Freitag, 30. Mai 2008

Der heilige Stoff

Der streitbare türkische Theologe Prof. Dr. Zekeriya Beyaz hat als Gast in der Sendung "Orada neler oluyor? " (zu deutsch: Was passiert dort?), die vom türkischen Sender "Star TV" ausgestrahlt wird, dem Kopftuchstreit eine neue, äusserst ungewohnte Dimension hinzugefügt.

Beyaz, dessen theologische Ansichten oft mindestens genau so interessant sind wie seine äussere Erscheinung und der in der Türkei einen Kult-Status innehat, wurde in der Sendung gefragt, ob dem Kopftuch nicht ein gewisses Maß an Heiligkeit zukäme. Schließlich werde durch das Stück Stoff eine Weisung des Allmächtigen umgesetzt.

Die Antwort von Professor Beyaz: "Wenn man schon bei Textilien nach der Heiligkeit fragt, dann müsste die heiligste Textilie die Unterhose sein, da sie die wichtigste Region des Körpers verdeckt."
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Service wie in Dubai

Was klingt wie ein Qualitätsprädikat ist in Wahrheit eine zutiefst verstörende Momentaufnahme der türkischen Wirklichkeit. Das Hotel "Golden Horn" in Istanbul ist durch ein Serviceverständnis aufgefallen, welches man eigentlich nur aus arabische Staaten kennt.

Die Abgeordnete des Berliner Senats Dilek Kolat (SPD) ist mit einer Gruppe von Parlamentarierinnen nach Istanbul gereist. Als die Gruppe nach Konsultationen mit den Frauenverbänden der AKP und der CHP ins "Golden Horn" einkehrte, um dort zu essen, hielt die anfängliche Begeisterung der Damen für die Türkei jedoch nicht lange an. Frau Kolat wurde der von ihr gewünschte Raki mit der Begründung verweigert, dass sie Türkin sei. Die deutschen Damen erhielten ihre Alkoholika ohne Probleme. Als Frau Kolat darauf hin den Direktor des Hotels zu sich bat, gab dieser an, dass die Stadtverwaltung von der AKP geführt werde, und dass man eigentlich über keine Lizenz für den Ausschank von Alkohol verfüge. Bei "Touristen", d.h. Nicht-Muslimen, könne man jedoch eine Ausnahme machen. Sollte die Stadtverwaltung jedoch bei einer Razzia sehen, dass man Alkohol an Türken ausschenke, werde das Hotel umgehend geschlossen.

Die deustchen Parlamentarierinnen schickten darauf hin auch ihre Getränke zurück und waren restlos "bedient". mehr...

Ein neuer Abhörskandal

Ein Gespräch des Generalsekretärs der Republikanischen Volkspartei CHP Önder Sav mit dem ehemaligen Gouverneur von Bolu Ali Serindag, welches am 23. Mai in der Parteizentrale stattfand, wurde am 27. Mai in der religiös-konservativen zeitung "Vakit" teilweise Wort für Wort wiedergegeben. Der Vorgang löste ein schweres politisches Erdbeben aus. Sav erklärte, dass sich ausser Serindag und ihm sonst niemand in dem Raum befunden habe.

Daraufhin wurden die gesamte Parteizentrale nach Wanzen durchsucht, jedoch wurde man nicht fündig. Die Frage, wie das Gespräch belauscht wurde, bleibt zunächst ungeklärt, jedoch bleiben als mögliche Antworten nur technische Lösungen, die in der Türkei nur die Sicherheitsorgane realisieren können. Der Parteivorsitzende Deniz Baykal, der manchen als republikanischer Betonkopf, anderen hingegen als die letzte demokratische Hoffnung gilt, erklärte in einer Pressekonferenz, dass die AKP-Regierung diese illegakle Aktion veranlasst habe. Er berief sich dabei ausdrücklich auf den Watergate-Skandal und meinte weiterhin, dass sich unter der AKP-Regierung "Banden" innerhalb des Sicherheitsapparates eingenistet hätten, die oppositionelle politische Kräfte abhörten und unter Druck setzen wollten.

Der türkische Innenminister Besir Atalay ging ob der schweren Anschuldigungen vor die Presse - es war dies immerhin die zweite Pressekonferenz in seiner Amtszeit - und wies zunächst alle Anschuldigungen gegen die Regierung und die Sicherheitsorgane zurück, und versprach eine schnelle Aufklärung des Vorfalls. Dabei machte er einen recht verwirrten und kaum überzeugenden Eindruck.

Solche Vorfälle, die in der Türkei mit dem Namen "Telekulak", also Teleohr, bezeichnet werden, sind in der Türkei leider gang und gäbe. In der jüngeren Vergangenheit waren unter den abgehörten Personen illustre Namen wie der Kommandeur der Heeresakademien Reha Taskesen, dessen telefonische Korrespondenz mit seiner Geliebten veröffentlicht wurde und der daraufhin seinen Rücktritt erklärte. Ein Gespräch des ehemaligen Vorsitzenden des Nationalen Hochschulrates Erhan Tezic, der sich vehement gegen die Einführung des Kopftuchs an türkischen Universitäten stemmte und die AKP-Regierung in diesem Gespräch mit derben Worten kritisierte, wurde ebenfalls veröffentlicht. Der Kommandant der Abteilung für elektronische Systeme im Generalstab Münir Erten wurde ebenfalls abgehört. Die Aufnahmen, auf denen er zugab, dass bei den grenzüberschreitenden Operationen im Nordirak weitaus weniger PKK-Terroristen getötet wurden als bisher angenommen, wurden über einen schweizer Account bei YouTube veröffentlicht. Aufnahmen, auf denen der Kommandant für die Ausbildung der Seestreitkräfte Kadir Sagdic erklärt, dass das Militär wie ein Damokles-Schwert über der AKP-Regierung hängt, wurden ebenfalls über das Internet veröffentlicht. Über den Verdacht, dass der 2. Vorsitzende des Verfassungsgerichts Osman Paksüt während einer Autofahrt abgehört wurde, berichtete der Türkeimonitor hier.

Folgende Fragen müssen von Seiten der AKP-Regierung schnellstmöglich beantwortet werden:
  • Wurde unter der AKP-Regierung eine weitere Abteilung aufgebaut, die über die selben technischen Möglichkeiten verfügt, wie das Direktorat für Nachrichtendienste der Polizei?
  • Wurden dieser Einheit, die von Geheimdienstlern nur "Die Besonderen" genannt werden, technische Gerätschaften an die Hand gegeben, mit deren Hilfe man aus fahrenden Autos und geschlossenen Räumen Gespräche aufzeichnen kann?
  • Haben "Die Besonderen" eigene Zentralen, die von denen der "normalen" Nachrichtendienstabteilung der Polizei getrennt sind?
  • Sind die Beamten dieser besonderen Einheit auffällig hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Organisation, Bruderschaft oder politischen Vereinigung?
  • Hat diese Einheit neben der Unterstützung des Direktorats für die Bekämpfung des Organisierten Verbrechens den Auftrag, oppositionelle Parteien, unliebsame staatliche Organe und das Militär zu belauschen?
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Ein Massengrab der anderen Art

Bei Antalya hat der Tierschutzbund nahe des Örtchens Varsak ein Massengrab für Hunde entdeckt. In der Türkei gibt es viele Strassenhunde, die tollwütig sind, und die Menschen und andere Tiere gefährden. Leider führt dieser Umstand dazu, dass sich die oftmals überforderten örtlichen Behörden nicht anders zu helfen wissen, als diese Tiere zu töten.

Die Vorsitzende des Tierschutzbundes von Antalya Sevda Kirac gab an, dass man auf einen Hinweis hin in einem Waldgebiet mit Grabungen begonnen habe und dabei eine Stätte entdeckt habe, in der über 5.000 Tiere verscharrt worden seien. mehr...

Der Laden ist zu


Der türkische Fussballclub Beşiktaş aus Istanbul hat, wie alle türkischen Vereine, fanatische Anhänger. Innerhalb der Anhängerschaft von Beşiktaş gibt es jedoch eine lose organisierte Gruppe mit dem Namen "Çarşı" (zu deutsch Markt/Basar/Warenhaus), die als die "Lokomotive" der Beşiktaş-Fans gilt. Çarşı ist seit ihrem Bestehen die kreativste, selbstbewussteste und darüber hinaus auch von Anhängern anderer Vereine am meisten geachtete Fangruppe der Türkei und geniesst auch International ein hohes Ansehen. Die Achtung geht sogar so weit, dass sich die an sich bis aufs Blut verfeindeten Fans der anderen Mannschaften im Beşiktaş-Trikot ins Inönü-Stadion (Die drei großen Istanbuler Clubs Beşiktaş, Galatasary und Fenerbahçe haben jeweils ihr eigenes Stadion) begeben, nur um die sensationelle Atmosphäre mit Gänsehautgarantie genießen zu können.

Çarşı begnügt sich jedoch nicht nur mit fussballerischer Devotion, die u.a. dazu führte, dass man den Stadionweltrekord mit einer Lautstärke von 132 dB brach. Als der Spieler Samuel Eto´o vom FC Barcelona in Spanien Opfer rassistischer Rufe und Gesänge wurde, hing Çarşı ein riesiges Plakat mit der Schrift "Çarşı ist gegen Rassismus - Wir sind alle Eto´o!" auf. Bei der Saisoneröffnung 2005/2006 trat Çarşı mit dem Plakat "Çarşı ist gegen Atomanlagen" in Erscheinung. Während der Saison 2006/2007 hing Çarşı gemeinsam mit Greenpeace Turkey ein Plakat mit der Inschrift "Für eine Türkei ohne Atomenergie" auf. 2007 hat Çarşı seine Anhänger dazu aufgerufen, dem türkischen Roten Halbmond Blut zu spenden, welchem massenhaft Folge geleistet wurde. Für Waisenkinder wurden Geld- und Sachspenden organisiert. Nach der Ermordung von Hrant Dink befestigte Çarşı ein riesiges Plakat mit dem Titel "Wir sind alle Armenier!" im Inönü-Stadion. Selbst gegen das Ozonloch und die Erderwärmung wurde protestiert.

Diese Vereinigung hat sich nun zum Entsetzen der türkischen Fussballgemeinde selbst aufgelöst. Wie der Anführer von Çarşı, der armenischstämmige Alen Markaryan, anlässlich der Präsentation eines Dokumentationsfilms über die Gruppe bekannt gab, hat die Gruppe beschlossen, ab sofort nicht mehr als Çarşı aufzutreten. Als Grund gab er an, dass in der letzten Zeit immer mehr Akteure auf den Zug aufgesprungen seien, nur um vom Image der legendären Fans zu profitieren. Ferner war das immer wiederkehrende Gerücht, dass die Fans nicht mehr wegen Beşiktaş, sondern wegen Çarşı ins Inönü-Stadion kommen, ein weiterer Beweggrund.

Hier ein Video, welches zeigt, wie der Çarşı-Anführer Alen Markaryan die Fans auf das Eintreffen der Mannschaft vorbereitet:



Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidung revidiert wird.
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Donnerstag, 29. Mai 2008

Keine Integration ohne Bastürk und Altintop - Wie die Zusammenstellung des türkischen EM-Kaders dem DFB in die Hände spielt

Gestern mussten die Trainer der an der EM teilnehmenden Nationen endgültig ihren Kader nominieren. Fatih Terim, der Trainer der türkischen Nationalmannschaft, hat genau wie Joachim Löw drei Spieler aus seinem Kader gestrichen. Diese sind an sich jedoch keine unbedeutenden Akteure, sondern Yildiray Bastürk vom VfB Stuttgart, Halil Altintop von Schalke 04, sowie der in Deutschland eher unbekannte Ibrahim Kas, der in der nächsten Saison beim spanischen Erstligisten FC Getafe spielen wird. Es lässt sich darüber streiten, ob es grundlegend richtig ist, sich im Vorfeld der EM mit drei "überflüssigen" Spielern ins Trainingslager zu begeben, nur um diese dann wieder auszusortieren. Dafür spricht natürlich, dass Spieler sich im Trainingslager oder in den Freundschaftsspielen verletzen können, doch was spricht gegen Nachnominierungen?

Es ist bekannt, dass die Spieler Halil Altintop und Yildiray Bastürk deutsch-türkische Wurzeln haben. Beide sind in Deutschland aufgewachsen und haben sich dennoch entschieden, für die türkische Nationalmanschaft zu spielen. Es ist auch offensichtlich, dass der aktuelle türkische Nationaltrainer Fatih Terim kaum auf diese Spieler baut. Herr Terim hat in der Vergangenheit schon des Öfteren bewiesen, dass er mit diesen Spielern irgendwie nicht kann. Die aktuelle Entscheidung von Herrn Terim übertrifft seine bisherigen jedoch erheblich und die Auswirkungen dieser Entscheidung könnten meines Erachtens nach extrem ausfallen. Neben der Gefahr, dass die türkische Nationalmannschaft ohne diese Schlüsselspieler Gefahr läuf,t bei der EM hinter ihren Möglichkeiten zurückzubleiben, kann von der Nichtberücksichtigung gestandener Fußballer auch ein falsches Signal an die in Deutschland lebenden Türken ausgehen. Vor allem dann, wenn die Nichtberücksichtigung von Bastürk und Altintop absolut nicht nachvollziehbar ist. Bastürk ist im besten Fußballeralter und war zuletzt beim VFB Stuttgart in hervoragender Verfassung. Darüber hinaus ist er einer der letzten zwei Spieler jenes türkischen Kaders, der bei der WM 2002 Dritter wurde. Es ist ebenfalls anzunehmen, dass der Rauswurf Halil Altintops die Leistung seines Zwillingsbruders Hamit Altintops erheblich schwächen dürfte.

