des Änderungsvorschlags entschieden. Für ein eindeutiges Votum werden drei Fünftel der Stimmen benötigt. mehr...

Montag, 23. Juni 2008

Ist Fethullah Gülen der einflussreichste Intellektuelle unserer Zeit?

Die amerikanische Zeitschrift "Foreign Policy" und die britische Zeitschrift "Prospect" haben in einer Umfrage die 100 führenden Intellektuellen unserer Zeit ermitteln wollen. Nachdem eine entsprechenden Meldung in der der Bewegung von Fethullah Gülen nahestehenden Zeitung "Zaman" auf der Titelseite publiziert wurde, landete Gülen prompt auf Platz eins der Liste.

Die ersten zehn Plätze sind durchweg von Moslems besetzt. So finden sich in den Top 10 neben Gülen z.B. Orhan Pamuk auf Platz vier und die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi auf dem 10. Platz. Der erste Nicht-Moslem ist Noam Chomsky auf Platz 11. Der Herausgeber der "Prospect", David Goohart, erklärte im Guardian, vorher noch nie von Gülen gehört zu haben und sprach davon, dass seine Anhänger die Wahl verzerrt hätten. Gleichwohl könne man an diesem Beispiel wichtige gesellschaftliche Entwicklungen in der Türkei ablesen.

Bülent Kenes, der Chefredaktuer der "Zaman" widersprach Meldungen, wonach türkische Gülen-Anhänger die Wahl verzerrt hätten. Gülen, der in der Türkei wegen umstürzlerischer Ambitionen juristisch verfolgt wurde, nachdem Videos aufgetaucht waren, in denen er seinen Anhängern Anweisungen gibt, wie sie den türksichen Staat unterwandern sollen, lebt seitdem in den USA. mehr...

Samstag, 21. Juni 2008

DTP bekommt längere Verteidigungsfrist - AKP muss sich sputen

Dem Antrag der DTP, die wie die AKP von einem Verbotsurteil des Verfassungsgerichtes bedroht ist, einen Aufschub für die mündliche Verteidigung zu erhalten, wurde seitens des Gerichtspräsidenten Haşim Kılıç entsprochen.

Als neuer Termin für die mündliche Verteidigung wurde vom Gericht der 16. September angesetzt. In dem entsprechenden Schreiben heißt es, dass dem Antrag insbesondere aufgrund der gegenwärtigen und noch zu erwartenden Arbeitsbelastung entsprochen wurde. Dies deutet für viele Beobachter darauf hin, dass das Gericht zunächst das Verbotsverfahren gegen die AKP abwickeln möchte.

Im AKP-Verfahren wird der Generalstaatsanwalt beim Verfassungsgericht Abdurrahman Yalçınkaya am 1. Juli seinen Antrag mündlich begründen. Am 3. Juli wird Regierungssprecher Cemil Çiçek die Verteidigung der AKP ebenfalls mündlich vorbringen. mehr...

Ein Terrorist im Kindsgewand

Dem 7-jährigen Welat Dağ wurde am Istanbuler Atatürk-Flughafen die Einreise verweigert, weil sich der Anfangsbuchstabe seines Namens nicht im türkischen Alfabet befindet.

Der Kleine ist am 15. Juni gemeinsam mit seiner Mutter Yadigar Dağ und seinen Geschwistern Birhat (3) und Esmanur (1,5) am Atatürk-Flughafen gelandet, um seinen Urlaub in der Türkei zu verbringen. Bei der Passkontrolle wurde der Mutter mitgeteilt, dass sie und die beiden kleinen Geschwister des 7-jährigen einreisen könnten. Welat hingegen wurde die Einreise verweigert. Der Kleine, der gar nicht verstand, wie ihm geschah, wurde postwendend zurück geschickt und in Düsseldorf um 22 Uhr von seinem Vater Sadrettin abgeholt.

Der Abgeordnete der DTP Akın Birdal aus Diyarbakir hat das Thema im Parlament auf die Tagesordnung setzen lassen und eine Anfrage an Innenminister Beşir Atalay gerichtet. Eine Antwort steht noch aus. In der Türkei ist es verboten, Personennamen mit den Buchstaben Q,W und X zu schreiben, da diese nicht dem türksichen Alfabet entstammen.

Wie man sieht, wird die Sicherheit der Türkei auch an der Kindergarten-Front verteidigt. mehr...

Freitag, 20. Juni 2008

Noch ein unerschrockener Türke

Im Istanbuler Stadtteil Beylikdüzü hat sich am Montag, den 16. Juni aus bislang ungeklärten Gründen in einem Teehaus eine Explosion ereignet, bei der acht Menschen verletzt wurden.

Die Explosion muss sehr stark gewesen sein, denn Murat Ağdağ, der während der Detonation gerade aus seinem Auto stieg, hat den Knall auf ganz eigene Art verarbeitet. So sagte er wörtlich "Die Detonation erzeugte einen fürchterlichen Knall. In diesem Moment öffnete ich die Tür. Durch die Wucht der Detonation flogen mir die Haare aus den Wurzeln. Auf einmal habe ich gesehen, dass ein Teil meiner Haare ausgefallen war. Momentan sind meine Schultern total mit meinen ausgefallenen Haaren bedeckt." mehr...

Hört euch Hrant Dinks Schriften an!

Türkisch-armenische Jugendliche haben gemeinsam mit Türken und Kurden die Plattform "Hadig" gegründet, um der armenischen Minderheit ein größeres Maß an gesellschaftlicher Partizipation zu ermöglichen.

Die Initiative hat zum Gedenken an den Journalisten Hrant Dink, der am 19. Januar 2007 in Istanbul vor dem Redaktionsbüro der von ihm herausgegebenen Zeitung "Agos" hinterhältig ermordet wurde, eine Audioinstallation mit dem Namen "Tililili" realisiert, die im "Apartment Project" in Beyoğlu Asmalımescit ausgestellt wurde. 19 türkische Prominente haben Texte von Dink gesprochen, um seine Texte, wie sie selber sagen, "am Leben zu erhalten" und sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Der türkische Nachrichtensender NTV macht die gesprochenen Texte auf seiner Internetseite verfügbar. Gesprochen werden sie von Arsen Gürzap, Banu Güven, Çetin Tekindor, Deniz Türkali, Dolunay Soysert, Fikret Kuşkan, Halil Ergün, Haluk Bilginer, Lale Mansur, Memet Ali Alabora, Meral Okay, Nejat İşler, Nur Sürer, Okan Bayülgen, Ömer Madra, Patrak Estukyan, Serra Yılmaz, Tuncel Kurtiz und Yetkin Dikinciler. mehr...

Haftstrafe für Lynchversuch

Im April wurde eine Veranstaltung der prokurdischen DTP in einem Hochzeitssaal in Sakarya von einem aufgebrachten Mob belagert und beinahe gestürmt. Während des Vorfalls starb ein Parteimitglied an Herzversagen.

Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Sakarya zum Prozessauftakt beim 1. Strafgericht in Sakarya mitteilte, werden für 19 an dem Lynchversuch beteiligte Männer Haftstrafen zwischen 2 und 4 Jahren gefordert. mehr...

Danone investiert weiter in der Türkei

Der Nahrungsmittelgigant Danone zeigt sich von den politischen Turbulenzen unbeeindruckt und will in der Türkei eine weitere Produktionsstätte eröffnen.

Wie Vice-President Jacques Vincent gegenüber CNBC-e erklärte, verfolge der Konzern weiterhin das Ziel, in der Türkei um 10% zu wachsen. Dabei sei es vergleichsweise unwichtig, wer momentan in der Regierung sei. Auch die Frage des Festhaltens der Türkei an dem Struktur- und Stabilitäsprogramm des IMF sei für das Engagement des Unternehmens subsidiär, denn schließlich sei man schon sehr lange auf dem türkischen Markt präsent. mehr...

Fazıl Say ist Ehrendoktor

Der weltberühmte türkische Pianist Fazıl Say hat von der Bosporus-Universität die Ehrendoktorwürde erhalten

Der Titel wurde Say in der Albert Long Hall der Universität von der Rektorin Prof. Dr. Ayşe Soysal übergeben. Soysal sagte in ihrer Ansprache, dass der Universitätssenat der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Fakultät für Ingenieurwissenschaften mit großer Freude zugestimmt habe.

Say spielte im Anschluss Stücke von Beethoven und Gershwin sowie die eigene Komposition "Kara Toprak". An der Verleihung nahmen neben vielen Rektoren und Professoren anderer Universitäten auch die Eltern von Say sowie seine Tochter teil. mehr...

Beim Streik hört die Demokratie auf

Wie der Türkeimonitor berichtete, wurde der Werftarbeiter Niyazi Tepeli unmittelbar nach seiner Teilnahme an dem Warnstreik in Tuzla am Montag, dem 16. Juni 2008 entlassen.

Wie nun bekannt wurde, gehört die Zulieferfirma "Umut Gemi ", für die Tepeli arbeitete, dem Regionalvorsitzenden der sich als sozialdemokratisch darstellenden Republikanischen Volkspartei CHP, Hasan Uzunyayla. Während dieser die Maßnahme verteidigte und behauptete, dass der Kündigungsgrund darin liege, dass Tepeli dem Vorarbeiter Probleme bereitet habe, kam heraus, dass sich Tepeli im Organisationskomitee für den Streik befand. Seit Bekanntwerden der Kündigung finden täglich Proteste vor der RMK-Werft statt, die, so die Gewerkschaft Limter-İş, so lange andauern sollen, bis Tepeli wieder eingestellt werde. mehr...

Waldbrände in Gelibolu

In Gelibolu, dem alten Gallipoli, erstarken die Waldbrände, die vor drei Tagen begonnen haben.