Doch selbst wenn dieser "worst case" nicht eintritt, so besteht das Risiko, dass sich junge Deutsch-Türken in Zukunft ebenso wenig von der Türkei integriert fühlen werden, wie bisher von deutscher Seite. „Integration“ ist keinesfalls ein einseitiger Prozess. Sie darf auch niemals als solche betrachtet werden. Der DFB dürfte sich jedenfalls die Hände reiben, wenn in Zukunft das riesige Potential türkischer Nachwuchsfußballer von Entscheidungsträgern wie Herrn Terim unberücksichtigt bleibt. mehr...

Samstag, 24. Mai 2008

"Ehrenmord an Morsal O. " - Ein Kommentar zum Spiegel-Online Artikel

Bisher habe ich mich mit Ehrenmord nicht auseinandergesetzt. Daher werde ich im folgenden den Versuch unternehmen, diese Art tragischer Ereignisse oder anders ausgedrückt diese Art von "Familientragödien" aus meiner persönlichen Perspektive kurz zu untersuchen ohne detaillierte Kenntnisse über diesen spezifischen Fall oder andere Fälle zu haben in denen von "Ehrenmord" gesprochen wird. Betrachte ich das Wort Ehrenmord genauer, dann stelle ich fest, dass bereits in der Wortverknüpfung von "Mord" und "Ehre" das Motiv der Tat umschrieben wird. Jedes dieser beiden Wörter für sich, stellt mich bei dem Versuch einer Definition vor eine große Herausforderung. Was treibt Menschen dazu einen Mord zu begehen? In jedem Fall behaupte ich ersteinmal, das allgemein die Fähigkeit einen Menschen zu töten unabhängig von der Herkunft eines Menschen ist und ein potenieller Mörder in jedem von uns steckt. Jedoch ist ein Mord aus meiner Sicht selbst mit ungesundem Menschenverstand absolut nicht nachzuvollziehen. Morde ereignen sich tagtäglich und überraschen die Opferseite, Bekannte, Freunde und nahe Verwandte des Mörders gleichermaßen. Man sieht also einem Menschen nicht an, dass er dazu fähig ist einen anderen Menschen zu töten. Auf der anderen Seite lässt eine ausgeprägte Gewaltbereitschaft eines Menschen durchaus die Vermutung zu, dass eventuell die Hemmschwelle für einen Mord geringer ist als bei einem Menschen, der nie Gewaltbereitschaft gezeigt hat, was aber de facto nichts heißen muss. So oder so, ich behaupte, es gibt keine logische Erklärung und keine Rechtfertigung für Mord.

In dem Artikel:"Ehrenmord an Morsal O." auf spiegel-online wird ein Erklärungsversuch des Begriffs Ehrenmord unternommen und die deutsch-türkische Rechtsanwältin Seyran Ates zitiert.

Hier ein Auszug:
"Dieser Ehrbegriff fußt auf der sexuellen Nicht-Selbstbestimmung der Frau. Das bedeutet: kein Sex vor der Ehe, kein Freund." Wenn sich ein Mädchen oder eine junge Frau nicht daran halte, werde sie "als Schandfleck angesehen - und muss getötet werden, um die Ehre wieder herzustellen".

Weiter heißt es in einer Statistik des Artikels, das Ehrenmorde sich überwiegend in türkischen Familien ereignen.

Dieser kausale Zusammenhang von Aktion und Reaktion, den Frau Ates hier versucht aufzustellen und die Art und Weise, der journalistischen Berichterstattung von Frau Hans halte ich für sehr gefährlich, da hier Stereotypen geschaffen werden. Ich hätte mir gewünscht, das Frau Ates, es sich nicht ganz so einfach macht mit Ihrer Erklärung.

Es bleiben offene Fragen, die mich noch weiter beschäftigen werden:

Wo ist der Unterschied zwischen einer Familientragödie und einem Ehrenmord?
Wer kann das Motiv eines Täters genau bestimmen? Hat Frau Ates recht und ist der Täter auch nur Opfer "des Systems"? Wenn ein solches System existiert, wer ist davon betroffen? Existiert ein solches System nur bei den Türken, bei allen Türken oder bei bestimmten Türken, die vielleicht irgendetwas gemeinsam haben?
Wo liegen die historischen Wurzeln des "Ehrenmordes" und lassen sich diese grundsätzlich geographisch, ethnisch oder nach anderen Eigenschaften zuordnen? mehr...

Freitag, 23. Mai 2008

Die alte Leier von der Verschwörungstheorie

Der Türkeimonitor berichtete wiederholt über die skandalösen Vorgänge in Tuzla. Nun hat Industrie- und Handelsminister Zafer Çağlayan seine Interpretation der Vorgänge der türkischen Öffentlichkeit mitgeteilt.

Çağlayan wies daraufhin, dass die türkische Werftindustrie weltweit an 8. Stelle rangiere, bei Megayachten sogar auf dem 3. Platz. Der Minister schob laut "Radikal" sodann eine höchst suggestive Frage hinterher: "Ob der tolle Zustand unserer Werftindustrie wohl auswärtigen Kräften ein Dorn im Auge ist? Gibt es vielleicht sogar eine gezielte Provokation? Dies müssen wir zunächst sorgfältig prüfen."

Gerade weil es in diesem Sektor so gut laufe, müsse man bei den Arbeitsbedingungen "flexibel" sein. Die diesbezüglichen Versäumnisse müssten "von beiden Seiten" behoben werden, es sei falsch, nur die Arbeitgeber an den Pranger zu stellen. Da fehlen mir ausnahmsweise die Worte... mehr...

Das gefundene Fressen "Ehrenmord"

Einige deutsche Medien, vorneweg der Spiegel, haben, vor allem durch den Mord an der Afghanin Morsal O., ihr altes Lieblingsthema "Ehrenmord" wiederentdeckt. Das Thema wird uns mal wieder fast ausschließlich von Necla Kelek und Seyran Ateş aufgetischt, wem sonst. Dass beide sich in einer so wichtigen Sache engagieren, muss man ihnen hoch anrechnen.

Gleichwohl muss die Art und Weise, wie die beiden Damen dies tun, kritisiert werden können. So haben beide jüngst den Vorschlag einer Notfallvollmacht ins Gespräch gebracht, mittels derer die betroffenen Mädchen und Frauen im Falle einer Zwangsheirat ihre Rückholung nach Deutschland im Vorfeld verfügen können. Ferner soll die deutsche Zivilgesellschaft dahingehend sensibilisiert werden, klare(re) Grenzen zu ziehen. So weit, so gut.

Doch wo werden diese Zwangsehen vollzogen? Im Ausland. Frau Kelek als Soziologin und Frau Ateş als Anwältin sind doch eigentlich prädestiniert dafür, Sensibiliserungsstrategien für jene Beamten zu entwickeln, die diesen Ehen den offiziellen Segen geben. Warum suchen beide ferner nicht den Schulterschluß mit z.B. türkischen Intellektuellen, um das Problem Zwangsheirat in der vermeintlichen Freizone "Herkunftsland" zu thematisieren? So lange beide sich damit begnügen, Zwangsehelichungen und Ehrenmorde ungerechtigterweise als Teil der türkischen, afghanischen, arabischen und schlechthin islamischen Kultur darzustellen, muss daran gezweifelt werden, dass die Vorschläge auch aufs Ganze gehen. Oft sind die furchtbaren Verhältnisse, aus denen solche Tragödien entspringen, sozial bedingt. Wahrscheinlich macht man sich jedoch unbeliebt, wenn man offen ausspricht, dass die Gründe hierfür auch in der strukturellen Ungleichbehandlung von Migranten in Deutschland liegen.

Mit dieser Inkonsequenz liefern Frau Kelek und Frau Ateş ihren Kritikern weiterhin den Stoff, den diese brauchen. So heißt es insbesondere in türkischen Foren, dass beide Damen auch ein ökonomisches Interesse an der Verwirklichung ihrer Vorschläge hätten. Die Sensibiliserung der deutschen Gesellschaft wäre schließlich sicher ein gutes Thema für Frau Keleks nächstes Buch, und bei der Rückholung einer zwangsverheirateten Frau macht sich eine Rechtsanwältin auch nicht schlecht.

Man kann aber auch versuchen, das Problem da anzugehen, wo es entsteht - hiermit sind die sozialen Verhältnisse gemeint - und wo es Brief und Siegel erhält - nämlich im Herkunfstland, wo diese Eheschließungen vollzogen werden.

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Donnerstag, 22. Mai 2008

Schnelle Strafe für den Beamten

Wie im gesamten Rest des Landes waren es auch in Düzce Polizisten, die als erste gegen das neue Nichtraucherschutzgesetz verstiessen.

Der Polizeibeamte im Ordnungsdienst Hakan Dinçer wurde bei den Feierlichkeiten zum 19. Mai von Reportern beim Rauchen abgelichtet. Auf die in den Medien zirkulierenden Bilder hin hat der Bürgermeister von Düzce Mehmet Keleş dem Beamten eine Ordnungsstrafe von 67 YTL aufgebrummt. Doch damit nicht genug, erhielt der nikotinsüchtige Staatsdiener ferner als Verwaltungsstrafe die Auflage, 10 Bäume zu pflanzen und vor allem jeden Morgen in dem Stadium, in dem er geraucht hatte, Sport zu treiben. Unter dem Applaus seiner Kollegen absolvierte Dinçer sein erstes Straftraining. mehr...

Erst das Geld, dann das Leben

In Alanya wurde eine verdächtige Tasche unter Aufsicht des Kampfmittelbeseitigungsdienstes kontrolliert gesprengt. Dabei hat ein Bürger das Sprichwort vom unerschrockenen Türken knallhart auf die Probe gestellt.

Im Ortsteil Şekerhane hat eine herrenlose Tasche vor einer Bank die Polizei alarmiert. Die Antiterror-Einheit der Polizei ließ den Kampfmittelbeseitigungsdienst anrücken. Zeitgleich wurden in der Umgebung der Tasche mittels eines "Jammers" alle Funkverbindungen gezielt gestört, um eine Fernzündung zu vermeiden. Anschließend wurde der Bereich abgesperrt und die kontrollierte Sprengung vorbereitet.

Sekunden vor der Sprengung gelang es einem Bürger, vom eigentlich abgesperrten Geldautomaten Geld abzuheben. Der kaltschnäuzige Bankkunde ließ sich auch von der unmittelbar auf sein Eintreffen folgenden Detonation nicht beirren und hob in Ruhe sein Geld ab. mehr...

Neues von der Schulbus-Mafia

Die über eine Verkehrskontrolle ans Tageslicht gekommenen mafiösen Vorgänge beim Istanbuler Verband der Schulbusunternehmer stehen kurz vor der Aufklärung.
Die Ermittlungen ergaben, dass der Leiter des Ortsverbands Musa Çakrak einen Mord an zwei unliebsamen Kontrahenten plante. Der Herausgeber und ein Journalist einer Branchenzeitung, die mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren publiziert wird, haben Çakraks Wahl im Jahr 2005 unterstützt. Als dieser sich für die Unterstützung jedoch nicht erkenntlich zeigte, wurden sie zu seinen stärksten Kritikern.
Also fasste der Unternehmer den Plan, die beiden von einem Killerkommando ermorden zu lassen. Die von ihm angeheurten Männer fuhren jedoch zunächst in die falsche Redaktion. Auf dem Weg in das eigentliche Ziel wurden die Männer in Çakraks Audi bei einer Verkehrskontrolle festgenommen. mehr...

Legionäre im Einkaufszentrum

In Edirne wurden bei Fundamentierungsarbeiten für ein neues Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Gelände der Handelskammer Grabanlagen gefunden, die aus dem späten Römischen Reich stammen.

Wie Prof. Dr. Engin Beksaç von der Trakya Universität mitteilte, sei man somit den Gründungsjahren der Stadt, die einst Hadrianopel hieß, sehr nahe gekommen. Die Art der Bestattung weise darauf hin, dass es sich um christliche Legionäre gehandelt habe. Bei den Grabungen sei man in oberen Schichten auch auf Holzbauten und Keramiken aus der frühen Osmanischen Periode gestoßen. mehr...

Ein Brief mit Folgen

Die 13-jährige Schülerin Melek Adıbelli aus Mardin hat dem Vorsitzenden des Hohen Rundfunk- und Fernsehrates RTÜK vor einiger Zeit einen Brief geschrieben, in dem sie fordert, reißerische Berichte über von zu Hause entlaufene Mädchen und alleinstehende Frauen und Mütter künftig stärker zu kontrollieren und, wenn möglich, zu unterbinden, da diese Form der Berichterstattung dazu führe, dass immer weniger Mädchen auf weiterführende Schulen gelangten.

Der Vorsitzende des Rates, der Fernsehkanäle schon mal für ein paar Tage abschaltet, wenn nackte Haut in einem Musikvideo zu sehen ist, jedoch äußerst blutrünstige Filme und Serien nicht sanktioniert, fand sich nun zu einem Arbeitsbesuch in Mardin ein. Im Anschluss an die Konsultationen mit örtlichen Medienvertretern sagte Zahit Akman, dass er die Veranwortlichen gebeten habe, der Bitte des Mädchens Folge zu leisten. Akman besuchte die 13-jährige auch in ihrer Schule, stiftete Computer und Schreibmaterialien und sagte, sich ab sofort für die schulische Laufbahn des Mädchens einsetzen zu wollen.
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Whitley Gold Award für Şekercioğlu

Der bedeutendste internationale Preis für den Umweltschutz, der Whitley Gold Award, wurde dem 32-jährigen Dr. Çağan H. Şekercioğlu von der Universität Stanford verliehen.

Der mit 30.000 britischen Pfund dotierte Preis wurde in der Londoner Royal Geographical Society durch Prinzessin Anne überreicht. Der türkische Wissenschaftler erhielt den Preis für sein Konservationsprojekt für den Kuyucuk-See bei Kars, der Heimat für über 160 Vogelarten ist. mehr...