So wurden mittlerweile zwei Männer festgenommen, die unter Verdacht stehen, die Brände ausgelöst zu haben. Das Feuer, welches mittlerweile auch auf den Nationalpark übergegriffen hat, wird mithilfe von vier Löschflugzeugen und einem Helikopter bekämpft. Erschwert werden die Löscharbeiten durch immer wieder explodierende Bomben aus der Schlacht von Çanakkale. mehr...

Jahr des Heiligen Paulus

Das von Papst Benedikt XVI. ausgelobte Jahr des Heiligen Paulus wird heute in Taurus bei Mersin mit einem vom Bischof für Anatolien Luigi Padovese durchgeführten Gottesdienst eröffnet.

Nach dem Gottesdienst in der Pauluskirche in Taurus werden die Festlichkeiten vor dem Paulusbrunnen offiziell eröffnet. mehr...

Donnerstag, 19. Juni 2008

Kaufe eine für alle

Das türkische Kulturministerium hat gemeinsam mit dem Verband der türkischen Reiseveranstalter TÜRSAB die neue türkische Museumsjahreskarte "Müzekart" vorgestellt.

Die Karte, die 20 YTL kostet, berechtigt ein Jahr zum Besuch von landesweit 185 Museen und 130 historischen Stätten, die dem Ministerium angehören. Die Dauerkarte wird in den Kulturdirektoraten, in vielen Reisebüros und unter http://www.muzekart.com/ vertrieben. Kulturminister Ertuğrul Günay wies darauf hin, dass im letzten Jahr 19 Millionen Besucher die Museen, die dem Ministerium angehören, besucht hätten. Nun hätten insbesondere Familien mit geringem Einkommen die Chance, von der Fülle an historischen Artefakten zu profitieren. mehr...

Turkcell auf Platz 25 der Businessweek Info Tech Top 100

Das "Info Tech Top 100"-Ranking der Zeitschrift Businessweek listet den türkischen Mobilfunkanbieter Turkcell noch vor Branchenriesen wie SAP, Cisco Systems und Samsung Electronics auf Platz 25.

Es wird darauf hingewiesen, dass Turkcell, welches das einzige türkische Telekommunikationsunternehmen ist, dass an der New Yorker Börse gehandelt wird, in der Türkei einen Marktanteil von ca. 66% Prozent hält und somit auf dem heimischen Markt kaum größere Wachstumschancen habe. Umso positiver seien die Aussichten bezüglich der Auslandsaktivitäten. So verbessert das Unternehmen seine Marktposition auf den aserbaidschanischen, kasakischen, georgischen und moldawischen Märkten und baut zur Zeit ein Netz im Iran auf. mehr...

Die Repititorien müssen weg - und dürfen bleiben

Das türkische Schulsystem führt seine Schüler zum Ende der Gymnasialzeit einem ca. drei Stunden dauernden Massentest zu, der über die gesamte Zukunft eines Schülers/einer Schülerin entscheidet.

Durch die Teilnahme an diesem Test wird eine Punktzahl erreicht, die zum Studium gewisser Studienfächer berechtigt. Beliebte Fächer wie Medizin, Jura und Wirtschaft erfordern deutlich höhere Punktzahlen als Fächer wie Philosophie oder Tourismusmanagement. Allerdings ist die bevorzugte Hochschule ebenfalls entscheidend, denn die Bosporus-Universität in Istanbul hat eine wesentlich höhere Mindestpunktzahl als z.B. die Universität Dicle bei Diyarbakir.

Nutzniesser dieses Systems sind private Repititorien, auf die die Schüler von den Eltern geschickt werden, um bei den Test erfolgreich abzuschneiden. Die mitunter recht kostspieligen Repititorien belegen regelmäßig die vorderen Plätze bei den Tests, die sogar mit einem eigenem Film ("Sinav" mit Jean-Claude van Damme als Meisterdieb, der die Testergebnisse für eine verzweifelte Schülerclique stehlen soll) gewürdigt wurden. Dies belegt nicht nur das mangelnde Vertrauen in die inhaltliche Vermittlungskompetenz der regulären Schulen, sondern ist auch Resultat einer Bildungspolitik, die gestandene Lehrer und Konrektoren dazu zwingt, in ihrer Freizeit Taxi zu fahren, um finanziell über die Runden zu kommen. Die Abschaffung dieses Systems wird seit langem gefordert, doch hat sich bis dato kein türkischer Politiker ernsthaft an dieses Thema gewagt.

Nun hat Ministerpräsident Erdogan sich erstmals negativ über die Repititorien geäußert, was sofort Anlass zur Hoffnung gab, der Premier würde sich dieses Problems annehmen. Wie der Kolumnist Ahmet Hakan von der Zeitung "Hürriyet" schreibt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Erdogan dies tun wird, gleich null, da die Repititorien zu einem sehr großen Teil in der Hand von religiösen Bruderschaften seien. Ein Vorgehen gegen diese Bildungslobby wäre ein Schlag gegen seine treuesten Wähler. mehr...

YouTube läuft doch nicht!

Nachdem YouTube in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni für kurze Zeit verfügbar war, ist die Seite wieder auf unbestimmte Zeit nicht aus der Türkei erreichbar.

Die Türkei gehört mit China, Südkorea und Thailand zu den einzigen Ländern der Erde, welche YouTube in ihrem Hoheitsbereich haben sperren lassen. Die Anzahl und Dauer der von türkischen Gerichten verfügten Sperrungen gegen YouTube und andere Internetseiten katapultieren die Türkei dabei an die Weltspitze dieser unrühmlichen Liste. Zwar helfen sich viele Nutzer mit dem Umweg eines Proxy-Dienstes aus, doch geht dies auf Kosten der Verbindungsgeschwindigkeit und somit der Qualität.

Heute treffen sich im türkischen Abant auf Einladung der Anwaltskammer Ankaras und turk.internet.com alle maßgeblich Beteiligten, um das Problem so umfassend wie möglich auszudiskutieren. Vertreter von YouTube.com werden als Beobachter teilnehmen. Die Tagung, an der Richter, Staats- und Rechtsanwälte, Gerichtssprecher, Vertreter des Kommunikationsministeriums und des Telekommunikationsrates sowie die Betreiber von Internetseiten, die verboten wurden oder von einem Verbot bedroht sind, teilnehmen, ist für zwei Tage angesetzt.

Dabei wird ein Schwerpunkt auf der Flexibilisierung des einschlägigen Gesetzes mit der Nummer 5651 liegen, welches den zuständigen Behörden kaum Spielraum für eine tolerante Auslegung gibt. Auch die mangelnde Möglichkeit eines Einspruchs sowie das im Gesetz vorgesehene totale Verbot anstatt einer einfachen Entfernung der anstössigen Inhalte sind Gegenstand der Kritik.

Osman Nihat Şen, der Direktor für Internetfragen des Telekommunikationsrates sagte, dass das Gesetz viel zu eilig beschlossen wurde und schleunigst angepasst werden müsse. Auch die Frage, ob eine Filterung des in der Türkei verfügbaren Internetangebots notwendig sei und auf welcher Ebene dies geschehen solle, seien latent unklare Fragen, die sich der Gesetzgeber offensichtlich nicht gestellt habe.

İhsan Cihan vom Kommunikationsministeriums bestätigte dies und wies darauf hin, dass sein Ministerium es für falsch halte, die Menschen wegen einer ungenauen Formulierung ihres Rechtes auf Information zu berauben. Während er die Schuld bei den Gerichten sah, verwiesen diese wiederum auf den Gesetzgeber. Mal sehen, wem das Parlament die Schuld zuschiebt... mehr...

Anzahl der Akademiker in der Türkei steigt weiter an

Der Oberste Rat für das Hochschulwesen (YÖK) hat 2008 die Anzahl der Studienplätze um ca. 30% auf 551.000 Studienplätze ausgeweitet. Als öffentlich-rechtliche Institution ist die YÖK die zentrale Instanz der türkischen Hochschullandschaft. Anders als in Deutschland entscheidet die „türkische Zentralstelle für Studentenvermittlung“ über die Hochschule und das Studienfach. Um das Kontigent vollständig ausschöpfen zu können wird dementsprechend die zu erreichende Mindestpunktzahl für die erste Aufnahmeprüfung von 160 auf 140 heruntergeschraubt. Die erste Aufnahmeprüfung berechtigt zu einem zweijährigen Studium. Hier wird der erste akademische Grad erreicht, welcher den Absolventen zu einer beruflichen Tätigkeit berechtigt. Um sein Studium noch weitere zwei Jahre fortsetzen zu dürfen ist es ebenfalls notwendig eine Mindestpunktzahl zu erreichen. Auch hier soll ab nächstem Jahr die Mindestpunktzahl nach unten korrigiert werden. mehr...

Mittwoch, 18. Juni 2008

Ethnomarketing

Am 12. Juni 2008 fand in der Duisburger Mercator-Halle beim "NRW-Tag der türkisch-deutschen Wirtschaftsbegegnung" ein Fachforum zum Thema "Ethnomarketing im lokalen und bilateralen Kontext" statt.

Gäste der von Bülent Bora (Geshäftsführer KOM Media & Marketing GmbH) moderierten Runde waren Özkan Öztürk (Deutsche Post AG, Leiter Interkulturelles Marketing), Peter Dröge (Verlagsmanager Werner Media Group GmbH), Özcan Yamankilicoglu (Account Manager Hypo Vereinsbank) und Selda Özcana (Chefredakteurin Ethnomarketing.de).

Alle Anwesenden sprachen sich für eine Intensivierung dieses Marketingtools aus und betonten insbesondere den integrativen Beitrag, den dieses Instrument zu leisten vermöge. Der Türkeimonitor wird sich in den kommenden Wochen intensiv mit dem Thema Ethnomarketing auseinandersetzen und versuchen, den Hype um dieses Phänomen auf Substantielles hin abzuklopfen. Außerdem werden wir der Frage nachgehen, welchen Beitrag Ethnomarketing wirklich zum Dialog zwischen Deutschen und Türken leisten kann. mehr...

Der türkische Putin ist kein Putin

Egemen Bağış, der stellvertretende Vorsitzende der AKP, sowie Efkan Ala, der Staatssekretär im Ministerpräsidialamt, haben den Artikel Michael Rubins im "Wall Street Journal" mit scharfen Worten verurteilt.

Beide Kommentare wurden ebenfalls im "Wall Street Journal" veröffentlicht. So schreibt Bağış, dass Erdogan kein Putin sei, sondern vielmehr die einzige Hoffnung Europas und Eurasiens für eine demokratische Türkei. Niemand außer den türkischen Wählern könne Premier Erdogan dazu auffordern, sein Amt zu verlassen. Der Artikel Rubins sei voller haltloser Anschuldigungen und Halbwahrheiten. Rubin habe schamlos mit Schlamm, der im Gewand des Journals verpackt sei, um sich geworfen.

Etwas weniger feurig fiel die Antwort von Staatssekretär Efka Ala aus, der sich immerhin die Mühe machte, die einzelnen von Rubin angesprochenen Kritikpunkte entkräften zu wollen. mehr...

Kekova muss gerettet werden

Die bei Erdbeben am Anfang des 2. Jh. v. Chr. untergegangenen Überreste des antiken Hafens von Kekova nahe Myra, in dem der Apostel Paulus auf seiner Reise nach Rom das Schiff wechselte, sind in einem sehr schlechten Zustand.

Der Fotoreporter Cem Özdel von der Agentur Anadolu Ajans hat eine Sondergenehmigung des Kulturministeriums erhalten, um den Zustand der unter Wasser liegenden historischen Stätten dokumentieren zu können. Auf den Fotos ist deutlich zu erkennen, dass die antike Hafenanlage Gefahr läuft, komplett mit Sediment bedeckt zu werden. Illegale Antikenjäger haben hunderte einst gut erhaltene Tongefässe zerschlagen. Durch die Strömung lagert sich auf den Unterwasserruinen ferner illegal entsorgter Müll von Booten und Schiffen ab.

Nun wird die Möglichkeit geprüft, die an bedeutsamen archäologischen Stätten reiche Region zum Nationalpark zu erklären. In der Umgebung Demres befindet sich neben den genannten antiken Stätten unter anderem die Basilika des Heiligen Nikolaus von Myra, dem Namensgeber des 6. Dezember, sowie bedeutende Nekropolen aus lykischer Zeit. mehr...

Streikender Werftarbeiter entlassen

Der Arbeiter der RMK Werft Niyazi Tepeli ist wegen seiner Teilname an dem Warnstreik in Tuzla vom vergangenen Montag gestern fristlos entlassen worden.

Eine Gruppe von Gewerkschaftsaktivisten der Limter-İş protestierte heute vor der Werft und forderten die Verantwortlichen dazu auf, den Mann, der dafür demonstrierte, nicht bei der Arbeit sterben zu müssen, umgehend wieder einzustellen. mehr...

Bülent Ersoy steht wegen eines Sprichwortes vor Gericht

Der transsexuelle türkische Sänger Bülent Ersoy steht wegen des Schürens antimilitärischer Ressentiments in der Bevölkerung vor Gericht.

Ersoy hatte während einer Fernsehsendung gesagt, dass er selbst seinen Sohn nicht zum Militärdienst schicken würde. Aufgrund dieser und ähnlicher Aussagen wird der Sänger nun vor der 18. Strafkammer des Gerichts im Istanbuler Stadtteil Bakırköy der Prozess gemacht. Nach der Ausstrahlung der entsprechenden Passage im Fernsehen haben zehn Personen bei der Generalstaatsanwaltschaft Anzeige gegen Ersoy erstattet. Am heutigen ersten Verhandlungstag wurden die Beschwerdeführer über die Gründe für ihre Anzeige befragt. Dabei sagte der Kläger Savaş Altay, dass er Anzeige erstattet habe, da ihm die territoriale Integrität der Türkei am Herzen liege.

Ersoy selbst war bei der Verhandlung nicht zugegen, da er, wie sein Management erklärte, einen seit langer Zeit geplanten Auftritt in Bodrum absolvieren müsse. Das Gericht verfügte, dass der Sänger beim nächsten Verhandlungstag notfalls mit Polizeigewalt vor Gericht gebracht werden solle.

Der Generalstaatanwalt von Bakırköy Ali Çakır sagte während der Beweisaufnahme, dass Ersoy als Künstler einen großen Einfluss auf die Menschen habe, und dass seine diesbezüglichen Aussagen zu einer Zeit, da das türkische Volk sehr sensibel sei, dem Ansehen der Türkischen Streitkräfte schadeten. Als Beleg für seine Behauptung führte Staatsanwalt Çakır das alte türkische Sprichwort "Her Türk asker doğar" (zu deutsch:" Jeder Türke wird als Soldat geboren") an, welches den Stellenwert des Militärs in der Türkei verdeutliche.

Die Aussagen Ersoys, der nach dem Putsch von 1980 ein mehrjähriges Auftrittsverbot erhielt, sollen nach dem Antrag des Staatsanwalts nicht im Rahmen der verfassungsrechtlich geschützten Meinungsfreiheit bewertet werden. mehr...

"Nuri İyem"-Preis für Malerei

Die Galerie Evin hat den diesjährigen "Nuri İyem"-Preis für Malerei ausgelobt. Der Preis ist nach dem 2005 verstorbenen Großmeister der türkischen Malerei Nuri Iyem benannt.

Wie die Galerie Evin mitteilte, haben sich an dem Wettbewerb 308 Künstler im Alter zwischen 20 und 78 Jahren mit insgesamt 464 Werken beworben. Die aus Prof. Rahmi Aksungur, Sema Çağa, Prof. Neşe Erdok, Mehmet Ergüven, Prof. Dr. Turan Erol, Prof. Dr. Adem Genç, Prof. Dr. Zeynep İnankur, Ümit İyem, Prof. Mehmet Özer, İrfan Önürmen und Feyyaz Yaman bestehende Jury hat am 14. Juni einstimmig entschieden, den ersten Preis gleichberechtigt an Ünsal Bahtiyar, Barış Cihanoğlu, Soner Çakmak, Mustafa Duymaz, Huri Kiriş und Zeynep Özdemir zu vergeben. Die Preisverleihung findet am 1. Juli in der Galerie Evin statt, in der vom 1. bis 15. Juli insgesamt 27 Werke, die zur Teilnahme am Wettbewerb eingereicht wurden, bewundert werden können. mehr...

Güler Sabancı ist erstes weibliches ERT-Mitglied

Die Vorstandsvorsitzende des türkischen Mischkonzerns Sabancı Holding, Frau Güler Sabancı , ist das erste weibliche Mitglied der Vereinigung "European Round Table of Industrialists" (ERT).

Der 1983 gegründeten Vereinigung gehören die CEOs der größten europäischen Industriekonzerne an, darunter sind Volkswagen, BP, Royal Dutch Shell, Solvay und Siemens. Den Vorsitz hält Nokia-CEO Jorma Ollila. Aus der Türkei ist bereits der Chef der Eczacıbaşı-Holding Bülent Eczacıbaşı Mitglied. In die Vereinigung kann man nur auf die Einladung eines Mitgliedes hin eintreten. Die in Brüssel befindliche ERT gilt als Interessenvertretung der Superlative. mehr...

The Times: OYAK beunruhigt Brüssel

Wie die Londoner Times heute berichtet, ist der Pensionsfonds der türkischen Armee OYAK, der sich zum veritablen Mischkonzern gemausert hat, Brüssel ein Dorn im Auge.

In Brüssel werden heute mit den Bereichen "Unternehmensrecht" und "Geistiges Eigentum" zwei weitere Verhandlungskapitel zwischen der Türkei und der EU eröffnet. So wenig die politische und kulturelle Destination der Türkei auch feststehen mag, der Platz unter den stärksten europäischen Volkswirtschaften ist ihr sicher.

Insbesondere der Armee-Pensionsfonds OYAK steht strahlend dar. So hat ArcelorMittel vor wenigen Tagen seinen Anteil an dem größten türkischen Stahlproduzenten Erdemir auf 25% fast verdoppelt. Noch vor der Fusion von Arcelor und Mittal haben die ehedem getrennten Unternehmen jeweils Übernahmeangebote für Erdemir abgegeben. Den Zuschlag erhielt die OYAK-Holding für ihr aggressives Angebot von US$ 3 Mrd. Auch nach der Wirtschaftskrise im Jahr 2001 verhielt sich die Holding clever und kaufte eine bankrotte Bank für ganze US$ $36.000. Nach Investitionen von US$ 750 Mio. wurde das zwischenzeitlich in "OYAK-Bank" umgetaufte Kreditinstitut für US$ 2,7 Mrd. an die ING verkauft.

Nach Angaben der Times hat OYAK im letzten Jahr einen Reingewinn von US$ 2,3 Mrd. verbuchen können, verfügt über Kapitalreserven von US$ 3,5 Mrd. und hält die Aktienmehrheit an über 30 Unternehmen. Mit dieser prall gefüllten Kriegskasse will OYAK-CEO Coskun Ulusoy nun in Europa und den USA auf Einkaufstour gehen, vorzugsweise im Bereich Infrastruktur, in dem die Holding sich gut auskennt. So betreibt der Konzern in Deutschland gemeinsam mit der STEAG den Energieerzeuger "Evonik", an dem die Türken 49% halten.

So gesund die wirtschaftliche Lage aussehen mag, so angespannt sind die Brüsseler Verantwortlichen, wenn es um OYAK geht. Manche sprächen gar von einem verlängerten Arm der Türkischen Streitkräfte. In der Tat sind die türkischen Offiziere dazu verpflichtet, 10% ihres Einkommens an die 1961 gegründete OYAK abzugeben, um später von den Pensionsleistungen profitieren zu können. Coskun Ulusoy hingegen meint, dass das von ihm geführte Unternehmen ausschließlich im wirtschaftlichen Interesse seiner Eigner agiere. Dass diese nun einmal Offiziere seien, sei nicht weiter von Belang. mehr...