Orhan Pamuk in China geehrt

Der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk ist in China zum Ehrenmitglied der Nationalen Akademie der Sozialwissenschaften erklärt worden.

In seiner in Peking gehaltenen Rede mit dem Titel "Wer sind wir wirklich? In Kars und in Frankfurt" wies der Autor darauf hin, dass die Literatur nicht nur diverse Aspekte der Globalisierung aufnehme, sondern selbst zum globalen Medium geworden sei, was sich an seiner Popularität in China zeige. Dabei wies er auch auf die besondere Lesart seiner Werke durch das chinesische Publikum hin.

So sei sein erfolgreichstes Buch in China "Mein Name ist Rot", während sich in Amerika "Schnee" am besten verkaufe. Seine Leser in den USA würden seine Bücher mit dem Fokus Islam lesen, die Europäer hingegen akzentuierten eher die Beziehung EU-Islam. Die Chinesen würden seine Bestrebungen vor allem, ähnlich wie die Türken, als Problematisierung des Versuchs verstehen, eine reiche Tradition mit den Herausforderungen der Moderne zu verbinden, ohne sich kulturell anzubiedern. Dies sei die eigentliche Globalisierung, so Pamuk mehr...

Wer überwacht wen?

In der Türkei hat ein Lauschangriff der besonderen Art für Aufsehen gesorgt. Der 2. Vorsitzende des türkischen Verfassungsgerichts, Osman Paksüt, bemerkte bei einer Autofahrt mit seiner Frau, dass ihm ein offensichtlich schwer beladenes Auto folgt. Daraufhin hielt er in der Nähe eines Polizisten an, um sich Gewissheit über die Identität der Insassen zu verschaffen. Der herbeigerufene Polizist konnte dem Juristen jedoch nur die Antwort geben, dass es sich um ein ziviles Polizeifahrzeug handelt. Die Insassen des mit dunklen Sichtschutzfolien versehenen Zivilwagens entfernten sich von dem Ort, ohne sich auszuweisen oder wie verlangt den Kofferraum zu öffnen.

Der von Paksüt herbeigerufene Generalsicherheitsdirektor Ankaras beschwichtigte Paksüt mit der Aussage, dass es sich um ein Team des Drogenbekämpfungsdezernats gehandelt habe, welches zufällig in der Nähe gewesen sei. Die Frage, ob sich in dem Wagen eine Abhöranlage befunden hat, wurde verneint. In der türkischen Öffentlichkeit wird dem Fall jedoch entgegen diesen Beteuerungen viel Aufmerksamkeit zuteil.

Ab sofort wird der Spieß umgedreht, denn im Zuge eines landesweiten Projekts zur Verkehrssicherheit werden zahlreiche Inspektoren in Zivil und incognito die Arbeit der Verkehrspolizei evaluieren. Das Vorgehen der überwachten Polizisten wird mit Kameras aufgezeichnet. mehr...

In Tuzla tut sich was

Die türkische Regierung hat mit zögerlichen Reaktionen auf die nicht abreißende Serie von tödlichen Unfällen in den Werften von Tuzla reagiert. Nachdem eine neue Verordnung in Kraft gesetzt wurde, nach der die Werften von der türkischen Akreditierungs-Agentur TURKAK zertifiziert werden müssen, wurde die Selah-Werft vom Arbeitsministerium für unbestimmte Zeit geschlossen. In der Werft, die Erkan Selah gehört, starben am 9. Mai und am 17. Mai 2008 die Arbeiter Izzet Güder und Deniz Kaşıkeman.
Die Selah-Werft ist der türkischen Öffentlichkeit nicht unbekannt. Im August 2007 starb der Arbeiter Günay Akarsu durch einen Stromschlag. Die Verantwortlichen der Werft betonten damals mit Nachdruck, dass der Mann an einem Herzinfarkt gestorben sei. Die Obduktion brachte jedoch zweifelsfrei ans Licht, dass Akarsu an den Folgen eines Stromschlags starb. mehr...

Der "neue" 301

Das türkische Parlament hat ein Reförmchen des 301. Paragrafen des Strafgesetzbuches, in Deutschland bekannt als der "Türkentum"-Paragraf, beschlossen. Im Zuge der Reform, die nach einer heftigen Debatte am 30. April verabschiedet wurde, werden die Begriffe "türkische Identität" durch "türkische Nation" ersetzt und das Strafmaß von drei auf zwei Jahre herabgesetzt, weswegen die Verfahren künftig vor dem Amtsgericht und nicht mehr vor den Strafgerichten stattfinden werden. Organisationen wie "Reporter ohne Grenzen" halten die Änderungen jedoch für reine Makulatur, zumindest solange die einzelnen Instanzen des türkischen Rechtswesens nicht mitspielen.

Ein aktuelles Beispiel aus Peltek bei Tunceli scheint den Skeptikern recht zu geben. Das regionale Protokoll hat anlässlich des Feiertages am 19. Mai vor dem örtlichen Atatürk-Denkmal Kränze niederlegt und traf sich anschließend im Büro des Regionalpräsidenten Cihangir Güler. Der 73-jährige ehemalige Lehrer Hasan Erdoğan fand sich ebenfalls in dem Büro ein und überbrachte seine Glückwünsche. Die versammelte Gesellschaft vertiefte sich sodann in ein Gespräch über die aktuelle Lage. Dabei machte der Rentner den Fehler, seine Meinung über das neue Nichtraucherschutzgesetz in der Türkei offen zu äußern.

Seiner Meinung nach sei Nikotin ein Gift wie jedes andere, und müsste somit von den Staatsanwälten verfolgt werden. Die Staatsanwälte seien jedoch untätig, was der ebenfalls anwesende Generalstaatsanwalt Fethi Ahmet Tosun mitbekam. Erdoğan begab sich nach dem Gespräch in sein Stamm-Cafe. Nach kurzer Zeit wurde er von Polizisten, die in das Lokal kamen, aufgesucht und gebeten mit auf das Revier zu kommen. Dort wurde er fünf Stunden verhört und erfuhr über seinen Rechtsanwalt, dass gegen ihn auf Grundlage des Paragrafen 301 ermittelt werde. Staatsanwalt Tosun kommentierte den Vorgang nicht. mehr...

Wir wollen keinen Abramovic

Der Fussball hat in der Türkei ein immenses Gewicht, auch in politischer Hinsicht. Finanzminister Kemal Unakıtan geriert sich momentan als der neue Roman Abramovic des Aufsteigers Eskişehirspor. Dass sich der Politiker allerdings hinstellt und den Aufstieg des Klubs in die höchste türkische Spielklasse, die Süperlig, als seine alleinige Großtat darstellt, erregt nicht nur mehr den Zorn derjenigen, die den Verein in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaut und betreut haben.
Im Windschatten des Protestes von "Radikal"-Autor Erkan Goloğlu haben nun die CHP, die DSP und die SHP gegen das Gebaren des Ministers protestiert und im Gebäude der Eskişehir-DSP eine Pressekonferenz organisiert. mehr...

22. Deutsch-Türkisches Journalistenseminar

Heute und morgen lädt das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) namenhafte Medienvertreter beider Länder nach Antalya ein, um aktuelle bilaterale Themen zu diskutieren.

Auf dem heutigen Tagesprogramm stehen unter anderem, die Integrationsdebatte in Deutschland – unterschiedliche deutsche und türkische Ansichten, sowie deutsch-türkische Beziehungen im Lichte der jüngsten Ereignisse.

Wirklich schade, das diese Art von Veranstaltungen noch nicht als Live-Stream übetragen oder als Podcast zum download angeboten werden. Aber wenigstens soll nach Auskunft der KAS der Inhalt dieses Seminars erst als Buch erscheinen und anschließend zum download angeboten werden. mehr...

Mittwoch, 21. Mai 2008

Ein genageltes Denkmal

Die Türkische Generaldirektion für Stiftungen wollte in Erzurum auf seine Arbeit aufmerksam machen und für mehr Aufmerksamkeit gegenüber Denkmälern werben. Als Ort suchte man sich das Wahrzeichen Erzurums aus, die Çifte Minareli Medrese. Die Aktion machte jedoch durch die Art der baulichen Durchführung schnell von sich reden und rief den Ärger der Bürger hervor.

So wurde das Banner mit dem Spruch "Ich bin ein Stiftungswerk (Denkmal)" einfach in die historische Fassade des Bauwerks genagelt. Die örtliche Direktion teilte mit, dass die Nägel bereits vor Jahren angebracht wurden und somit kein Verstoß gegen die eigenen Denkmalschutzbestimmungen vorliege.

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Das UNESCO-"Kaşgarlı Mahmud"-Jahr 2008

Die UNESCO hat zum 1000. Geburtsjahr des türkischen Gelehrten Kaşgarlı Mahmud das Jahr 2008 zum "Kaşgarlı Mahmud"-Jahr erklärt.
In diesem Zusammenhang wird an der Hacettepe Universität in Ankara vom 28. bis zum 30. Mai ein Turkologie-Symposium zum Thema "Kaşgarlı Mahmud und seine Zeit" veranstaltet. Zu der Veranstaltung werden 67 Wissenschaftler aus mehreren Ländern erwartet, die sich mit Kaşgarlı Mahmud, seinem Hauptwerk "Divanı Lügat-it Türk" (zu deutsch "Die Sammlung der Dialekte der Türken") sowie der Epoche, in der Kaşgarlı Mahmud lebte und wirkte, beschäftigen werden.
Das Kulturministerium wird ebenfalls eine ganze Reihe von Veranstaltungen durchführen, und hat gestern schon einmal die neuen Sonderbriefmarken vorgestellt, die demnächst erworben werden können. mehr...

Frieden in Istanbul?

Dass Israel und Syrien über türkische Vermittler wieder in einen Dialog eintreten und über die Golan-Höhen reden, ist eigentlich kein Geheimnis mehr - selbst der Spiegel hat dies gemerkt.

Wie nun bekannt wurde, treffen sich beide Seiten zur Zeit an einem geheimen Ort in Istanbul. Aus diplomatischen Kreisen wurde verlautbart, dass zwischen Israel, Syrien und der Türkei die Abmachung getroffen wurde, sich nach einem Jahr der vorbereitenden türkischen Pendeldiplomatie mindestens zweimal im Monat in Istanbul zu treffen, und dies für mindestens drei Tage. Dabei könne die Frage der Golan-Höhen, die Israel im Sechs-Tage-Krieg erobert hatte und bis heute besetzt hält, gelöst werden. mehr...

Die Frauenhäuser kommen

Die türkische Regierung legt gemeinsam mit der UN und der EU ein Programm für den Bau von 8 Frauenschutzhäusern in der Türkei auf.
Demnach werden in Ankara, Antalya, Bursa, Eskişehir, Gaziantep, İstanbul, İzmir und Samsun Schutzhäuser errichtet, in denen von Gewalt bedrohte Frauen Zuflucht finden können. In der Türkei existieren bereits ähnliche Frauenhäuser, jedoch sind diese durch private Intiativen entstanden. Das türkische Gesetz zur kommunalen Verwaltung schreibt ohnehin vor, dass Gemeinden, die über 50.000 Einwohner zählen, über eine solche Einrichtung verfügen müssen. Das Projekt soll nun die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen stärken und diesen ein Anreiz zur Errichtung der Häuser sein.
Das Gesamtbudget des Projektes beträgt 11,8 Mio. Euro, von denen das türkische Innenministerium für 20% aufkommt. Es wird damit gerechnet, dass die Häuser rund ein Jahr nach Ende der Ausschreibungen für den Bau fertiggestellt sein werden. mehr...

Von denen, die keine Esel mehr sein wollten

In Akyazı bei Sakarya betreibt Naci Fazlıoğlu eine Sportanlage. Seit geraumer Zeit sind ihm jedoch jene Besucher ein Dorn im Auge, welche die Anlage trotz aller Ermahnungen mit Kürbiskernschalen, Zigarettenkippen und anderem Müll verschmutzen.

Fazlıoğlu sagte, dass unter seinen Gästen viele Universitätsabsolventen seien, diese sich jedoch nicht von seinen Ermahnungen hätten beeindrucken lassen. Nachdem auch der letzte Versuch, handelsübliche "Rauchen Verboten!"-Schilder aufzustellen nicht fruchtete, ging der gewiefte Geschäftsmann zu einer wahren Guerilla-Taktik über. Nun hängt auf seiner Anlage ein Schild, auf dem zu lesen ist "Ey was schlägst Du mich? Ich bin ein Esel, ich darf überall hinmachen..."
Laut Fazlıoğlu verhalten sich seine Gäste seitdem äußerst regelkonform. mehr...

Zeitgenössische Fotografie im IstanbulModern

Am 24. Mai fällt im IstanbulModern der Startschuss für eine Veranstaltungsreihe zur Zeitgenössischen Fotografie.

Die von Orhan Cem Çetin und Murat Germen geleitete Reihe beabsichtigt, das türkische Publikum mit den aktuellen Entwicklungen in der Zeitgenössischen Fotografie bekannt zu machen. Jeden Monat wird ein anderes Thema ausgegeben, von dem die Veranstalter hoffen, dass es zu vielen Fragen, Anregungen, aber auch Kritiken durch das Publikum führen werde.

Ab Juni werden folgende Themen behandelt: "Nadelöhr", "Gottfried Helnwein", "Sıtkı Kösemen/Ergün Turan/Süreyya Yılmaz Dernek", "Typologien in der Fotografie", "Beispiele aus der zeitgenössischen japanischen Fotografie", "Jyrki Parantainen" sowie "Modefotografie und deren Verbindungen zur Kunst". mehr...

Wo sind eure Frauen?

Die Konföderation Türkischer Unternehmer und Industrieller TUSKAN hat zum Zwecke der Geschäftsanbahnung fünf Unternehmerinnen aus der Zentralafrikanischen Republik nach Erzurum eingeladen. Zwei der fünf Frauen betreiben in ihrer Heimat Diamantenminen, die drei anderen anderen handeln mit Kaffee.