YouTube läuft!

Seit gestern nacht ist YouTube wieder von der Türkei aus verfügbar. Die Videoplattform verzeichnet täglich ca. 1,5 Mio. Besuche aus der Türkei. mehr...

Dienstag, 17. Juni 2008

Erdogans Fussball-Trick

Ministerpräsident Erdogan ist im Zuge der Vorbereitungen seiner Partei für die Kommunalwahlen im März 2009 fest entschlossen, auch in Izmir zu gewinnen.

Nun hat er einen entscheidenden Schritt seiner Strategie entblößt. So soll die Stadt einen Fussballclub erhalten, der in der ersten türkischen Liga, der Süperlig, spielt. Insbesondere deutsche Leser werden sich jetzt fragen, ob so etwas nicht auf dem sportlichen Wege entschieden wird. Damit haben sie - wie in der Türkei so oft - nur teilweise Recht.

In der Süperlig spielen in der nächsten Saison mit Ankaraspor und İstanbul B.Şehir Belediyespor gleich zwei Vereine, die örtlichen Stadtverwaltungen gehören. Nun hat Erdogan einer Meldung der Zeitung "Vatan" zufolge engen Mitarbeitern mitgeteilt, wie er sich die Zukunft des türkischen Fussballs vorstellt und gleichzeitig in Izmir die Wahlen gewinnen will.

Die Stadtverwaltungen sollten sich eigentlich aus dem professionellen Fussball zurückziehen. So wollte der Bürgermeister von Ankara den verwaltungseigenen Club Ankaraspor vor geraumer Zeit verkaufen. Als Preis lancierte er in den Medien 30 Mio. YTL. Wie bekannt wurde, ist Erdogan entschieden gegen diese Idee und möchte vielmehr, dass Ankaraspor sein Recht auf die Spielberechtigung in der Süperlig an den Verien Göztepe aus Izmir abgibt. Dazu ist lediglich eine außerordentliche Versammlung nötig, auf der Ankaraspor offiziell angibt, numehr für Göztepe spielen zu wollen.

Auch den Istanbuler Stadtteil Kasımpaşa, indem Erdogan geboren wurde und aufwuchs, möchte der umtriebige Premier auf ähnliche Art begünstigen. So soll İstanbul B.Şehir Belediyespor mit dem gleichen Manöver wie Ankaraspor mit Kasımpaşaspor fusionieren, um in der nächsten Saison als Kasımpaşaspor aufzutreten. mehr...

Izmir ist modern, aber ohne Bühne

Tadatsugu Sasaki, der Gründer und Leiter des Tokioter Ballets, hat nach dem Auftritt seines Ensembles beim "Internationalen Kunst- und Kulturfestival Izmir" gesagt, dass Izmir eine moderne, westliche Stadt sei, die ihr europäisches Gesicht zeige, sobald man am Flughafen ankomme.

Allerdings sei es schade, dass eine Stadt, die über eine so moderne Infrastrukt verfüge, den Einwohnern Izmirs keine eigene Bühne für die Darstellenden Künste biete. Das Tokioter Ballet zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass es neben den Klassikern auch neo-klassische Werke sowie eigens für das Ensemble verfasste Kompsitionen tanzt.

Im Rahmen des Festivals in Izmir tanzte die Formation ein Werk von Maurice Bejart, an dem es die Exklusivrechte besitzt. Die Aufführung fand auf der Open-Air-Bühne auf dem Messeglände statt. mehr...

DocumentarIst - Dokumentarfilmfestival in Istanbul

Vom 8.-13. Juli findet in Istanbul erstmalig das Dokumentarfilmfestival "DocumentarIst" statt.

Die Veranstaltung im Französischen Kulturzentrum wird vom Avrasya Kunstkollektiv veranstaltet und vom Französischen Kulturzentrum, der Bosporus Universität, dem British Council, GarajIstanbul, der Istanbuler Stadtverwaltung und dem Verband der Filmkritiker SIYAD unterstützt.

Als besonderes Highlight werden die im Rahmen des "Hot Docs"-Festivals, welches vom Verantwortlichen für Dokumentationen der BBC, Nick Fraser, veranstaltet wird, in verschiedenen Sparten ausgezeichneten Dokumentationen dem türkischen Publikum präsentiert.

Hier eine kleine Auswahl der präsentierten Dokus:

Die lyrische Dokumentation "Alguna Tristeza" des Peruaners Juan Alejandro Ramirez, der beim "San Diego International Film Festival" als bester experimenteller Film ausgezeichnet wurde.

"The Monastery-Mr. Vig and The Nun", der u.a. beim Amsterdemer Dokumentarfilm-Festival den "Joris Ivens"-Preis erhielt und in Chicago den "Großen Preis" erhielt und als einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme der vergangenen Jahre gilt.

"To See, If I´m Smiling" des israelischen Regisseurs Tamar Yalom, der beim Amsterdemer Dokumentarfilm-Festival den "Silver Wolf"-Preis und den Zuschauerpeis erhielt, sowie beim Hot Docs den besonderren "Preis der Jury".

"Quien Soy Yo" von Estela Bravo aus Kuba, der beim "Havana Film Festival" gleich drei Preise abräumte.

"M" von Nicolas Prividera, der beim "Mar Del Plata Film Festival" die Preise "FIPRESCI" und "Ernsesto Ché Guevara" erhielt.

"Black Sun", der bei den "Independent British Film Awards" als beste Dokumentation ausgezeichnet wurde und mit einer aufregend anderen Ästhetik daherkommt.

"Pleas Vote For Me", der für die Reihe "Why Democracy?" der BBC produziert wurde, und beim "Silverdocs Film Festival" den "Sterling Film"-Preis gewann.

Beim Festival soll ferner eine Sektion mit in der Türkei produzierten Dokumentationen Auskunft über den Stand der türkischen Szene geben. mehr...

Erdogans Verteidigungsschrift für das Verfassungsgericht liegt vor

Ministerpräsident Erdogan hat dem Verfassungsgericht seine 152-seitige Verteidigungsschrift zukommen lassen. Leser, die des Türkischen mächtig sind, können das Dokument in voller Länge hier einsehen.

Der Grundtenor der Verteidigung ist der, dass 60 der 61 vorgebrachten Vorwürfe Meinungsäußerungen gegenüber Medien seien. Somit fielen diese Äußerungen unter die in der Verfassung verankerte Meinungsfreiheit. Nach Absatz 6 des 69. Artikels der Verfassung sei es nur unter sehr engen und genau einzugrenzenden Bedingungen möglich, eine politische Partei aufgund der Aktivitäten einzelner Mitglieder zu schließen. Diese Bedingungen seien nicht gegeben. Ferner beziehe sich der Generalstaatsanwalt auf Berichte und Interviews in ausländischen Medien, als Beweismittel fänden sich jedoch nur türkische Meta-Berichte über diese Meldungen und keine Übersetzungen der Originalbeiträge.

Der Ministerpräsident habe sich bezüglich des Vorwurfs, die AKP sei zum Zentrum antilaizistischer Kräfte geworden, nichts zu Schulden kommen lassen. mehr...

Neues türkisches Datenschutzgesetz

Im Zuge der Harmonisierung des türkischen Rechtsbestandes mit dem Acquis Communautaire, dem gemeinschaftlichen Besitzstand der Europäischen Union, wird in der Türkei über ein neues Datenschutzgesetz verhandelt.

Das als Gesetzesentwurf vorliegende Datenschutzgesetz schreibt eine strikte Kontrolle der persönlichen Daten vor, und bündelt erstmals die Datenschutzvorschriften im privaten und öffentlichen Sektor unter den selben Bestimmungen. So gibt es nunmehr detaillierte Vorschriften, wie mit welchen Daten von wem umgegangen werden soll. Als oberstes Kontrollorgan sieht der Entwurf eine siebenköpfige Datenschutzkommission vor, die vom Kabinett bestimmt und gewählt werden soll.

Die Gendarmerie hat in einer schriftlichen Erklärung Änderungswünsche an der Gesetzesvorlage angemeldet. Insbesondere die Abhängigkeit des Kontrollgremiums von der aktuellen politischen Führung bereitet der militärischen Polizeikraft Bedenken. So begünstige die gegenwärtig vorgesehen Regelung eine Verkaderung des Gremiums. Als Alternative schlägt die Gendarmerie-Führung vor, die einzelnen Mitglieder aus ihren angestammten Berufsgremien heraus bestimmen zu lassen, so z.B. die Juristen vom Türkischen Hochschulrat YÖK. Leider ist auch dieses Gremium schon längst in der Verkaderung begriffen.

Durch die strikteren Vorgaben für die Weitergabe und Verarbeitung persönlicher Daten sieht sich die Gendarmerie insbesondere in ihrer Aufgabe behindert, Straftaten zu vereiteln und fordert weitreichende Vollmachten in diesem Bereich. Es wird erwartet, dass auch die regulären Polizeikräfte sowie der Geheimdienst Ansprüche anmelden werden. mehr...

Rien Pina Plus - In Pina geht nichts mehr

Die am 5. Mai angekündigte harte Hand des Staates gegen die MNG Holding, die auf der Pina-Halbinsel ein 1200-Betten-Resort baut, und den Aushub einfach an der unter Naturschutz stehenden Küste entsorgt, gerät immer mehr zur Farce.