Die Unternehmerinnen wurden ausgiebig in der Umgebung Erzurums herumgeführt, bekamen viele Sehenswürdigkeiten zu sehen und trafen sich unter anderem auch mit dem Vorsitzenden der Industrie- und Handelskammer Erzurum Muammer Cindilli. Selbst im Zubereiten und Servieren der Erzurumer Spezialitäten Çağ Kebap und Kadayıf Dolma wurden die Damen instruiert.

Die anscheinend prächtig gelaufene Reise wurde lediglich durch einen Eindruck getrübt: Wie Olaga Olavamet Yabovet Bazoly mitteilte, habe die Gruppe nur männliche Unternehmer getroffen. Die Damen mit denen sie zusammentrafen, waren Lehrerinnen, Ärztinnen oder Anwältinnen. Dies fanden die Damen nicht nur bemerkenswert, sondern auch richtiggehend traurig. In ihrer Heimat sei es üblich, dass die Männer die Frauen in ihren ökonomischen Ambitionen unterstützten.

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Dienstag, 20. Mai 2008

Verbot...und dann?

Während in der türkischen Öffentlichkeit das Votum des Verfassungsgerichtes zum Verbotsantrag gegen die AKP mit äußerster Spannung erwartet wird, zeichnet sich schon jetzt die Strategie der Partei für die "Zeit danach" ab.
Während der Spiegel herausgefunden haben will, dass das Geschäft über eine Nachfolgeorganisation weitergehen solle, scheint die Ausgangslage doch etwas vertrackter zu sein als gemeinhin angenommen. Lediglich eine neue Organisation zu gründen, ist wahrscheinlich selbst der AKP zu simpel. Es darf nun wirklich nicht ernsthaft angenommen werden, dass ein solcher Etikettenschwindel ein weiteres schnell eingeleitetes Verbotsverfahren verhindern würde. Somit steigt auch die Anzahl der zu berücksichtigenden Szenarien. Hier eine Auswahl:

Wird die AKP verboten und erhalten mindestens 28 Politiker ein politisches Betätigunsgverbot, so werden nach Artikel 78 der türkischen Verfassung vorgezogene Neuwahlen angesetzt. Tritt dieser Fall ein, so werden auch die Kommunalwahlen, die laut Verfassung ein Jahr vor oder nach den Parlamenstwahlen stattfinden sollen, vorgezogen. Trifft das Verfassungsgericht seine Entscheidung im Juli, so sind spätestens für September Wahlen anzusetzen, wird die Entscheidung im Zeitraum September-Oktober getroffen, so werden die Wahlen im Dezember 2008 bzw. Januar 2009 stattfinden.

Was passiert aber, wenn die Partei verboten wird, jedoch weniger als 28 Politikern die Betätigung untersagt wird? Es ist anzunehmen, dass die AKP in einem solchen Fall Druck auf Abgeordnete ausüben wird, freiwillig ihr Mandat niederzulegen, um über einen solchen Weg das erste Szenario durchführen zu können und zu vorgezogenen Neuwahlen zu kommen.

Was passiert genau mit den verwaisten Mandaten? Die türkische Verfassung schreibt vor, dass in diesem Fall in dem betreffenden Wahlkreis eine Nachwahl stattfindet. Über diesen Weg wurde Ministerpräsident Erdogan seinerzeit zum Abgeordneten des Wahlkreises Siirt.

Gleichwohl ist eine vorgezogene Neuwahl für die AKP mit nicht unerheblichen Bauchschmerzen verbunden, denn nicht nur die aktuell schleppende wirtschaftliche Entwicklung lassen einen Stimmenverlust für die AKP befürchten. Hinzu kommt, dass die meisten Abgeordneten der AKP noch immer "ausgebrannt" von den letzten Wahlkämpfen sind.

Trotz allem gibt es momentan keine greifbare Alternative zur Option "Neuwahlen". Im schlechtesten Fall, d.h. wenn das Verfassungsgericht sein Urteil bis zum März 2009 aufschiebt, werden die für diesen Zeitraum angesetzten Kommunalwahlen die AKP kalt erwischen.

Was die Frage des politischen Betätigunsgverbots für Erdogan betrifft, kann er versuchen, sich als unabhängiger, sprich parteiloser Abgeordneter ins Parlament wählen zu lassen, danach den Staatspräsidenten bitte, ihn mit der Regierungsbildung zu beauftragen und das erforderliche Vertrauensvotum zu absolvieren. Er dürfte lediglich kein Mitglied einer politischen Vereinigung sein. mehr...

Was haben der Nationale Integrationsplan, die einfache Staatsbürgerschaft und die Arbeit des DFB gemeinsam?

Laut BTEU wirbt Maria Böhmer (Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration) bei Migranten für mehr Vetrauen in die Bundesregierung. So weit so gut. Im Wortlaut heißt es: "Wir haben bei der Integration umgesteuert und eine Aufbruchstimmung erzeugt. Alle tragen mit erheblichen Anstrengungen dazu bei, dass unser großes gemeinsames Projekt, der Nationale Integrationsplan, Wirklichkeit wird: Bund, Länder, Kommunen, die Wirtschaft, die Medien, der Sport, die Zivilgesellschaft."

Hallo? Kann mir vielleicht irgendwer verraten, was mit Aufbruchstimmung gemeint ist? Doch nicht etwa, das Migranten erst jetzt wahrgenommen werden? Oder etwa doch? Bisher hab ich jedenfalls von einer Aufbruchstimmung nichts mitgekriegt.

Nehmen wir als Beispiel den Bereich Sport bzw. genauer, den Fußballsport. Hier werden junge talentierte Spieler türkischer Abstammung vor die Wahl gestellt: Entweder DFB-Auswahl oder aber die Karriere in der Vereinsmannschaft ist eventuell sogar zum Scheitern verurteilt. Aber wieviele türkische Spieler haben es bis jetzt in die DFB A-Manschaft geschafft? Eine Lobby haben sie in der Vergangenheit scheinbar nicht gehabt. Aber vielleicht ändert sich das bald? Dem deutschen Fußballsport gehen langsam aber sicher die Nachwuchsspieler aus. Soviel steht fest.

Moment mal, nicht zwangsläufig, sondern nur wenn es nicht gelingt, die Altintops und Bastürks der Zukunft jetzt schon für den DFB zu gewinnen und deren Vorbildfunktion genau für diesen Zweck zu instrumetalisieren.

Und genau hier fängt das Problem an. Im Rückschluss kann die Entscheidung sich für die eine oder andere Nationalmannchaft zu entscheiden, für ein Individuum, ob es im Ausland oder im Heimatland aufgewachsen ist oder nicht, die Aufgabe der eigenen Identität bedeuten, die sowohl aus einer, zwei oder mehr Nationalitäten bestehen kann. Bisherige Praxisbeispiele wie die Altintops und andere Spieler lassen jedoch vermuten, das banal ausgedrückt, desto weiter Menschen vom Ursprungsland entfernt leben, sie gerade nicht bereit sind es komplett aufzugeben. Warum sollten Sie auch?

Und genau dieses Dilemma negiert eine tatsächliche Integration. Wenn ich zwei oder drei Pässe in der Tasche habe fällt es eben leichter, auf den einen oder anderen zu verzichten. Denn dann würde ich mich besipielsweise als Fußballballspieler nicht gegen eine Nationalität, sondern für eine entscheiden, ohne eine komplett aufgeben zu müssen.

Mein Fazit: Ohne doppelte Stastbürgerschaft auch in Zukunft keine Integration und sehr wahrscheinlich weniger Titel für Fußballdeutschland! mehr...

...ja wo ist denn das Wasser?

Der Bürgermeister von Ankara, Melik Gökçek (AKP), hat letzten Sonntag unter großem medialem Tamtam eine Wasserpipeline eingeweiht, die den See Mogan in Gölbaşı bei Ankara mit Frischwasser aus dem Kesikköprü-Staudamm versorgen soll.

Vom Wasser fehlt jedoch seit dem Tag der Eröffnung jede Spur. Der Bezirksvorsitzende der CHP Yusuf Aksakal sieht seine große Chance gekommen und gibt an, nunmehr jeden Tag den Eingang des Wassers kontrollieren zu wollen. mehr...

..und wieder Wasser!

Tja, es gibt halt Tage, wo alles fließt...
Nach dem bekannt wurde, dass die in Aksaray und Umgebung aufgetretenen Fälle von Diarrhoe durch verunreinigtes Trinkwasser entstanden sind, ist es nun auch in Konya und Ankara zu ersten Fällen von Erkrankungen gekommen. In Konya hätten sich in kürzester Zeit ca. 400 Menschen mit entsprechenden Symptomen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser eingefunden, so das Gesundheitsamt der Region.
Unterdessen hat sich die durch ihr inkompetentes Krisenmanagement zu trauriger Berühmtheit gelangte Stadtverwaltung von Aksaray als lebensmitteltechnisch versiert gezeigt: Die Berichte über die im Trinkwasser vorgefundenen Kontaminationsspuren seien höchst Widersprüchlich, so der Bürgermeister Nevzat Palta von der AKP. mehr...

Internationales Ibn Arabi-Symposium in Istanbul und Syrien


Der Kulturverband türkischer Frauen TURKKAD veranstaltet das erste türkische Symposium zu Ibn Arabi. Die Eröffnungsfeier findet am 23. Mai um 9.00 Uhr im Istanbuler CRR statt. Die Veranstaltung wird am 24. und 25. Mai auf dem Gümüşsuyu-Campus der Technischen Universität Istanbul ITÜ fortgeführt, und wird nach der letzten Session, die im syrischen Damaskus vom 26. bis zum 28. Mai stattfindet, beendet.
Die Arbeitsgruppensitzungen werden von Prof. Dr. Mahmud Erol Kılıç und Prof. Dr. Mustafa Tahralı geleitet. Als weitere Teilnehmer sind Prof. Dr. Suad el-Hakim, Prof. Dr. William C. Chittick, Dr. Claude Addas, Prof. Dr. Carl W. Ernst, Prof. Dr. Denis Gril, Dr. Bakri Alauddin, Dr. Pablo Beneito Arias und Prof. Dr. Sachiko Murata angekündigt. mehr...

Toptan zeigt Nerven

Der östereichische Bundespräsident Heinz Fischer ist zu einem Staatsbesuch in der Türkei eingetroffen. Bei einem Empfang durch Paralamentspräsident Köksal Toptan brachte dieser seinen Gastgeber gehörig ins Schwitzen, als Fischer vor laufenden Kameras nach dem status quo im Verbotsverfahren gegen die AKP fragte, der auch Toptan angehört. Toptan wolte sich zunächst mit der Antwort begnügen, dass er nicht über ein laufendes Verfahren sprechen wolle. Als Fischer jedoch immer mehr Details erfragte, sah Toptan keinen anderen Ausweg, als die anwesenden Journalisten zu bitten, den Konferenzraum zu verlassen. mehr...

Mit dem Taxi durch die Meerenge

In Istanbul nimmt ab morgen das erste Wassertaxi der Türkei seinen Dienst auf. Wie die Projektträger vom Verkehrs-Koordinations-Zentrum UKOME mitteilten, ist vorgesehen, dass sich die Istanbuler eines von später über hundert Wassertaxen mit dem Handy an einen Anlegesteg ihrer Wahl rufen und somit den chronisch infarktiösen Strassenverkehr der Mega-City entlasten.


Die Kosten für die Überfahrten wurden wie folgt angegeben:

Von Beylerbeyi nach Ortaköy (1,7 Meilen): 32 YTL, Fahrzeit 6 Minuten
Von Kalamış nach Bebek (7,1 Meilen): 86 YTL, Fahrzeit 23 Minuten
Von Çengelköy nach Beşiktaş (2,3 Meilen): 37 YTL, Fahrzeit 7 Minuten mehr...

Türken in Poesie-Anthologie




In der in den USA veröffentlichten Poesie-Anthologie New European Poets sind sieben türkische Autoren mit ihren Gedichten vertreten. Der von Wayne Miller und Kevin Prufer herausgegebene Band präsentiert dem amerikanischen Publikum die Werke von Haydar Ergülen, Enis Batur, Lale Müldür, Mustafa Ziyalan, Sami Baydar, Seyhan Erözçelik und Didem Madak.
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YTL verfällt schnell

Die internationale Beratungs- und Steuerprüfungsgesellschaft KPMG hat in ihrem kürzlich vorgelegten Bericht mit dem Titel "Die türkische Wirtschaft - Aussichten und Erwartungen" darauf hingewiesen, dass die türkische Währung YTL in puncto Wertverlust im Zeitraum Januar bis April 2008 weltweit nur noch vom südafrikanischen Rand übertroffen worden sei.
Während die Börsen in New York und London seit der Krise auf dem US-Markt Einbußen in Höhe von ca. 12% verzeichneten, lagen diese Verluste an der Istanbuler Börse bei rund 25%. mehr...

Türkische Ärzte in Palästina

Die türkische Sektion der im Jahr 2000 in London gegründeten internationalen Hilfsorganisation Doctors Worldwide hat ein 5-köpfiges Team aus zwei Urologen, zwei Plastischen Chirurgen sowie einem Anästhesisten in die Westbank geschickt.
Wie Dr. Said Sarahneh, der Oberarzt des größten Regionalkrankenhauses "Aliya" in El Halil mitteilte, sei man mit den türkischen Ärzten, die seit dem 16. Mai in dem Gebiet tätig sind, äußerst zufrieden. Prof. Dr. İhsan Karaman, der Leiter der Mission, sagte, dass die türkischen Ärzte von morgens 8 Uhr bis spät in die Nacht hinein fast ohne Pause operieren würden. Man werde nach Ablauf des Hilfseinsatzes spätestens im September wiederkommen, um weitere Kranke zu versorgen, so Karaman. mehr...