Wie nun bekannt wurde, haben sowohl das Finanz-, als auch das Tourismusministerium der Bausparte der Holding eine Vorerlaubnis ausgestellt, die gleichbedeutend mit einem "Weiter so!" ist. Nur zur Erinnerung: Am 5. Mai hatte der stellvertretende Gouverneur von Muğla Mehmet Hulusi Kaya noch gesagt, dass man die Firma ultimativ zur Wiederherstellung der ursprünglichen Küstenlinie aufgefordert habe und ein Bußgeld in Höhe von 46.500 YTL ausgesprochen habe. Direkt nach Bekanntwerden des Skandals erhielt die MNG Holding vom Regionalpräsidium und dem örtlichen Direktorat für den Tourismus eine Auszeichnung für Verdienste um den Fremdenverkehr. Den Preis nahm Sinan Karaağaçlı, der Leiter der Bausparte, entgegen, der mit den Worten zitiert wurde, dass man eine große Firma sei und die notwendigen Genehmigungen so oder so erhalten werde.

Die örtlichen Umweltschutzverbände verstehen die Welt nicht mehr.

Der Sprecher der Umweltorganisation "Umweltkrieger" Murat Çetinbaş sagte, dass ihm unverständlich sei, warum man einer Firma, die gegen fast alle denkbaren Umweltschutzauflagen und damit zusammen hängende gesetzliche Bestimmungen verstosse, die Möglichkeit einräume, ihre Aktivitäten zu legalisieren.

Der stellvertretende Vorsitzende der Jagd- und Naturschutzstiftung Süha Umar sagte, dass man zutiefst verletzt sei, da mit der Vorerlaubnis ein Unternehmen ausgezeichnet worden sei, bezüglich dessen man eigentlich mit einer Bestrafung gerechnet habe. Das in Pina Geschehende sei von einer weltweit gültigen Hässlichkeit.

Der Vorsitzende der Bodrumer Seehandelskammer Gündüz Nalbantoğlu sagte, dass ein Boot, welches eine Plastiktüte mit Müll im Meer ablade 5.000 YTl Strafe erhalte. Nun erlebe man einen Fall, in dem ein Unternehmen tausende Tonnen Aushub und Abraum einfach so im Meer versenke, richtiggehend witzige Geldstrafen erhalte, und mit einer Vorerlaubnis auch noch belohnt werde.

Alle Beteiligten scheinen, frei nach "Blood Diamond", eines Vergessen zu haben:

T I T...This Is Turkey! mehr...

Montag, 16. Juni 2008

Gewinnen können wir, nur das Feiern haben wir noch nicht gelernt

In der gestrigen Nacht, die bestimmt war von den Freudenbekundungen über den Einzug der türkischen Nationalmannschaft in das Viertelfinale der Euro 2008, ist es in einigen türkischen Städten wieder zu Verletzungen durch querschlagende Schüsse gekommen, die von siegestrunkenen Waffenbesitzern abgegeben wurden.

In Istanbul wurde die 34-jährige Nesrin Kaşıkçı, die mit ihren vier Kindern auf dem Heimweg von einem Familienbesuch war, von einer Kugel am linken Bein verletzt. In Adana durchschlug eine Kugel den linken Fuß des 68-jährigen Ibrahim Ak. In Bursa entkam Hüseyin Güneş nur knapp dem Tod, als eine Kugel seinen Hals streifte und die Halsschlagader nur um einen Zentimeter verfehlte. Durch Querschläger gingen in Bursa 17 Fenster zu Bruch, und selbst die Polizeiwache in Formara sowie ein Streifenwagen, der auf der Tayyareci Mehmet Ali Strasse patroullierte, blieben nicht verschont. In Samsun wurde der 23-jährige Taner Yıldız von einem Geschoss in die Brust getroffen.

Wie das Vorstandsmitglied der Initiative für Entwaffnung "Umut Vakfı" Ayhan Akçan mitteilte, seien in den letzten zehn Jahren bei Freudenfeiern im Anschluss an wichtige Fussballspiele rund 30 Personen durch Schusswaffen getötet worden. Wenn man die Menschen hinzuzähle, die bei Feiern, die nicht mit Fussball zusammenhängen, umgekommen seien, so liege die Zahl bei ca. 700 Opfern im Jahr. Dies liege insbesondere an der hohen Zahl von Waffen, die in der Türkei im wahrsten Sinne des Wortes in privater Hand seien. Die Zahl der Schusswaffen in der Türkei wird auf ca. 7 Mio. geschätzt, von denen lediglich ca. 2 Millionen lizensiert seien. mehr...

Haaretz: Israel und Syrien verhandeln wieder in der Türkei

Wie die israelische Zeitung Haaretz meldete, treffen sich Israel und Syrien zur Zeit wieder in der Türkei, um die vergangenen Monat begonnenen Gespräche wieder aufzunehmen. Wie die Zeitung weiterhin meldet, sollen Ehud Olmerts Berater Yoram Turbowicz und Shalom Turgemann am Freitagabend in die Türkei gekommen sein.

Quellen, die Ministerpräsident Erdogan nahe stehen berichten laut "Radikal", dass man sich erst am Anfang eines Prozesses befinde, der sehr erfolgversprechend sei. Beide Parteien hätten Fortschritte erzielen können. Jedoch seien noch viele Gespräche dieser Art nötig. Ob die Gespräche in Ankara oder in Istanbul stattfanden, bleibt weiterhin unklar, jedoch hätten oben genannte Quellen die Meinung geäußert, dass sich beide Seiten in Istanbul am wohlsten fühlen würden. mehr...

Amnesty International - Auf Achse in der Türkei

Die türkische Sektion von Amnesty International veranstaltet zur Zeit eine landesweite Informationskampagne, um auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam zu machen.

Der momentan in Ankara befindliche "Truck der (Über-)Lebenswunder" hat Station in Van, Kayseri, Nevşehir und Konya gemacht, und wird nach dem dreitägigen Aufenthalt in der Hauptstadt nach Eskişehir und von dort weiter nach Izmir fahren. In dem Fahrzeug befindet sich eine Ausstellung, ferner wird eine Theaterdarbietung geboten. mehr...

Ein weiterer promovierter Schwachkopf

Der promovierte Imam Ismail Yildiz, der seine Doktorarbeit über das Thema "Kleidung und Verhüllung im Islam" verfasst hat, hat anstelle der von vorgesetzter Stelle verfassten Freitagspredigt eigenen Gedanken zum Thema Kopftuch freien Lauf gelassen.

In der Türkei ist es üblich, dass die Inhalte der Predigten vom Amt für religiöse Angelegenheiten vorgegeben werden. Yildiz wies in seinen Ausführungen nach Augenzeugenberichten darauf hin, dass der Islam den Frauen befehle, sich zu verhüllen, das Verfassungsgericht dieses jedoch verbiete. Der Gedanke des Laizismus sei folglich inkompatibel mit dem Islam.

Dass der Islam den Frauen die Verschleierung vorschreibe, ist eine Interpretation und kein Faktum. Das Verfassungsgericht verbietet ferner niemandem die Verhüllung, es sei denn er, oder besser gesagt sie ist im öffentlichen Dienst oder Schülerin bzw. Studentin. Der Oberimam der Region hat eine Untersuchung in die Wege geleitet. mehr...

Das Filmfestival der Stadt ohne Kino

In Mardin wird dieses Jahr vom 20.-24. Juni das dritte "SineMardin" Filmfestival stattfinden.

Das diesjährige Oberthema ist "Die Frau". Der Eröffnungsfilm wird Ceyda Aslı Kılıçkırans "Kilit" sein, in dem unter anderem die Schauspiellegende Müjde Ar, Serap Aksoy, Ayla Algan und Mustafa Alabora mitspielen. Die genannten Schauspieler werden mit der Regisseurin bei der Premiere anwesend sein, die am 20. Juni in der Kasimiye Medrese stattfindet.

Im Rahmen des Festivals werden 25 Filme und Dokumentationen gezeigt werden, darunter Werke von Alexander Sokurov, Julian Schnabel, Emir Kosturica, Hou Hsiao-Hsien, Michael Haneke, Vincent Paronnaud, Selma Köksal und Handan İpekçi. Begleitet wird das Festival von einer VideoArt-Ausstellung der pakistanischen Künstlerin Mansoora Hasan sowie einer Fotografie-Ausstellung von Selmet Gürel.

Am 21. Juni ist es dann soweit: Die Stadt ohne Kino wird ihren ersten Kinosaal erhalten, der von Kulturminister Ertuğrul Günay eröffnet wird. mehr...

Türkische Hacker auf UEFA-Seite

Türkische Hacker haben wieder mit einer Aufsehen erregenden Aktion von sich reden gemacht.

So gelang es den Hackern, auf der Seite www.euro2008-uefa.ch folgende Inhalte zu platzieren:

"Spielergebnisse:
UEFA: o - Türkische Hacker: 1

Türkei: 3 - Kreuzträger: 2

Hacked for Turkey"

Ausserdem wurde der Aufruf an die türkischen Spieler verbreitet, nicht nach Hause zurück zu kehren, bevor man Wien in eine Hölle verwandelt habe. mehr...

Istanbul trocknet aus

Der Wasserstand der Staudämme, die für die Wasserversorgung Istanbuls genutzt werden, liegt deutlich unter dem 50-Jahres-Schnitt bei 36,3%.

In diesem Jahr hat es zwar im Vergleich zu 2007 mehr Niederschlag gegeben, doch ist die Wasserstandsquote um ca. 1% niederiger als im Vorjahr. In den Staudämmen stehen momentan ca. 316 Mio. Kubikmeter Wasser bereit, was für die Stadt, die täglich 2 Mio. Kubikmeter verbraucht, einen Vorrat von 158 Tagen bedeutet. mehr...

AKP reicht Verteidigungsschrift ein

Die AKP reicht heute ihre Verteidigungsschrift im Verbotsverfahren vor dem Verfassungsgericht ein.

Das das Verfassungsgericht sein jüngstes Urteil zu den Verfassungsänderungen, die das Tragen von Kopftüchern an Universitäten ermöglichen sollten, noch nicht in schriftlicher Form im Staatsanzeiger veröffentlicht hat, wird auf diesen Punkt in der Verteidigung nicht eingegangen.