Man darf gespannt sein. Neue Studie über die türkische Community in Berlin.

Aus dem Büro des Beauftragten des Berliner Senats für Integration und Migration Herr Günter Piening erscheint: „Berlin deutsch-türkisch, Einblicke in die neue Vielfalt“ von Dr. Martin Greve und Kalbiye Nur Orhan. Herr Dr. Greve war bereits Mitverfasser der letzten Auflage vom „türkischen Berlin“ aus dem Jahre 1998.

Die über 90seitige, reich illustrierte Publikation
gibt es (inklusive einer Anleitung zum Kopftuchbinden) gegen eine Schutzgebühr von 2,00 € beim Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration oder bald auch als download.

Herr Piening kommt jedenfalls laut einer Pressemeldung des Landes Berlin zu dem Schluss, dass sich "die Türken" hier zu Lande schon längst nicht mehr über einen Kamm scheren lassen.

Na dann, viel Spaß bei der Lektüre! mehr...

Noch mehr Wasser

Nächstes Jahr findet in Istanbul das "5. World Water Forum" statt. Im Rahmen dieses Events wird von der Initiative Local Agenda 21 das "Water and Cinema Meeting" veranstaltet, welchem ein Wettbewerb vorangeht, an dem sich jedermann beteiligen kann. In den drei Bereichen "Spots für die gesellschaftliche Wohlfahrt", "Dokumentationen und Animationen" sowie "Bildungs- und Wissenschaftsspots" sind die Teilnehmer aufgefordert, ihre Ansichten über das Thema Wasser zu verfilmen.

Der Sieger der nationalen Ausscheidungsrunde wird mit den Finalteilnehmern der Wettbewerbe in Nigeria, Turin, Paris, Verviers, Montreal, Marseille, Mexico City, Quebec und Zaragoza um die globale Platzierung konkurrieren. mehr...

Auf der anderen Seite...

...des Atlantiks befindet sich momentan Fatih Akin, dessen Film "Auf der anderen Seite" im Film Forum des vom Moon and Stars Project veranstalteten "MayFest" bis zum 3. Juni mit englischen Untertiteln gezeigt wird. mehr...

Renovieren für den Frieden

Im osttürkischen Kars hat die Initiative für Gesellschaftliches Engagegement TOG ein Schlurenovierungsprojekt veranstaltet, an dem neben türkischen, deutschen und französischen Studierenden auch 20 Jugendliche aus Armenien teilnahmen.
Wie der TOG-Vorsitzende İbrahim Betil mitteilte, sei diese Aktion nicht nur als Schulrenovierung zu verstehen, sondern sei gleichsam eine vertrauensbildende Maßnahme. Er sei stolz darauf, wenn die Schüler später von ihrer Schule behaupten könnten, dass türkische, deutsche, französische und armenische Jugendliche diese gemeinsam für sie renoviert hätten. mehr...

Kalte Dusche für Staudamm

Die Kreditgeber des Ilisu-Staudamms Deutschland, Österreich und Schweiz haben die türkische Regierung dazu aufgefordert, gegenüber kulturellen und ökologischen Problemen im Zusammenhang mit dem Projekt mehr Sensibilität zu zeigen.

Im Rahmen einer Preseekonferenz im österreichischen Duerstein haben die Kreditgeber die Türkei nun ultimativ dazu aufgefordert, den bestehenden Bedenken mit entsprechenden Maßnahmen entgegenzuwirken, ansonsten werde der Kredit nicht gewährt.


Die am Ilisu-Staudamm zu erzeugende Energie wird 10% der in der Türkei durch hydrothermische Anlagen erzeugten Gesamtenergie betragen. 121.000 Hektar Nutzfläche werden regelmässig bewässert werden können und so der Landwirtschaft zusätzlich zur Verfügung stehen. Der Grundstein wurde 2006 gelegt, 2013 soll der Bau, an dem 7.000 Menschen beschäftigt sein werden, abgeschlossen sein. Es wird erwartet, dass der Staudamm einen nationalen Mehrwert in Höhe US$ 300 Mio. generiert.



Als die Türkei mit einem Finanzkonsortium unter Führung der österreichischen Vatech-Finance GmbH am 14. August 2007 den Kreditrahmenvertrag abschloss, wurde dem Kontrakt ein 153 Punkte umfassender Auflagenkatalog vorangestellt. Die Prüfung der Einhaltung der hier definierten kulturellen, sozialen und ökologischen Kriterien obliegt einer Taskforce der Weltbank. Ein erster vorligender Bericht stellt der Türkei nun ein mangelhaftes Zeugnis aus:



In Bezug auf den Artenschutz gibt es überhaupt keine Verbesserungsbestrebungen. 26 der 35 Kriterien im Bereich Umwelt wurden bislang nicht umgesetzt. Nur bei 5 Kriterien gibt es einen teilweisen Fortschritt.





Der vertraglich vorgeschrieben Umweltaktionsplan, der noch in der Projektphase hätte vorliegen sollen, fehlt bis heute.





Der ebenfalls vertraglich vorgeschriebene Aktionsplan zur Idenifzierung und anschließenden Verbringung archäologisch und historisch bedeutsamer Stätten fehlt ebenfalls.





Die Entschädigung für jene 50.000 Menschen, die aufgrund des Projektes umgesiedelt werden müssen, ist geringer als vorgesehen. Während einige Menschen aus den betroffenen Dörfern den türkischen Staat verklagt haben, habe andere angedroht, wiederholt Asyl bei den kreditgebenden Ländern einzufordern. mehr...

Vorsicht Geldhai!

Das Ausmaß der Kreditkartenverschuldung nimmt in der Türkei immer dramatischere Formen an. Wie Nazım Kaya, der Vorsitzende des türkischen Verbraucherschutzbundes, mitteilte, liegt die nationale Kreditschuld mittlerweile bei rund 35 Mrd. YTL.
Für manche ergibt sich jedoch auch ein neues, sehr lukratives Geschäftsfeld. Auf den Strassen türkischer Städte sind immer mehr Anzeigen von privaten Geldverleihern zu finden. Diese bieten an, die Kreditkartenverschuldung gegen ein happiges Honorar zu begleichen. Der zu entrichtende Zinssatz richtet sich insbesondere nach der Bank, bei der die Schuld besteht. Hat jemand 1000 YTL Schulden, so wird ihm in der Regel angeboten, diese bei der Bank für den Gläubiger zu hinterlegen. Je nach Bank muss der "Kunde" dann zwischen 200 und 450 YTL an den Geldverleiher zurückzahlen, in der Regel nach 12 Monaten. mehr...

Vorsicht Wasser!

Im türkischen Aksaray, sowie im 70 km entfernten Şereflikoçhisar sind insgesamt 6350 Menschen an Symptomen der Diarrhoe erkrankt.

Während die lokalen Behörden den Vorfall lange Zeit als Viruswelle abtun wollten und keine Verzehrwarnung für das Trinkwasser ausgaben, liegen nun verlässliche Untersuchungen über den Kontaminationsgrad des Wassers vor. Der stellvertretende Bürgermeister Aksarays, Sadi Özdil, trank sogar vor laufenden Kameras genussvoll becherweise Leitungswasser, um dessen Unbedenklichkeit zu demonstrieren.

Leider nützte die Show nichts, denn das Refik Saydam Hıfzıssıhha Zentrum erklärte, das in den genommenen Trinkwasserproben eine kritische Menge an Adenoviren, Rotaviran, Noroviren und Kolibakterien vorgelegen habe. So habe zum einen die mangelnde Aufbereitung des Wassers mit Chlor, als auch die kürzlich erfolgte Instandsetzung des Aufbereitungsanlagen sowie der damit zusammen hängende Austausch einiger Wasserleitung zu den Verschmutzungen geführt.

Hakkı Açıkalın, der ehemalige Vorsitzende der Ärztekammer von Aksaray, sagt, dass ihm so ein Fall in seiner 28jährigen Berufslaufbahn noch nie begegnet sei.

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Pala ist tot

Mustafa Yağcı, von vielen aufgrund seines stolzen Bartes einfach nur "Pala" genant, ist tot.
Über die Jahre zu einem der Symbole der Istiklal Caddesi geworden, war er seit nunmehr sechzehn Jahren immer vor der Ağa Moschee anzutreffen. Wie nun bekannt wurde, ist er vor ca. einer Woche verstorben. Wie Palas Freunde aus Asmalımescit mitteilten, verstarb er nach einer schweren Krankheit. Pala, der keinen ständigen Wohnsitz hatte, kam mit den Zuwendungen der Touristen aus, die sich mit ihm fotografieren liessen. Auf die Frage nach den Verhältnissen, in denen Pala lebte, antwortete einer seiner Bekannten:" Pala war sehr allein. Die Einsamkeit war auch für ihn die größte Armut."

Pala gab sogar mal einen Gedichtband mit eigener Poesie heraus, und wurde seitdem auch "Pala Şair", der Dichter Pala genannt. Neben seinem auffälligem Bart und seiner kaum zu übersehenen Mütze waren seine Abzeichen sein größter Besitz. Auf seinem Revers fanden sich die über türkische Fahne, das mythologische Schwert Zülfikar, das Friedenszeichen und das Symbol des Filmfestivals viele Symbole unterschiedlicher kultureller Schattierungen, von denen Pala dachte, dass sie die Türkei repräsentierten. Er war stolz darauf, die Vielfalt der Türkei mit sich zu tragen und sagte ständig, dass er der Türkei einen kulturellen Dienst erweisen würde, da er den Touristen die Vielfalt der Türkei zeige.
Von Pala beibt einzig eine Fotografie, die an seiner Stelle vor der Ağa Moschee wacht.

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Der sympathischste Terrorist

"Tal der Wölfe", die Über-Serie des türkischen Fernsehens, hat schon mit so einigen Charakteren die post-osmanische Populärkultur bereichert. Nicht nur der Protagonist Polat Alemdar, jüngst in einer Umfrage mal wieder zum Jugendidol erkoren, sondern auch diverse andere Mitstreiter erfreuen sich großer Popularität, die soweit geht, dass die Fans deren Seriendialoge selbst nachdrehen und auf youtube veröffentlichen - kurz "schweden".
Ein gegen Ende der letzten Staffel engeführter Charakter bereitet den türkischen Fans der Serie, und insbesondere den nationalistischen Hardcorefans, die sich in den brutalen und äußerst platten Plots wiedererkennen (möchten), ein nicht zu unterschätzendes Dilemma.

Die Rede ist von Muro, dem fiktiven Stadtkommandanten der PKK für Istanbul, dargestellt vom türkischen Schauspieler Mustafa Üstündağ. Die Figur des Muro wurde zwar nach kurzer Zeit von vielen Fans Herz geschlossen, doch eigentlich war für ihn der schnelle Serientod vorgesehen, denn so ein bad guy, Anführer kurdischer Terroristen in der türkischen Mega-City, darf dem Helden eigentlich nicht lange im Weg stehen. Nun hat die produzierende Firma Pana Film angekündigt, Muro noch etwas länger am Leben zu halten. Insbesondere seine ideologisch geschliffenen Haudegen-Dialoge im feinsten Kurden-Akzent bewirkten seinen Kultcharakter und haben der Serie weiteren Zulauf beschert. Unter den "Tal der Wölfe"-Videos bei YouTube sind die Videos mit Muros Dialogen momentan am beliebtesten.

Doch die Fanbasis ist durchaus unterschiedlicher Meinung. In vielen Foren kommt immer wieder die Frage hoch, ob durch eine Figur mit solchen Sympathiewerten nicht auch die PKK aufgewertet werde. Es wird indes schon getuschelt und darüber spekuliert, wann er die Seiten wechseln wird.

Letztlich hat die Figur Muro die Türkei zumindest um einen Titel bereichert: Den des sympathischsten PKK-Terroristen von allen. mehr...

Montag, 19. Mai 2008

Wettbewerb für junge Architekten, Designer, Künstler

Die Kommunalverwaltung des Istanbuler Bezirks Bakırköy hat gemeinsam mit den Architekten von MDM einen Wettbewerb für junge Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten, Grafikdesigner und Künstler ins Leben gerufen. Die Teilnehmer bewerben sich mit Vorschlägen zur Umgestaltung der Berufsschule für Mädchen in Bakırköy in die erste Grundschule für körperlich behinderte Kinder der Türkei.
Die überzeugendsten Vorschläge werden im Zuge des Umbaus von MDM umgesetzt.

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Auktion für Zeitgenössische Türkische Kunst

Das Auktionshaus Beyaz veranstaltet am 24. Mai die 6. Auktion für Zeitgenössische und Moderne Türkische Kunst im Istanbuler Sofa Hotel.

Unter den 138 vertretenen Künstlern befinden sich nicht nur Werke der ersten Generation türkischer moderner Künstler wie Mübin Orhon, Selim Turan und Hakkı Anlı. Zu den Highlights gehören auch Arbeiten von Fahrelnisa Zeid, Nejad Melih Devrim, Abidin Dino, Nurullah Berk, (sowie von den noch lebenden) Komet, Ömer Uluç, Neşe Erdok, Burhan Doğançay und Yüksel Arslan. Mit Spannung wird auch der Verkauf von Werken jüngerer türkischer Künstler wie z.B. Kemal Önsoy, Mustafa Horasan, Leyla Gediz und Ekrem Yalçındağ erwartet.

Beyaz Art führt parallel hierzu die erfolgreich eingeführte Online-Auktion weiter. mehr...

Rücktrittsforderung an Minister Çelik

Arbeitsminister Faruk Çelik hat mit der Äußerung, dass das Sterben in Tuzla weitergehen werde, heftige Proteste ausgelöst. Die Gewerkschaften DİSK und Limter-İŞ sowie die CHP forderten daraufhin den Rücktritt des Ministers und wiesen gleichzeitig auf die mangelhafte Umsetzung der ILO-Normen in der Türkei hin.