Abdurrahman Yalçınkaya, der Generalstaatsanwalt beim Verfassungsgericht, hat in seinem Verbotsantrag vom 14. März 2008 argumentiert, dass die AKP zum Zentrum von antilaizistischen Kräften geworden sei und - notfalls mit Gewalt -die Errichtung einer Scharia-Republik anstrebe.

Unter den anhängigen Dokumenten befindet sich ein Krypto von Abdullah Gül aus seiner Zeit als Außenminister, in dem er die diplomatischen Vertretungen und Konsulate der Türkei dazu auffordert, Schulen zu besuchen, die zum Imperium von Fethullah Gülen gehören. Das per schriftlicher Anweisung dokumentierte Bestreben Güls, Mitglieder der Milli Görüş-Bewegung ins Staatsprotokoll aufzunehmen lassen, findet sich ebenfalls unter den Beweismitteln.

Auch öffentliche Aussagen des Ministerpräsidenten Erdogan zählen zu den vom Verfassungsgericht zu bewertenden Beweisen. So sagte Erdogan einst bezüglich des Kopftuchs, dass Gerichte in dieser Frage keine Entscheidungsbefugnis hätten, sondern dass dies die Aufgabe der Ulemas, also islamischer Gelehrter sei. Neben Gül und Erdogan sind 69 weitere Politker von einem politischen Betätigungsverbot bedroht. mehr...

Warnstreik in Tuzla

In Tuzla hat heute ein Warnstreik der Gewerkschaft Limter-İş statt gefunden.

An dem Streik haben sich neben einigen hundert türkischen Arbeitern, Politikern, Gewerkschaftlern und Intellektuellen auch einige Gewerkschaftsktivisten aus Südamerika beteiligt, die eigens für den Streik in Tuzla in die Türkei gereist sind.

Die Subunternehmer, die ein großes Kontingent der Werftarbeiter beschäftigen, haben ihren Arbeitern damit gedroht, diesen im Falle einer Teilnahme am Streik fristlos zu kündigen. Auch die in den Werften regulär angestellten Arbeiter wurden aufgefordert, sich nicht an dem Streik zu beteiligen. Zu diesem Zweck wurde von Seiten der Werften heute eine Fährverbindung von Pendik nach Tuzla eingerichtet.

Die Südamerikaner zeigten sich empört über die Zustände in der Türkei und wiesen auf ein Detail hin, welches auch westliche Beobachter gerne übersehen. Die Arbeiter in Tuzla demonstrieren nicht für mehr Geld, sondern dafür, nicht mehr sterben zu müssen. mehr...

Sonntag, 15. Juni 2008

The Yogurt Man Cometh


Der Amerikaner Kevin Revolinski hat von 1997 bis 1998 in Ankara Englisch unterrichtet. Seine Aufzeichnungen über das in dieser Zeit Erlebte hat er unter dem Titel "The Yogurt Man Cometh: Tales Of An American Teacher In Turkey" als Buch veröffentlicht. Der Titel ist eine Anspielung auf Eugene O´Neills berühmtes Theaterstück "The Iceman Cometh". Revolinski beschreibt in seinem Buch auf amüsant zu lesende Art diverse in der Türkei erlittene Kulturschocks.
So beginnt das Buch mit der gleich am ersten Tag gemachten Erfahrung Revolinskis mit einem Joghurt-Verkäufer, der ihm entgegen seinem Willen sechs Kilo Joghurt verkaufen wollte. Um seine Schüler besser zu verstehen, hat er mit ihnen im Ramadan 16 Tage gefastet und auch diese Erfahrung literarisch verarbeitet. Auch sein halsbrecherischer Versuch, im türkischen Strassenverkehr von einer Strassenseite auf die andere zu gelangen, wird beschrieben. Gleichwohl sagte er kürzlich auf einer Alumni-Feier der Istanbul Universität, die in New York statt fand, dass sein in der Türkei verbrachtes Jahr die schönste Zeit seines Lebens gewesen sei.
mehr...

Pentagon entwickelt vier Türkei-Szenarien

Die mit dem Pentagon aufs Innigste verbundene RAND Corporation hat eine neue Studie mit dem Titel "The Rise of Political Islam in Turkey" veröffentlicht.

In der Monografie wird neben einem Abriß der jüngeren Geschichte und einer Skizze der religiösen Landschaft der Türkei auf die gegenwärtige Politik der AKP eingegangen. In der Frage der PKK wird geschrieben, dass die USA Angriffen der PKK auf die Türkei resoluter begegnen müsse, insbesondere da diese Frage der "Lackmustest" der amerikanisch-türkischen Beziehungen sei. Gleichwohl wird darauf hingewiesen, dass das militärische Vorgehen nur eine Komponente einer umfassenden Lösung sein könne.

Besonders interessant wird es in Kapitel 6. In diesem Kapitel werden vier Szenarien für die Zukunft der Türkei entwickelt und analysiert. Das erste Szenario untersucht eine mögliche moderate, EU-orientierte Politik der AKP. Das zweite Szenario hingegen beschäftigt sich mit einer schleichenden Islamisierung. Als dritte Option wird ein rechtliches Verbot der AKP behandelt. Szenario Nr. 4 geht auf die Frage nach einem möglichen Militärschlag ein. mehr...

Samstag, 14. Juni 2008

Akademiker für Tuzla

110 türkische Akademiker der Universitäten Ankara, İzmir Dokuz Eylül, Kocaeli, Sakarya, Uludağ, Gazi, Muğla, Pamukkale und Çanakale 18 Mart haben in einem offenen Brief gegen das Sterben in Tuzla protestiert.

In dem Brief heißt es wie folgt:

"WIR WOLLEN NICHT LÄNGER ZUSEHEN: Die sich seit einiger in Tuzla und anderen Orten ereignenden Tode am Arbeitsplatz verletzen unser Gewissen. Wir, die wir unseren Studenten beibringen und lehren, dass menschenwürdige Arbeitsbedingungen das Recht aller Bürger sind und deren Durchsetzung zu den ersten Pflichten des Staates gehört, wollen von nun an bei diesen Toden und schweren Verletzungen, deren Gründe, Häufigkeit und Auswirkungen eine Qualifizierung als "Unfall" mittlerweile ausschließen, nicht mehr zum bloßen Zuschauen degradiert sein.
DIE BESTIMMUNGEN MÜSSEN GEÄNDERT WERDEN: Der Staat darf die Pflicht, den Werften ein Arbeitsumfeld zu geben, welches gesetzlichen Bestimmungen entspricht, nicht aufgeben und hat dafür Sorge zu tragen, dass die entsprechenden Massnahmen getroffen, die entsprechenden Untersuchungen eingeleitet, und die Arbeitsbedingungen internationalen Standards entsprechend gestaltet werden.
WIR KÖNNEN WISSENSCHAFTLICHE UNTERSTÜTZUNG LIEFERN: Wir wollen feststellen, dass wir bereit sind, wissenschaftliche Unterstützung zu gewähren, und rufen vor allem das Ministerium für Arbeit und Soziale Sicherheit, Arbeitgeberverbände, und insbesondere die in diesem Sektor tätigen Gewerkschaften dazu auf, ihren Pflichten nachzukommen, und appelieren an die Bevölkerung, sich diesbezüglich noch sensibler zu verhalten."

Die Erklärung wurde von folgenden Wissenschaftlern unterschrieben:

Prof. Dr. Ahmet Makal (Ankara Universität), Prof. Dr. Fevzi Demir (Dokuz Eylül Universität), Prof. Dr. Ahmet Selamoğlu (Kocaeli Universität), Prof. Dr. Engin Yıldırım (Sakarya Universität), Prof. Dr. Veysel Bozkurt (Uludağ Universität), Prof. Dr. Nizamettin Aktay (Gazi Universität), Prof. Dr. Abdurrahman Ayhan (Muğla Universität), Doç. Dr. Oğuz Karadeniz (Pamukkale Universität), Yrd. Doç. Dr. Abdurrahman Benli (18 Mart Universität), Prof. Dr. Gülay Toksöz, Prof. Dr. Mesut Gülmez, Prof. Dr. Kadir Arıcı, Prof. Dr. Eyüp Bedir, Prof. Dr. Pars Esin, Prof. Dr. Kuvvet Lordoğlu, Prof. Dr. Tijen Erdut, Prof. Dr. Zeki Erdut, Prof. Dr. Mustafa Yaşar Tınar, Prof. Dr. Berrin Ceylan Ataman, Prof. Dr. Yüksel Akkaya, Prof. Dr. Müjdat Şakar, Prof. Dr. Serpil Aytaç, Prof. Dr. Gürhan Fişek, Prof. Dr. Ali Nazım Sözer, Prof. Dr. E. Tuncay Kaplan, Prof. Dr. Cem Kılıç, Prof. Dr. Şerife Türcan Özşuca, Doç. Dr. Verda Canbey Özgüler, Doç. Dr. Alpay Hekimler, Doç. Dr. Banu Uçkan, Doç. Dr. Metin Özuğurlu, Doç. Dr. Oğul Zengingönül, Doç. Dr. Faruk Sapancalı, Doç. Dr. Deniz Kağnıcıoğlu, Doç. Dr. İlkay Savcı, Doç. Dr. Özlem Işığıçok, Doç. Dr. İlknur Kılkış, Doç. Dr. Vedat Bilgin, Doç. Dr. Naci Gündoğan, Doç. Dr. Ufuk Aydın, Doç. Dr. Tunç Demirbilek, Doç. Dr. Sevda Demirbilek, Doç. Dr. Hakan Keser, Doç. Dr. Coşkun Saraç, Doç. Dr. Serkan Odaman, Yrd. Doç.(*) Dr. Cemile Gürçay, Yrd. Doç. Dr. Özlem Çakır, Yrd. Doç. Dr. Onat Öztürk, Yrd. Doç. Dr. Şennur Özdemir, Yrd. Doç. Dr. Abdülkadir Şenkal, Yrd. Doç. Dr. Sayım Yorgun, Yrd. Doç. Dr. Betül Urhan, Yrd. Doç. Dr. Aşkın Keser, Yrd. Doç. Dr. Gözde Yılmaz, Yrd. Doç. Dr. Tuncay Güloğlu
Yrd. Doç. Dr. İbrahim Subaşı, Yrd. Doç. Dr. Pir Ali Kaya, Yrd. Doç. Dr. Özlem Çakır, Yrd. Doç. Dr. Recep Kapar, Yrd. Doç. Dr. Serap Özen, Yrd. Doç. Dr. Suat Uğur, Yrd. Doç. Dr. Fatma Yıldırım, Yrd. Doç. Dr. Şenay Gökbayrak, Yrd. Doç. Dr. Ahmet Can Bakkalcı, Yrd. Doç. Dr. Betül Altuntaş, Yrd. Doç. Dr. Fatma Kocabaş, Yrd. Doç. Dr. Dilek Baybora, Yrd. Doç. Dr. Hasan Ejder Temiz, Yrd. Doç. Dr. İlhan Oral, Yrd. Doç. Dr. Handan Kumaş, Yrd. Doç. Dr. Kamil Orhan, Yrd. Doç. Dr. Ahmet Can Bakkalcı, Yrd. Doç. Dr. Nesrin Demir, Yrd. Doç. Dr. Bünyamin Bacak, Yrd. Doç. Dr. Erdinç Yazıcı,
Yrd. Doç. Dr. Bülent Bayat, Yrd. Doç. Dr. Türker Topalhan, Yrd. Doç. Dr. Aydın Başbuğ, Yrd. Doç. Dr. Yücel Uyanık, Yrd. Doç. Dr. İbrahim Aydınlı, Yrd. Doç. Dr. Osman Şimşek, Öğr. Gör. Dr. Seyhan Erdoğdu, Öğr. Gör. Dr. Gülbiye Yenimahalleli Yaşar ile araştırma görevlileri Ar. Gör. Dr. Mehmet Merve Özaydın, Gaye Burcu Yıldız, Elif Tuğba Doğan, Taner Akpınar, Çağla Ünlütürk, Selda Köse, Melih Sertkan, Arzu Özsoy, Taner Akan, Doğa Başar Sarıipek, Mehmetcan Türkölmez, Nail Dertli, Onur Can Taştan, İlker İnan Akçay, Umur Aşkın, E. Özlem Özçatal, Hakan Topateş, Nagihan Durusoy, Simay Karaalp, Ayşe Gözde Koyuncu, Barış Koyuncu, Osman Tezgel, Cemalettin Parıltı, M.Çağlar Özdemir, Hande Bahar Kerimoğlu, Banu Metin, Işıl Kurnaz, Volkan Işık, Murat Çolak.


(Die Bezeichnung Yrd. Doç. steht für "Assistierender Dozent") mehr...

Keanus Matrix-Brille gestohlen

Die Metro Group hat im "M1 Tepe"-Store in Gaziantep eine Hollywood-Ausstellung mit Original-Accessoires berühmter Filme veranstaltet.

Die Ausstellung, die vom 5. bis 11. Juni statt fand, präsentierte 55 Originale, darunter die Brille und den Mantel, die Keanu Reeves in "Matrix" trug, das Diktiergerät und die Säge aus "Saw" sowie den Pelz, den Brad Pitt in "Fight Club" trug. Wie nun herauskam, wurde die "Matrix"-Brille am letzten Ausstellungstag gestohlen. Die Polizei tappt noch völlig im Dunkeln. Der Besitzer der Kollektion, Özgür Çift, bestätigte den Diebstahl, wollte jedoch wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens keine detaillierten Angaben machen. Die Kollektion wurde vorab von der Metro Group gegen Diebstahl versichert. mehr...

"Die Türkei schickt jährlich US$ 600 Mio. Hurengeld nach Russland"

Prof. Dr. Hurşit Güneş von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Marmara Universität hat in einem Vortrag interessante Bemerkungen zum Devisentransfer zwischen Deutschland, der Türkei und Russland gemacht.

So sagte Güneş im Rahmen eines Symposiums mit dem Titel "Ökonomische Erwartungen in Zeiten globaler Unsicherheiten", dass fast die Hälfte der aus Deutschland in die Türkei fließenden Gastarbeiterdevisen über russische Prostituierte nach Russland gelangt. In der Türkei befänden sich, so Güneş, 50.000 russische Prostituierte, im Volksmund "Nataschas" genannt, und machte folgende Rechnung auf: "Wenn wir davon ausgehen, dass 50.000 Frauen jeden Monat US$ 1.000 nach Russland schicken, macht das im Monat US$ 50 Mio. und im Jar US$ 600 Mio. Was schicken wir also an Geld in Höhe von US$ 600 Mio. ins Ausland? Wir schicken Hurengeld!" Die von türkischen Gastarbeitern in die Türkei transferierten Devisen beliefen sich auf ca. US$ 1,4 Mrd.

Güneş wies darauf hin, dass in die Türkei sehr viel ausländisches Kapital geflossen sei, was der Wirtschaft bei globalen Krisen Problemen bereite, sobald ein Teil davon wieder abgezogen werde. Auch die Inflation sei ein großes Problem, doch sei nicht jedermann im gleichen Umfang von ihr betroffen. Insbesondere Landwirte seien überproportional hart von den Preissteigerungen betroffen. So liege die aktuelle Teuerungsrate bei ca. 10%, der Preis für Dünger sei jedoch um 100% gestiegen, der Preisanstieg bei Treibstoff sei ähnlich problematisch.

Der Ökonom hatte auch eine Erklärung für das offensichtliche Mißverhältnis zwischen Euro und Dollar parat. So würden die meisten Touristen in der Türkei mit Euro bezahlen, gleichwohl sei die unter den Türken gängigste Devise nach wie vor der Dollar. Güneş fragte: "Warum hat jeder Dollars in der Tasche aber keine Euros? Wo sind die Euros? Warum zirkulieren in der Türkei so viele Dollars? Warum?" Die Antwort: "In der Türkei wird Rauschgift im Wert von US$ 75 Mrd. umgeschlagen. Und Rauschgift wird mit Dollar bezahlt, nicht mit Euros. Deswegen, und nur deswegen zirkulieren in der Türkei so viele Dollars." mehr...

Avni Anıl ist tot

Der berühmte Komponist Avni Anıl ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

Der für seine Werke im Bereich der Klassischen Türkischen Musik berühmte Künstler ist in seinem Haus in Izmir verstorben, nach dem er die letzten drei Tage keine Nahrung mehr aufnehmen wollte. Anıl ging nach dem Militärdienst auf die Polizeiakademie. 1955 schied er aus dem Polizeidienst aus, arbeitete fortan als Journalist und leitete drei Jahre den Feuilleton der Zeitung "Akşam". Zwischen 1955 und 1967 arbeitete er nebenbei im Nachrichtenressort des Radio Istanbul. 1967 gründete Anıl die "Anıl Nachrichtenagentur" und leitete den Feuilleton der Zeitung "Dünya". Er war Herausgeber der Zeitschrift "Musik und Note" und veröffentlichte des vierbändige "Musik-Wörterbuch", in dem er auch für die aktuelle Musikergeneration wichtige Informationen zur Geschichte der Klassischen Türkischen Musik präsentierte.

Unter seinen berühmtesten Werken befinden sich Klassiker wie "Mihrabım diyerek sana yüz vurdum", "Unutulmuş ne varsa sevgiden geri kalan" und "Bu Akşam Bütün Meyhanelerini Dolaştım İstanbul´un". mehr...

Dionysos hat die Hosen an

Şeref Er betreibt in Korucuk bei Denizli ein Weinhaus, in dem er unter anderem auch Souvenirs und Olivenöl an in- und ausländische Touristen verkauft.

Nun hat Er das von ihm selbst beim Bildhauer Mustafa Küçük in Auftrag gegebene Relief des Weingottes Dionysos zensiert, in dem er der antiken Gottheit einen blauen Lendenschurz verpasste. Auf Anfragen erklärte Er, dass er diese Massnahme aus eigenen Stücke veranlasst habe, um insbesondere die Gefühle der einheimischen Gäste nicht zu verletzen. Allerdings hindert die autozensorische Massnahme Er nicht daran, die Fruchtbarkeitsstatuen der Gottheit Priapos, dem Sohn des Dionysos und der Aphrodite, der für sein übergroßes Gemächt bekannt ist, unverhüllt zu verkaufen. mehr...

Freitag, 13. Juni 2008

Tuzla, wir kommen!

Die türkische Öffentlichkeit ist schon lange nicht mehr bereit, dem Sterben in Tuzla tatenlos zuzusehen. Nun haben sich 394 Intellektuelle, Schauspieler, Professoren, Künstler, Musiker und weitere bekannte Persönlichkeiten dem Protest angeschlossen.

Am morgigen Samstag wird es eine Pressekonferenz geben, auf der die Teilnahme der 394 Persönlichkeiten an einem Streik der Gewerkschaft Limter-İş, der am 16. Juni in Tuzla stattfindet, bekannt gegeben wird. Zwar wird gehofft, dass auch die Bevölkerung an der Demonstration zahlreich teilnehmen wird, allerdings kann davon ausgegangen werden, dass die schrecklichen Szenen vom 1. Mai in Istanbul den Einwohnern der Mega-City immer noch lebhaft in Erinnerung sind. So wird in vielen Foren zwar einmütig Sympathie mit dem Anliegen der Arbeiter bekundet, doch wollen sich viele nicht für den Einsatz für Arbeiterrechte von der Polizei verprügeln lassen.

Insbesondere aus diesem Grund wollen die "Aufgeklärten", wie Intelektuelle in der Türkei gerne genannt werden, dem Streikzug vorangehen und ein Schutzschild der Vernunft bilden. mehr...