Der Abgeordnete der CHP Çetin Soysal aus dem Wahlkreis Istanbul sagte, dass in Tuzla 15 neue Werften geplant seien. Er beschuldigte die Behörden, in dieser erdbebengefährdeten Region auf Kosten der Umwelt und der Sicherheit der Arbeiter die Interessen von Profitgeiern zu vertreten. mehr...

Entscheidung über Interpellation

Morgen wird im türkischen Parlament entschieden, ob die von der oppositionellen Republikanischen Volkspartei CHP eingereichte Interpellation an Ministerpräsident Erdogan als Tagesordnungspunkt aufgenommen wird.

Es wird erwartet, dass für die CHP Deniz Baykal, für die Fraktionen je ein Abgeordneter und für das Kabinett der Ministerpräsident oder ein Minister sprechen. Da Erdogan am Auge erkrankt ist und er deswegen heute nicht bei den Feierlichkeiten zum 19. Mai teilnehmen konnte, ist auch seine Teilnahme an der Debatte morgen fraglich. mehr...

Rauchfrei

In der Türkei gilt ab heute ein Rauchverbot für alle öffentlichen Bereiche.

Verstöße gegen das Verbot werden mit Rücksicht auf eine erforderlich Umgewöhnungszeit in Bars, Cafes und Restaurants noch nicht sanktioniert. Der englische Guardian spricht gar von einem zu erwartenden Kulturschock für ein Land, dessen verrauchte Bars, Restaurants und Arbeitsplätze längst neben seinen Sehenswürdigkeiten zum Markenzeichen geworden seien.
Am heutigen Feiertag mit seinen vielen öffentlichen Veranstaltungen, auf denen das Rauchen ebenfalls verboten ist, wurde wieder eine hohe Anzahl an Rauchern gesichtet, unter ihnen zahlreiche Polizisten, die sich nach wie vor verhalten als verfügten sie über diplomatische Immunität. mehr...

Zerrissene Jugend

Der Ankaraner Verband Junger Unternehmer ANGIAD hat eine Jugendstudie in Auftrag gegeben, die auffällige Ergebnisse zu Tage befördert hat:

So gaben viele Jugendliche an, von ihren Eltern Prügel zu beziehen. Fragte man sie nach ihren Vorbildern, waren wiederum die Eltern die am häufigsten Genannten.

Viele Jugendliche gaben an, Alkohol und Zigaretten zu konsumieren. Fragte man sie nach Institutionen, denen sie vertrauen, verwiesen die meisten auf das Militär und die Religion.

Während viele aussagten, dass sie die Politik nicht interessiere, würden sich die meisten dennoch als national-konservativ bezeichnen.

Die gleiche heimatverbundene Generation hat auf die Frage "Würdet ihr gerne im Ausland leben?" zu 80 % mit "Ja" geantwortet.

Viele Jugendlich sind gegen einen Beitritt der Türkei in die EU, wohingegen sie anscheinend persönlich kein Problem damit haben, denn unter den bei der vorangehenden Frage favorisierten Zielen sind viele europäische Metropolen.

Die wertebewussten Jugendlichen lesen fast keine Zeitungen mehr, sondern beschränken ihren Medienkonsum auf Unterhaltungssendungen im Fernsehen.

Nach den Eltern sind der Serienheld Polat Alemdar, der Unternehmer Rahmi Koç sowie der Showmaster Acun Ilıcalı die Idole der jugendlichen Generation. Anscheinend wollen sie cool sein wie Polat, Geld verdienen wie Koç und feiern bis zum Morgengrauen wie Acun.

Viele sind über die Zukunft der Türkei besorgt, nicht jedoch über ihre eigene.

In diesem Sinne gratuliere ich der zerrissenen türkischen Jugend zum Jugend- und Sportfeiertag mit den Worten, die Staatspräsident Gül zur Feier des Tages in das Ehrenbuch des Atatürk-Mausoleums geschrieben hat: "Der demokratische und laizistische Sozial- und Rechtsstaat Türkei, den Sie der türkischen Jugend vermacht haben, wird angesichts dieser Tatsache immer sein." mehr...

Mehta in Izmir

Das Abschlusskonzert des "22. Internationalen Izmir-Festivals" wird am 22. Juli von Zubin Mehta dirigiert. Wie die veranstaltende "Stiftung für Kultur, Kunst und Bildung Izmir" (IKSEV) mitteilte, wird der Maestro das italienische Orchestra Maggio Musicale aus Florenz dirigieren. Das 98-köpfige Ensemble wird unter seiner Leitung im antiken Efes-Theater Beethovens 7. und Tschaikowskis 9. Synfonie spielen. Die Karten können ab dem 21. Mai zu Preisen von 40 YTL, 100 YTL und 250 YTL erworben werden. mehr...

Ein Spitzen-Vorschlag

In Rize wurde ab sofort der Gebrauch von Schusswaffen zu Zwecken der Freudenbekundung vom Gouverneur der Region Kasım Esen verboten.

Bei der 90-Jahr-Feier zum Gedenken an den Sieg über die russischen Streitkräfte, die am 2. März 2008 abgehalten wurde, wurden an zwei 13jährige Kinder Waffen ausgehändigt, mit denen diese während einer Gefechtssimulation umherschossen. Die Verantwortlichen wurden indes mit einer Ordnungsstrafe belegt.

Dem Bürgermeister von Rize, Halil Bakırcı, gefällt diese neuerliche Entwicklung nicht recht. So sagte er, dass man im Rahmen des Gedenkens an die "Befreiung" ja kein Ballett veranstalten könne, sondern dass man "natürlich" Waffen benutze, genau wie man es damals gemacht habe.

Vielleicht sollte man die Idee mit dem Ballett wenigstens in Erwägung ziehen, denn soviel bekannt ist, wurde bis jetzt noch niemand durch eine umherfliegende Tütü-Spitze getötet... mehr...

Interessanter Punkt, Herr Gouverneur

In Bingöl ist es zwischen dem stellvertretenden Gouverneur Tolga Polat und dem Regionaldirektor der Strassenbauverwaltung Mahfuz Koşan zu einem Streit gekommen. Hierbei schlug Polat seinem Gegenüber mit der Faust ins Gesicht, so das dessen Augenbraue platzte.
İrfan Balkanlıoğlu, der Gouverneur der Provinz Bingöl, fuhr sofort nachdem er unterrichtet wurde ins Krankenhaus. Am Eingang des Krankenhauses beschwerten sich Koşans Verwandte über den Vorfall. Der Gouverneur hatte indes eine interessante Beschwichtigungsstrategie parat. Die Zeitung "radikal" zitiert ihn mit den Worten, dass man die Angelegenheit nicht aufbauschen solle. Es habe sich um eine Diskussion zum Wohle des Staates gehandelt, da könne so etwas ja mal vorkommen. mehr...

Türkei bei Breitband abgeschlagen

Der in Washington,D.C. beheimatete think tank "The Information Technology & Innovation Foundation" (ITIF) hat ein Breitbandanschluss-Ranking veröffentlicht, in dem die Türkei nur noch vor Mexiko auf Platz 29 von 30 untersuchten Staaten gelandet ist.
Über die Platzierung entscheidet ein Mittelwert, der aus drei Kategorien ermittelt wird. Dies sind die Verfügbarkeit pro Haushalt, die mittlere Download-Geschwindigkeit in Mbps und der niedrigste monatliche Preis pro Mbps im Kaufkraftvergleich mit den USA.

Während das erstplatzierte Südkorea eine Verfügbarkeitsrate von 93% aufweisen kann, kommt die Türkei auf 23%. Bei der mittleren Download-Geschwindigkeit kommt die Türkei auf 2,0 Mbps, wohingegen Japan hier mit 63,9 Mbps ganz vorne liegt. Der mittlere Preis pro Mbps beträgt in der Türkei stolze US$ 15,75, nur übertroffen von Mexiko mit US$ 18,41, jedoch meilenweit entfernt von Japan mit US$ 0,13. mehr...

Sonntag, 18. Mai 2008

Her mit dem Stock!

Die Ehemaligenvereinigung des Anatolischen Gymnasiums in Adana hat anlässlich eines Jahrgangstreffens den kürzlich nach 31 Jahren aus dem Dienst geschiedenen Schulleiter Mustafa Sofu als Ehrengast eingeladen. Auf der Feier wurde eine Versteigerung durchgeführt, deren Erlös der Computerausstattung der Schule zugute kommt.

Der ehemalige Rektor brachte ein interessantes Versteigerungsobjekt mit: Den Prügelstock, den die Anwesenden aus ihrer Schulzeit noch schmerzhaft in Erinnerung hatten. Den Zuschlag erhielt der Unternehmer Hüseyin Çomu für 5000 YTL.
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Ehrenmorde und andere Tragödien

Das traurige Phänomen "Ehrenmorde" ist wahrlich nicht neu, wird jedoch zunehmend medial thematisiert.
Dies ist richtig und wichtig. Die Opfer erhalten das Signal, dass hingeguckt wird. Es zeigt auch die gewachsene gesellschaftliche Sensibilität für die dahinter liegenden Beweggründe und normativen Strukturen.
Schaut man genauer hin, so erkennt man jedoch eine verhängnisvolle Asymmetrie: Die Taten werden als "Ehrenmorde" deklariert, sobald die Täter einem bestimmten Kulturkreis zugerechnet werden können, nämlich dem islamischen. Wenn z.B. ein Deutscher eine vergleichbare Tat begeht, wird von einer "Familientragödie" gesprochen.
Es ist schade, wie offen gewisse Stereotypen immer noch durchscheinen... mehr...

Samstag, 17. Mai 2008

Die Queen? Egal, Fussball!

Eine der letzten Stationen der Queen war der ihr zu Ehren in der britischen Botschaft gegebene vorgezogene Geburtstagsempfang. Im Rahmen dieses Empfanges kam es auch zu einem Treffen mit der türkischen Fussballlegende Hakan Sükür. Ministerpräsident Erdogan hatte darauf hin recht schnell das Interesse an Elizabeth verloren und wollte lieber mit Sükür Ball spielen. Der Mann weiß halt, was sich gehört... mehr...

Wer verdreckt hier was?

Die Asche der Opernsängerin Leyla Gencer wurde ihrem Wunsch entsprechend im Anschluss an eine Zeremonie in Ortaköy in den Bosporus gestreut.

Nuh Gönültas, Autor der als islamisch-konservativ geltenden Zeitung "Bugün" hat in diesem Zusammenhang den Vogel abgeschossen. Nachdem er in einem Artikel lang und breit dargelegt hat, dass Gencer in Italien wie eine Christin gelebt habe und somit de facto Christin sei, ist er zu dem Schluss gekommen, dass ihre Asche besser in Italien hätte bleiben sollen. Damit nicht genug fragt er in dem Artikel, warum ihre christliche Asche den türkischen Bosporus verdrecke.

Der Artikel löste eine Welle der Empörung aus. Diverse Journalistenverbände als auch ranghohe islamische Geistliche verurteilten den Autor mit scharfen Worten.

Ich frage mich, warum solche Holzköpfe immer noch die türkische Medienlandschaft verdrecken... mehr...

Im Visier der ILO

Die internationale Organisation ILO hat die Türkei als eines der Länder identifiziert, in denen das von ihren Mitgliedern ratifizierte Abkommen über Gewerkschaftsfreiheit kaum bzw. gar nicht umgesetzt wird. Das "Application Commitee" verfügt zwar über keine Möglichkeit, diesen Verstoß direkt zu sanktionieren, es kann jedoch gewisse Länder auf die "schwarze Liste" setzen, was einem internationalen Prestigeverlust gleichkommt. mehr...

Freitag, 16. Mai 2008

Ein Minister auf der Flucht

Der türkische Kulturminister Ertuğrul Günay ist zu einem Inspektionsbesuch in der Region Muğla eingetroffen. Hier wird sich der Minister den Problemen im Zusammenhang mit der Pina-Halbinsel, der neuen gelockerten Bauverordnung, die das Bauen von 5-stöckigen Hotelkomplexen in vormals naturgeschützten Bereichen gestattet, sowie dem Bau von Villen mit Swimmingpool auf 3500 Jahre alten Felsengräbern in Inlitepe bei Bodrum widmen.

Die im Vorfeld angekündigte Entschlossenheit des Ministers, diesen skandalösen Vorgängen ein Ende zu bereiten, bekam jedoch sichtlich Kratzer, als die Delegation die Reiseroute des Ministers sechs Mal kurzfristig änderte, um ein Zusammentreffen mit Umweltschutzverbänden und Bürgerinitiativen zu verhindern. mehr...

Massive Attack im Parkorman

Nach 2003 werden Massive Attack (...MASSIVE ATTACK!!!!!...) wieder in der Türkei auftreten: Am 13. Juli im Istanbuler "Parkorman".
Unterstützt werden Robert Del Naja ve Grantley Marshall dieses Mal von den Visual-FX-Spezialisten United Visual Artists, die so einige Sahnehäubchen zur Show beisteuern werden.

Die Karten kosten über biletix zwischen 75 YTL und 112 YTL.
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Tanztheater im garajistanbul


Im garajistanbul findet am 2. und 3. Juni die Aufführung "Yüzleşme" (zu deutsch: Gegenüberstellung; Konfrontation) des Tanztheater Istanbul statt. Sernaz Demirel, Erdem Gündüz, Chan-u Hong, Seçil Kaynarkan, Sheau-Feng Lou und Tan Temel werden ca. 45 Minuten Geyvan McMillans Choreografie tanzen.

garajistanbul: http://www.garajistanbul.com/index.php
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Das Innere der Drehscheibe

Türkische Politiker betonen immer wieder - und gar nicht zu unrecht - die geostrategische Bedeutsamkeit der Türkei. Der Fetisch "Energiedrehscheibe", der eldoradische Assoziationen auslöst, suggeriert hingegen einen Zustand wie z.B. in Turkmenistan (wo fossile Energieträger so gut wie kostenlos verteilt werden), von dem sich die türkische Wirklichkeit jedoch Lichtjahre entfernt befindet.
Wie skyturkonline.com mitteilt, hat die Türkei nun eine wirklich globale Duftmarke gesetzt: Mit US$ 2,81 pro Liter ist das Benzin in der Türkei weltweit am teuersten. Komische Rechnung, die da aufgemacht wird - bei den ganzen Nabuccos, Blue-Streams und Bakü-Ceylans bleibt der Verbraucher auf den höchsten Preisen und auf dem Risiko der höchsten Umweltverschmutzung sitzen...wo war jetzt noch mal der Profit? mehr...