Türkei ist Ehrengast auf Frankfurter Buchmesse

In diesem Jahr ist die Türkei offizielles Gastland der Frankfurter Buchmesse.

Die vom 15. bis 19. Oktober stattfindende größte Büchermesse der Welt soll, so der Koordinator des Türkei-Projekts Ahmet Arı, für die Türkei ein großer Erfolg werden. Die Bemühungen der türkischen Organisatoren seien insbesondere in Einklang mit der TEDA-Initiative, die sich darum bemühe, herausragende Werke der türkischen Literatur in andere Sprachen zu übersetzen und so einer globalen Leserschaft verfügbar zu machen.




Arı betonte, dass der Auftritt der Türkei insbesondere die kulturelle Vielfalt betonen werde, auf die man stolz sein könne. Auch hinsichtlich der in Deutschland lebenden Türken sei die Veranstaltung wichtig. In den Bereichen Tourismus, Sport, und Wirtschaft sei die Türkei mittlerweile fest in Deutschland verankert. Nun gelte es, dies auch im Bereich der Kultur zu bewerkstelligen. mehr...

Grundbesitzbande verhaftet

Die türkische Polizei hat eine Verbrecherorganisation ausgehoben, die insbesondere ältere und vereinsamte Nicht-Muslime erpresst und sich deren Grundbesitz angeeignet hat.

Auf den Fund der Leiche einer älteren Dame in Istanbul-Beykoz hin hat die Polizei weitreichende Ermittlungen gestartet, im Zuge derer ein Gruppe von ca. dreißig Personen ermittelt werden konnte, die an den Verbrechen beteiligt waren. Unter den dringend Tatverdächtigen befinden sich der Leiter des Grundbuchamtes von Beykoz sowie zwei Ärzte. Es wird davon ausgegangen, dass die hohe Zahl nicht-muslimischer Opfer damit zusammen hängt, dass diese keine Angehörigen mehr in der Türkei hatten. Die beteiligten Ärzte stellten bei Bedarf Unzurechnungsfähigkeitsatteste aus.

Die Bande soll wie folgt vorgegangen sein: Einige Mitglieder waren damit beauftragt, ältere, alleinstehende und vorzugsweise nicht-muslimische Personen ausfindig zu machen. Danach hat man Haushaltshilfen in die betreffende Haushalte eingeschleust, um das Vertrauen der hilflosen Senioren zu erschleichen. Nach kurzer Zeit wurden die Opfer entführt und dahingehend erpresst, der Bande ihren Grundbesitz zu überschreiben. Bei den Opfern, die sich weigerten, wurde der "Schweineknoten" angewandt, der auch von der türkischen Terrororganisation "Hizbullah" bei ihren Morden verwendet wird. mehr...

Neuer türkischer Satellit ins Weltall geschossen

Der neue türkische Satellit "Türksat 3A" ist in Französisch-Guayana ins All geschossen worden.

Der neue Satellit soll es ermöglichen, die angebotenen TV- und Radioprogramme mit kleineren Empfangschüsseln als bisher üblich zu empfangen. Neben den klassischen Rundfunkangeboten wird Türksat 3A auch für Datenübertragungen im Bereich Internet und Telefonie genutzt werden. Der künstlich Trabant, dessen Einsatzdauer mit 20 Jahren angegeben wird, soll die Gebiete Europa, Naher Osten, Nordafrika, Zentralasien und China mit entsprechenden Signalen beliefern.

Wie Verkehrs- und Kommunikationsminister Binali Yıldırım sagte, soll das US$ 200 Mio. teure Gerät in zehn Tagen einsatzbereit sein. An der Produktion des Satelliten waren 22 türkische Ingenieure beteiligt. Diese Quote soll bei dem für 2011 geplanten Start des Türksat 4A noch erhöht werden, um den für 2014 geplanten Türksat 5A in kompletter Eigenregie produzieren zu können. Um die Kosten für den Weltraumtransport gering zu halten, wurde zeitgleich mit Türksat 3A der britische Satellit SKYNET transportiert. mehr...

Türkisches Parlament sucht die Entspannung

Parlamentspräsident Köksal Toptan (AKP) sucht derzeit nach Wegen und Strategien, die immer angespanntere Atmosphäre im türkische Hohen Haus, die sich bisweilen in Handgreiflichkeiten niederschlägt, zu entspannen.

So hat Köksal den Vorschlag eines Gipfeltreffens ins Gespräch gebracht, bei welchem die Spitzen der im Parlament vertretenen Parteien im kleinen Kreis die herrschenden Spannungen ausdiskutieren und zu einer zivilisierteren Gesprächskultur zurückfinden sollen. Im Vorfeld dieses Gipfels hat Toptan nun einen Mini-Gipfel zur Vorbereitung der eigentlichen Gesprächsrunde abgehalten und um konkrete Vorschläge gebeten. Neben Toptan und den Präsidiumsmitgliedern Nevzat Pakdil, Eyüp Cenap Gülpınar, Güldal Mumcu und Meral Akşener waren als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der einzelnen Parteien Nihat Ergün (AKP), Kemal Kılıçdaroğlu (CHP), Oktay Vural (MHP) und Selahattin Demirtaş (DTP) anwesend.

Wie bekannt wurde, hat der Vorschlag von Nihat Ergün für einiges Gelächter gesorgt. So schlug der Politiker vor, dass die Parteivorsitzenden mit ihren Gattinnen gegenseitige Hausbesuche durchführen sollten. Nach einer kurzen Lachpause machte Kemal Kılıçdaroğlu geltend, dass zwischen der AKP und der CHP ein immenses Vertrauensproblem bestünde. Nach Beispielen gefragt, gab er an, dass sich die AKP nicht für Unterstellungen gegenüber dem CHP-Generalsekretär Önder Sav sowie eine Beleidigung des zweiten Staatspräsidenten Ismet Inönü entschuldigt habe. Außerdem wies er auf die parlamentarischen Konsultationen zur Reform des türksichen Rundfunkstaatsvertrags hin, während derer der Vorsitzende der staatlichen Rundfunkanstalt İbrahim Şahin die Abgeordneten der AKP darum gebeten habe, ihn vor den eindringlichen Fragen der CHP in Schutz zu nehmen. Ferner bekämen die Abgeordneten der AKP ihre Reden fertig ausgedruckt vom Ministerpräsidenten und würden sich damit begnügen, diese eins zu eins zu verlesen.

Oktay Vural von der MHP machte hingegen sowohl die AKP als auch die CHP für die Aggressivität im Parlament verantwortlich und fügte hinzu, dass die diesbezüglich auffälligsten Abgeordneten immer in den vorderen Reihen Platz nähmen, um freie Bahn für ihre Provokationen zu haben. mehr...

Verfügungsurteil des Verfassungsgerichts im Staatsanzeiger veröffentlicht

Das türkische Verfassungsgericht hat per Anzeige in der "Resmi Gazete", dem türkischen Staatsanzeiger, die Umsetzung der von der AKP beschlossenen Verfassungsänderung, mit der das Tragen von Kopftüchern an Universitäten erlaubt werden sollte, gestoppt.

In der Meldung hieß es, dass mit Erscheinen der Anzeige die Umsetzung der Verfassungsänderung bis zur Publikation des schriftlichen Urteils im Hauptverfahren auszusetzen sei. Das Urteil war dem Antrag der Oppositionsparteien CHP und DSP entsprechend zweistufig angelegt. Das Aussetzungsurteil entspricht somit einer einstweiligen Verfügung zum Stopp der Anwendung der Verfassungsänderungen. Das Urteil im Hauptverfahren zu den zwei geänderten Verfassungsartikeln war mit 9 zu 2 Stimmen gefällt worden. Der Aussetzungsantrag ist jedoch einstimmig beschlossen worden.

In dem Urteil heißt es: "Das am 09. Februar 2008 beschlossene Gesetz Nr. 5735 zur Änderung einiger Artikel der türkischen Verfassung ist am 05. Juni 2008 per Urteil mit dem Aktenzeichen E.2008/16, K.2008/116 aufgehoben worden. Um vor unabsehbaren und nicht mehr revidierbaren Folgen, die durch die Umsetzung dieses Gesetzes entstehen können, vorzubeugen, darf das Gesetz nicht umgesetzt werden, bis das entsprechende schriftliche Urteil in der Resmi Gazete veröffentlicht wurde. Dieser Beschluss wurde einstimmig gefasst." mehr...

Donnerstag, 12. Juni 2008

In eigener Sache: Türkeimonitor.de

Ein Post in eigener Sache:

Ab sofort ist "Der Türkeimonitor" unter http://www.türkeimonitor.de/ verfügbar. mehr...

Reisen auf Kosten der Toten

Die parlamentarische Untersuchungskommission, die aufgrund der anhaltenden Todesfälle in den Werften von Tuzla eingerichtet wurde, ist angesichts ihrer jüngsten Entscheidung endgültig in das Zentrum der Kritik gerückt.

So hat die Kommission beschlossen, ausgedehnte Inspektionsreisen in die Ukraine und nach Südkorea zu unternehmen, um, wie es heißt, die dortigen Arbeitsbedingungen zu untersuchen. Die Reisen sollen von einer 20-köpfigen Delegation angetreten werden, der neben den 16 Auschussmitgliedern auch Sachverständige und Stenografen angehören sollen. Während sich die Zahl der getöteten Arbeiter seit 2006 auf 86 beläuft, hat der Auschussvorsitzende Mehmet Domaç von der AKP beim Parlamentspräsidium die Übernahme sämtlicher Kosten beantragt.

Der Parlamentspräsident Köksal Toptan sei von den Plänen jedoch nicht sonderlich angetan. Toptan, dessen Zustimmung für die Finanzierung der Reise nötig ist, hatte seinerzeit eine Übernahme der Kosten für die Italien-Reise der Olivenöl-Kommission abgelehnt. mehr...