Sportürk und das unehrliche Spiel mit naiven türkischen Sportlern in Europa

Wie kann man aus der Hoffnung und Naivität junger türkischer Nachwuchsfußballer Kapital schlagen? Naja ganz einfach: In dem man sogenannte Auswahltrainingslager in der Türkei organisiert und die teilnehmenden Spieler im Vorfeld natürlich zur Kasse bittet. Um das Ganze professionell zu vermarkten werden TV-Spots (sportürk) und Anzeigen in türkischsprachigen Medien geschaltet. In diesen kommen dann pseudoprofessionelle Trainer und junge naive Spieler zu Wort: "Wenn ihr auch Profifußballer werden wollt, dann macht auch mit!"

Das hier zweifelsohne mit der Hoffnung junger Menschen gespielt wird liegt auf der Hand, aber scheint trotzdessen niemanden zu interessieren. Im Anmeldeformular für diese Art der Trainingslager wird man unter Anderem nach speziellen Spieleigenschaften gefragt (wofür bleibt fraglich) und bekommt natürlich die Bankdaten des Veranstalters mitgeteilt. Die pauschale Gebühr von 250 € sollte man schließlich schon aufbringen, wenn man Profifußballer werden will. Schließlich ist ja nichts umsonst im Leben. Geht man davon aus, das auch einige der Eltern oder Verwandte, die jungen Spieler ins Hotel im Trainingslager begleiten ist das rundherum ein gutes Geschäft für alle Beteiligten.

Interessieren würde mich, warum auf der Homepage von sportürk explizit daraufhingewiesen wird, das der ehemalige türkische Nationalspieler Tanju Çolak nicht mehr zu Werbezwecken mißbraucht wird (NOT: Sportürk'ün Tanju Çolak ile herhangi bir ilişiği kalmamıştır. Önemle duyurulur). Meine Vermutung ist, das Herr Çolak nicht mehr seinen Namen für unseriöse Geschäftspraktiken hinhalten möchte. Was ja auch verständlich ist.


Weitere Fragen die ich Herrn N. Bakırdövenden (Inhaber vom Sportürk Verlag) und anderen Verantwortlichen gerne stellen würde :

1. Ist doch klar. Talent und Ehrgeiz setzen sich früher oder später durch. Kann es dann seriös zu gehen, wenn ein Kreisklassespieler in der Türkei für den Profisport gesichtet wird?

2. Gehen wir davon aus, das tatsächlich ein Supertalent unter den teilnehmenden Spielern ist und ein türkischer Erstligeverein (sofern vor Ort überhaupt vetreten) ernsthaftes Interesse an Ihm zeigt. Weiß dieser Spieler überhaupt was er tut und wissen es die Verantwortlichen, wenn der Spieler in Deutschland alles liegen und stehen lässt (z.B. Schule, Ausbildung, soziales Umfeld), um in der Türkei seine Profikarriere zu starten? Warum wird er nicht erst Profi in Deutschland?

3. Wie viele der teilnehmenden Spieler haben bisher einen Profivertrag unterschrieben?

4. Warum kostet das ganze Geld und wird nicht beispielsweise von Proficlubs gesponsort?

5. Wieso spielt das Niveau des Spielers keine Rolle, aber die Überweisung der Teilnahmegebühr schon?

5. Werden türkische Fußballspieler in Deutschland etwa diskriminiert? mehr...

Die "Otopan" kommt

Das asbestverseuchte Frachtschiff "Otopan", welches zu einer diplomatischen Verstimmung zwischen der Türkei und den Niederlanden geführt hatte, kommt nun doch noch in die Türkei.
Vorher wird das Schiff jedoch laut Aussage des niederländischen Umweltministeriums vom Asbest befreit, und tritt sodann seine letzte Reise nach Izmir an, um dort demontiert zu werden.
Das Schiff wurde seinerzeit an eine Firma aus Izmir verkauft, wobei die Stärke der Asbestbelastung mit einer Tonne angegeben wurde. Als sich jedoch herausstellte, dass die tatsächliche Menge an Asbest 77 Tonnen beträgt, wurde dem Schiff die Einfahrt in die türkischen Hoheitsgewässer versagt.
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Falsch verstanden, Herr Topbaş

Im Anschluss an die Inspektion Istanbuls durch die Weltkulturerbekommission der UNESCO hat Istanbuls Oberbürgermeister Kadir Topbaş gegenüber der Nachrichtenagentur "Anadolu Ajans" voller Stolz erklärt, dass sowohl die umstrittene "Modernisierung" Sulukules als auch der nicht minder umstrittene Anbau des Hotels Four Seasons positiv begutachtet worden seien.

Daraufhin hat der Leiter des Inspektionsteams Francesco Bandarin einen Brief an Topbaş geschrieben, in dem er darauf hinweist, dass man die Intentionen der UNESCO wohl "missverstanden" hätte. Bei beiden Projekten stünde die endgültige Bewertung noch aus. Ein solcher Beschluss würde von der gesamten Kommission auf Grundlage des Berichtes der Inspektoren getroffen und sei somit keinesfalls als "positiv" zu verstehen.
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Güls Fashion-"No-Go"

Das offizielle Präsidentebankett zu Ehren des Besuchs der Queen in der Ankaraner Residenz Cankaya hat tagelang die Schlagzeilen bestimmt.

Vor allem war ungewiß, ob Staatspräsident Gül wie im königlichen Protokoll vorgesehen einen Smoking tragen würde. Smokings gelten in islamisch-konservativen Kreisen als verpönt. Wie man sieht, ist Abdullah Gül (ganz im Gegensatz zu Erdogan, der trotz protokollarischer Zwänge ostentativ im dunklen Anzug mit Krawatte erschien) durchaus in der Lage diesbezüglich Konzessionen zu machen. Immerhin.

Doch warum hat bitte niemand Gül darauf hingewiesen, dass eine silberfarbene Fliege unter keinen Umständen tolerabel ist. Das sieht doch aus wie aus dem Otto-Katalog! War es gar ein subversiver Akt?

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Kultursensitives Marketing


Durch den Namen dieses Schnellrestaurants knapp unter dem Hauptbahnhof Hannover werden sicherlich nicht viele türkischsprachige Gäste spontan angelockt werden.
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Donnerstag, 15. Mai 2008

Lynch-Video aufgetaucht

Nein, es geht hier nicht um ein verschollenes Video von David Lynch, sondern um eine Video, das belegt, wie Reporter der Zeitung "Vatan" von Gefolgsmännern des Führers der Ismailağa-Gemeinde Mahmut Ustaosmanoğlu bedrängt, verprügelt und fast gelyncht werden, nur weil sie das neue Domizil des Oberhauptes hatten ablichten wollen. Der Türkeimonitor berichtete schon einmal von diesem Vorfall.

Das Video steht hier zur Verfügung. mehr...

Willkommen im Iran!

In der südosttürkischen Stadt Urfa wurde von dem für Bücher religiösen Inhalts bekannten Verlag "Polen" ein Abend mit dem Titel "Gebets-Plattfom" veranstaltet.
Nach einer einführenden Koran-Rezitation sprachen mehrere Redner über Themen wie z.B. "Warum Beten wir?", "Warum ist das Beten so wichtig?" und "Die Wunder des Betens".
Besonders auffallend war hierbei, dass das Restaurant, indem die Veranstaltung durchgeführt wurde, in einen Männer- und einen Frauenbereich unterteil wurde, die mit einem Holzparavant abgetrennt wurden. Ausnahmsweise wurde an diesem Abend niemand von der Regierungspartei AKP gesehen.
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Sabah-Verkauf im Parlament

Die Republikanische Volksprtei CHP hat im türkischen Parlament eine Interpellation in die Wege geleitet. Wie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hakkı Suha Okay in einer Pressekonferenz mitteilte, geht es dabei um den fragwürdigen Verkauf des Medienkonzerns "Sabah", dem u.a. die Zeitung "Sabah" und der Fernsehsender "atv" angehören, an ein zu diesem Zweck gegründetes Konsortium der Çalık-Holding und des Emirs von Katar, Hamad bin Chalifa Al Thani.

Die Çalık-Holding steht in dem Ruf, sich in ideologischer Nähe zur AKP zu befinden. Dies ist jedoch nicht die einzige Gemeinsamkeit. Der Schwiegersohn des Ministerpräsidenten, Berat Albayrak, ist mit gerade einmal 29 Jahren zum Geschäftsführer des Gesamtkonzerns gemacht worden. Dies scheint sich als nicht gerade hinderlich für die Geschäfte erwiesen zu haben.
Die Çalık-Holding war nicht nur der einzige Bieter für "Sabah", sondern erhielt von den staatlichen Banken Halkbank und Vakifbank auch einen Sofortkredit in Höhe von US$ 770 Mio. - natürlich zu vergünstigten Konditionen.
Mittlerweile hat Staatspräsident Gül zugegeben, den Herrscher Katars persönlich mit Çalık bekannt gemacht zu haben. mehr...

Nachspiel zur Meisterfeier

Die Meisterfeier des diesjährigen türkischen Fussballmeisters Galatasaray wurde den Anhängern, die ihre Mannschaft gerne als "Löwen" bezeichnen, im Ali Sami Yen Stadion durch einen echten Löwen versüsst. Das Tier wurde in einem Pick-Up, der einen Käfigaufbau hat, im Stadion herumgefahren und machte zwischen den ausrastenden Fans, der Geräuschkulisse und den bengalischen Feuern einen sehr verschreckten Eindruck.

Wie nun herauskam, wurde das zwei Jahre alte Tier aus dem Zoo in Antalya geholt. Das für den Tierschutz zuständige Umweltdirektorat Istanbul hat nun die zuständige Firma wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe verdonnert. Der Direktor hat ferner das Direktorat in Antalya dazu aufgefordert, die Verantwortlichen im Zoo von Antalya ausfindig zu machen und diese zu bestrafen.

Der ewige Rivale Fenerbahce hat es da um ein Vielfaches einfacher: Die Mannschaft wird von ihren Fans aufgrund der gelben Trikots "Kanarienvögel" genannt...


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Interessante Arbeitsauffassung

Die Staatsanwaltschaft hat in Çorlu mit der Gendarmerie wegen des Verdachts auf Korruption eine großangelegte Operation gestartet. Im Zuge dieser Operation wurde insbesondere das Amt für Grundbucheinträge in Çorlu unter die Lupe genommen.

Dabei kam heraus, dass der in diesem Amt beschäftigte Beamte Nihat Gençoğlu seit langem nicht mehr selber zum Dienst erschienen ist, sondern aus eigener Tasche eine Beamtin im Ruhestand bezahlte, damit diese seine Arbeit erledigt. Wie sich herausstellte, hat der Beamte, der im Monat 1000 YTL erhält, seiner "Vertretung" im Monat 800 YTL gezahlt. Er selbst hat im Namen seines Bruders einen Textilbetrieb eröffnet, in dem ca. 40 Menschen beschäftigt sind. Der geschäftige Beamte fuhr regelmäßig mit seinem nagelneuen Mercedes inklusive Chauffeur vor. mehr...

Freddy Cole kommt

Freddy Cole, der Sohn von Nat King Cole und Bruder von Nathalie Cole, wird am 23. und 24. Mai im Istanbul Jazz Center auftreten. Den Sänger und Pianisten werden dabei Jerry Byrd an der Gitarre, Chris Boyd am Schlagzeug und Zachery Pride am Bass begleiten.

Istanbul Jazz Center: http://www.istanbuljazz.com/
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Ausstellung zu Ehren Pippa Baccas

Die in der Türkei mißbrauchte und anschließend ermordete italienische Künstlerin Giuseppina Pasqualino Di Marineo, kurz "Pippa Bacca" genannt, wird in der Kunstgalerie Taksim mit einer Ausstellung geehrt.

Die Ausstellung wird von artgale.com und der kommunalen Kültür A.Ş. veranstaltet. Die am 17. Mai öffnende Ausstellung wird 116 Künstler präsentieren, die mit der Teilnahme an dieser Ausstellung gegen jegliche Gewalt gegen Frauen protestieren wollen. Ein Teil der Einnahmen wird der Stiftung für Frauenhäuser "Mor Çatı" gespendet. mehr...

Mittwoch, 14. Mai 2008

Buchtipp: Die Wahrheit über die Lügen


Es gibt wohl kaum ein Land auf der Erde, in dem so viele Halb- und Unwahrheiten über die EU in Umlauf gebracht werden wie in der Türkei. Umso erfreulicher ist es, dass sich Dr. M. Hakan Keskin die Mühe gemacht hat, diese zusammenzutragen und zu widerlegen.

Die Unterstellungen gegenüber der EU divergieren von "Die wollen uns unter sich aufteilen", über "Die sind ein Christenclub" und "Die EU agiert gegen den Willen der sie konstituierenden Völker" bis zu "Die wollen den Südosten zur Unabhängigkeit führen". Dabei ist die ganze Polemik von einer erstaunlichen Unkenntnis der wahren Mechanismen, die die EU antreiben, gekennzeichnet.
Diese fast schon schmerzhafte Wissenslücke füllt Dr. Keskin mit seinem Buch, welches im Verlag "Nobel" erschienen ist und zum Preis von 15 YTL erhältlich ist.
ISBN: 978-605-395-110-0
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Neuer Istanbul-Reiseführer von Merian

Die rührige Autorin Dilek Zaptcioglu hat für Merian einen neuen Reiseführer über Istanbul verfasst. Mehr als das Cover kann ich Euch momentan leider nicht bieten:



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Meinungsfreiheit á la Erdogan

Der türkische Ministerpräsident Erdogan gebiert sich in Europa gerne als Hüter der Meinungsfreiheit.

Wie er es in seiner Heimat damit hält, belegt ein heute bekannt gewordener Zwischenfall in Antalya. Bei einem Besuch des Ministerpräsidenten in Antalya am 11. Mai hat der im Tourismus-Sektor arbeitende 46-jährige Ertuğrul Sağlam mit harmlosen Aussagen wie "Die neue Rentenverordnung wird unsere Verarmung bedeuten und sie sind schuld daran" gegen den Politiker protestiert.

Draufhin hätten Erdogans Leibwächter ihn umstellt, ihm die Augen verbunden und ihn in ein ziviles Polizeiauto gezerrt. Dort hätte man ihm einen Sack über den Kopf gestülpt und ihn während einer 20-minütigen Fahrt mehrfach beleidgt und verprügelt. Die Leibwächter hätten damit gedroht, ihm Waffen und Heroin unterzuschmuggeln und ihn am Strasserand "abzuknallen". Als man ihn schließlich aus dem Auto warf, hätte man ihm noch einmal gedroht, ihn jederzeit ausfindig machen zu können.

Der Betroffene Ertuğrul Sağlam hat sich das Kennzeichen des Dienstwagens merken können. Wie die Generaldirektion für Sicherheitsfragen mitteilte, werde das Fahrzeug mit dem Kennzeichen 06 VAC 07 tatsächlich von der Leibgarde des Ministerpräsidenten genutzt. Das Pressebüro des Ministerpräsidenten ließ am heutigen Tag eine Pressemitteilungen veröffentlichen, in der von einseitigen und voreingenommenen Berichterstattungen gesprochen wird. Sağlam hat seine Verletzungen attestieren lassen und beim Staatsanwalt Anzeige erstattet. Der türkische Menschenrechtsverein forderte unterdessen den Rücktritt Erdogans.

Dies war jedoch nicht der erste "Ausrutscher" türkischer Personenschützer:
  • Der in Mersin vom Ministerpräsidenten mit den Worten "Nimm deine Mutter und hau ab!" bedachte Bauer Kemal Öncel wurde nach diesem Vorfall ebenfalls in ein Auto gezerrt und verprügelt. Er ließ sich seine Verletzungen im Krankenhaus attestieren und erstattete Anzeige. Wie sich später herausstellte zog er seine Anzeige zurück, nachdem Erdogan ihm einen persönlichen Besuch abstattete. Ob er ihn dabei um Entschuldigung bat oder selber verprügelte ist nicht bekannt...

  • Als Erdogan am 29. August 2005 von seinem Haus in Istanbul-Üsküdar zum Flughafen Atatürk auf der Stadtautobahn E-5 unterwegs war, machte ein Sammeltaxi nicht schnell genug Platz für seinen Konvoi. Der Fahrer Ayhan Özgür wurde aus seinem Sammeltaxi gezerrt und von Erdogans Leibwächtern verprügelt.

  • Der Neffe Erdogans Ali Erdogan, der gleichzeitig sein Leibwächter ist, hat im Rahmen der Gedenkfeier für Ertuğrul Gazi in Söğüt hinter den Kulissen Streit mit Anhängern der MHP angefangen, was schließlich in eine Massenschlägerei ausartete.

  • Während der Spanien-Reise des Ministerpräsidenten gab es handfesten Streit der Leibwächter mit spanischen Scherheitskräften.

  • Während der Reise des Ministerpräsidenten in die Provinz Niğde hielten seine Leibwächter einen Kleinbus an, der Journalisten transportierte, die über die Reise berichten wollten. Dem Fahrer wurde eine Waffe unter die Nase gehalten, verbunden mit der Aufforderung, Erdogan nicht zu folgen.

  • Die Leibwächter der Gattin Erdogans, Emine Erdogan, haben zwei Reporter des Fernsehsenders NTV mit Waffen bedroht, als diese die "Second Lady" filmen wollten.

  • Während des Türkeibesuchs des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert kam es zwischen den Leibwächtern der beiden Regierungschefs zu handfesten Reibereien. Die türkischen Personenschützer sagten, sie wollten sich für die schlechte Behandlung, die sie bei einem Besuch Erdogans in der Al-Aqsa-Moschee erfahren hätten, revanchieren.
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Private dürfen nicht kontrollieren

Private Sicherheitsfirmen, die an den Eingängen vieler türkischer Universitäten die Kleidung der Einlass wünschenden Studierenden kontrollieren und Kopftuchträgerinnen abweisen, sind nach Ansicht der Rechtsabteilung im Innenministerium nicht dazu befugt. Die meisten dieser Firmen sind von den Universitätsverwaltungen mit der Aufsicht beauftragt.

Nach vielen Protesten hat die oberste Polizeibehörde die Rechstabteilung des Ministeriums um Auskunft ersucht. Diese hat in ihrem Gutachten festgestellt, dass die privaten Sicherheitsdienste keine Kleidungskontrolle durchführen dürfen und dass sie widrigenfalls sogar dafür bestraft werden können. Die Verantwortlichen der Polizeibehörde haben das Ergebnis des Gutachtens jedoch nicht wie üblich per schriftlicher Mitteilung kommuniziert, sondern haben die Polizeidirektoren der verschiedenen Regionen einzeln angerufen, um diese Nachricht zu überbringen. Die arkandisziplinierten Bürokraten haben jedoch vergessen, dass im Rahmen der von der türkischen Regierung gestarteten "Open Gouvernment"-Strategie sämtliche Ministerialerlasse, sofern sie nicht die nationale Sicherheit berühren, im Internet einsehbar sind. mehr...

Von der Straße aufs Podest

In der türkischen Stadt Gaziantep hat das Polizeipräsidium in einem Modellversuch vor sechs Jahren begonnen, Straßenkindern über ein Hockeyteam eine Perspektive zu bieten. Die ehemaligen Problemkinder trainieren nachmittags, vormittags haben sie normalen Schulunterricht.
Bei dem vom 7. bis zum 12. Mai im slowenischen Toblice stattfindenden "European Cup of Hockey Teams" hat die Mannschaft nun den dritten Platz belegt. Das Team ist seit drei Jahren in Folge türkischer Hockeymeister, mehrere Spieler wurden seitdem in die türkische Nationalmannschaft berufen. mehr...

Die Prinzen kommen

Die Queen weilt gerade samt herzöglichem Gatten in der Türkei, wahrhaft majestätischer Besuch steht der Türkei jedoch noch bevor: Die als die "Prinzen des Flamenco" bezeichnete Gruppe "Los Vivancos" werden am 23. Mai in Istanbul und am 25. Mai in Mersin beim "7. Internationalen Musikfestival Mersin" auftreten.
Es ist der erste Türkeibesuch der sieben Brüder, die trotz oder wegen ihres besonderen Familien-Tanzstiles in das Tanz-Konservatorium Barcelonas aufgenommen wurden und von hier aus ihre professionelle Karriere starteten. Ihre Tanzausbildung führte die sieben "hermanos" von Barcelona nach Madrid und London sowie bis zum berühmten "Bale Theater" in den Niederlanden. Nach Ende ihrer Ausbildung gründeten sie 2004 die Gruppe "Los Vivancos".

Hier schon mal ein Leckerli aus der Performance "Pornografique":




http://www.losvivancos.com/ mehr...

Haltet die UNESCO von Ankara fern!

Nimet Özgönül, Vorsitzender der Architektenkammer Ankaras, hat den Denkmalschutzbestrebungen der Hauptstadt eine glatte "6" erteilt. Anlässlich des Inspektionsbesuchs der Weltkulturerbekommission der UNESCO in Istanbul sagte er, dass Ankara bei einem solchen Besuch wohl "nachsitzen, wenn nicht sogar die Klasse wiederholen" müsste.

Die ältesten Denkmäler Ankaras stammen aus der Zeit des Römischen Reiches. Das Römische Theater sei jedoch in einem erbärmlichen Zustand und erinnere mehr an eine Mülldeponie als an ein Kulturdenkmal, so Özgönül. Auch die durch den Garten des Gouverneurssitzes verlaufende, respektive verfaulende antike Via Romana sei kaum mehr als solche zu erkennen. Es fehle der Stadt an einem umfassenden Aktionsplan zur Identifizierung und anschließenden Sanierung antiker Denkmäler. So könne einfach jeder nach gusto auf historischen Denkmälern Bauten errichten und dieses als Denkmalpflege deklarieren.

Auch das Gebäude des ehemaligen Alkohol- und Tabakmonopolisten TEKEL befinde sich in akuter Gefahr. Das denkmalgeschützte Gebäude sei vor allem durch unsachgemäße Bearbeitung in seinem jetzigen erbärmlichen Zustand. Dies liege daran, dass die Stadtverwaltung die Hilfe von Experten wie Städteplanern, Architekten und Restaurateuren ausschlage. mehr...

Tarkan in Hassankeyf

Der türkische Popsänger Tarkan hat sich nach Hasankeyf begeben und in einer Pressekonferenz ein großes Protestkonzert mit internationaler Beteiligung angekündigt.

Tarkan rief insbesondere deutsche Künstler zur Solidarität mit Hasankeyf auf, da Deutschland ein großer Kreditgeber des Projektes sei. Das Dorf Hasankeyf, eigentlich mehr Freilichtmuseum als Siedlung, ist durch die im Rahmen des Südostanatolienprojektes GAP geplanten Staudämme von der Überflutung bedroht und beherbergt jahrtausende alte Spuren verschiedener Zivilisationen. mehr...

Schule oder KZ?

Im Städtchen Silifke bei Mersin hat der Grundschulleiter Yusuf Kılıç den Unterrichtsausfall der Klasse 6a dadurch zu kompeniseren versucht, dass er ihnen den Auftrag gab, das Schulgelände zu säubern.

Als der Schulleiter nach einiger Zeit feststellte, dass einige Mädchen nach und nach in ihre Klassen zurückkehrten, stellte er 12 Mädchen im Schulhof in eine Reihe und verprügelte sie nach und nach mit einem großen Zirkel. Dabei stach er ihnen mehrmals mit der Metallspitze des Zirkels in die Hände. Die 12 Mädchen mussten daraufhin im Krankenhaus behandelt werden und wurden an den Händen genäht.

Die betroffenen Mädchen haben sich ihren Eltern anvertraut, welche unverzüglich im Polizeipräsidium vorstellig wurden und Anzeige erstatteten. Der Schulleiter Yusuf Kılıç wurde mittlerweile festgenommen und vom Dienst suspendiert.
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Miss Handicap Turkey

In Kemer bei Antalya haben zum ersten Mal die Wahlen zur "Miss Handicap Turkey" stattgefunden.
25 geistig und körperlich behinderte Frauen haben an dem Wettbewerb teilgenommen und wurden für ihre Courage mit stürmischem Beifall und "standing ovations" bedacht. Nergis Demirarslan aus Samsun wurde zur Schönheitskönigin gewählt, Ayşe Dilek Hoyrat aus Ankara wurde Zweite und Banu Temizel aus Istanbul Dritte. Der Bürgermeister von Kemer Hasan Şeker hat alle Teilnehmerinnen mitsamt deren Familien im Anschluß an die Veranstaltung auf einen einwöchigen Urlaub in Kemer eingeladen.
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"Hört auf Alkohol auszuschenken und ich lasse euch in Ruhe"

In der südtürkischen Hafenstadt Mersin liegt im geschäftigen Stadtviertel Pirireis seit über 40 Jahren das Vereinsheim des Architekten-, Ingenieurs- und Technikerverbands mit angeschlossener Vereinsgaststätte. Wie bekannt wurde, wurden in den letzten 5 Jahren 3 Vereinsverbotsverfahren angestrengt, und nun bekam der Verein wegen angeblicher Unstimmigkeiten in seinen Mitgliedsunterlagen eine Geldstrafe von 500 YTL aufgebrummt.
Wie der Vorsitzende Fehmi Tosun mitteilte, übe der in der Provinzverwaltung mit dem Vereinswesen betraute Bürokrat Erol Özdemir seit geraumer Zeit dahingehend Druck aus, den Alkoholausschank einzustellen.
Nachdem die AKP 2002 an die Macht kam, wurde der ehemalige Gymnasiallehrer für Philosophie Erol Özdemir zum ranghohen Bürokraten gemacht, und ist seitdem durch seinen Eifer bei der Bekämpfung Alkohol ausschenkender Lokale aufgefallen. Nach einem ausführlichen Schriftwechsel inspizierte Özdemir am 21. Februar 2006 unter Polizeischutz die Vereinsräumlichkeiten. Da von den anwesenden 50 Gästen 12 keine Vereinsmitglieder waren, wurde der Verein für 5 Tage geschlossen. Die Vereinsführung protestierte daraufhin beim Gouverneur und dem Innenministerium, schließlich kam es im Büro von Herrn Özdemir zu einer Aussprache. Dabei soll Özdemir sein Anliegen klipp und klar formuliert haben: "Hört auf Alkohol auszuschenken und ich lasse euch in Ruhe."
Der Strafbefehl über 500 YTL wurde am 28. März 2008 rechtskräftig, woraufhin der Vorsitzende Fehmi Tosun beim zuständigen Gericht in Mersin Einspruch eingelegt hat. In seiner Begründung wies Tosun auch darauf hin, dass die AKP das Verbotsverfahren insbesondere solchen von ihnen protegierten Bürokraten wie Özdemir zu verdanken habe, die augenscheinlich die Scharia als Leitfaden für das öffentliche Leben nähmen. mehr...