Sonntag, 15. Juni 2008

The Yogurt Man Cometh


Der Amerikaner Kevin Revolinski hat von 1997 bis 1998 in Ankara Englisch unterrichtet. Seine Aufzeichnungen über das in dieser Zeit Erlebte hat er unter dem Titel "The Yogurt Man Cometh: Tales Of An American Teacher In Turkey" als Buch veröffentlicht. Der Titel ist eine Anspielung auf Eugene O´Neills berühmtes Theaterstück "The Iceman Cometh". Revolinski beschreibt in seinem Buch auf amüsant zu lesende Art diverse in der Türkei erlittene Kulturschocks.
So beginnt das Buch mit der gleich am ersten Tag gemachten Erfahrung Revolinskis mit einem Joghurt-Verkäufer, der ihm entgegen seinem Willen sechs Kilo Joghurt verkaufen wollte. Um seine Schüler besser zu verstehen, hat er mit ihnen im Ramadan 16 Tage gefastet und auch diese Erfahrung literarisch verarbeitet. Auch sein halsbrecherischer Versuch, im türkischen Strassenverkehr von einer Strassenseite auf die andere zu gelangen, wird beschrieben. Gleichwohl sagte er kürzlich auf einer Alumni-Feier der Istanbul Universität, die in New York statt fand, dass sein in der Türkei verbrachtes Jahr die schönste Zeit seines Lebens gewesen sei.
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Pentagon entwickelt vier Türkei-Szenarien

Die mit dem Pentagon aufs Innigste verbundene RAND Corporation hat eine neue Studie mit dem Titel "The Rise of Political Islam in Turkey" veröffentlicht.

In der Monografie wird neben einem Abriß der jüngeren Geschichte und einer Skizze der religiösen Landschaft der Türkei auf die gegenwärtige Politik der AKP eingegangen. In der Frage der PKK wird geschrieben, dass die USA Angriffen der PKK auf die Türkei resoluter begegnen müsse, insbesondere da diese Frage der "Lackmustest" der amerikanisch-türkischen Beziehungen sei. Gleichwohl wird darauf hingewiesen, dass das militärische Vorgehen nur eine Komponente einer umfassenden Lösung sein könne.

Besonders interessant wird es in Kapitel 6. In diesem Kapitel werden vier Szenarien für die Zukunft der Türkei entwickelt und analysiert. Das erste Szenario untersucht eine mögliche moderate, EU-orientierte Politik der AKP. Das zweite Szenario hingegen beschäftigt sich mit einer schleichenden Islamisierung. Als dritte Option wird ein rechtliches Verbot der AKP behandelt. Szenario Nr. 4 geht auf die Frage nach einem möglichen Militärschlag ein. mehr...

Samstag, 14. Juni 2008

Akademiker für Tuzla

110 türkische Akademiker der Universitäten Ankara, İzmir Dokuz Eylül, Kocaeli, Sakarya, Uludağ, Gazi, Muğla, Pamukkale und Çanakale 18 Mart haben in einem offenen Brief gegen das Sterben in Tuzla protestiert.

In dem Brief heißt es wie folgt:

"WIR WOLLEN NICHT LÄNGER ZUSEHEN: Die sich seit einiger in Tuzla und anderen Orten ereignenden Tode am Arbeitsplatz verletzen unser Gewissen. Wir, die wir unseren Studenten beibringen und lehren, dass menschenwürdige Arbeitsbedingungen das Recht aller Bürger sind und deren Durchsetzung zu den ersten Pflichten des Staates gehört, wollen von nun an bei diesen Toden und schweren Verletzungen, deren Gründe, Häufigkeit und Auswirkungen eine Qualifizierung als "Unfall" mittlerweile ausschließen, nicht mehr zum bloßen Zuschauen degradiert sein.
DIE BESTIMMUNGEN MÜSSEN GEÄNDERT WERDEN: Der Staat darf die Pflicht, den Werften ein Arbeitsumfeld zu geben, welches gesetzlichen Bestimmungen entspricht, nicht aufgeben und hat dafür Sorge zu tragen, dass die entsprechenden Massnahmen getroffen, die entsprechenden Untersuchungen eingeleitet, und die Arbeitsbedingungen internationalen Standards entsprechend gestaltet werden.
WIR KÖNNEN WISSENSCHAFTLICHE UNTERSTÜTZUNG LIEFERN: Wir wollen feststellen, dass wir bereit sind, wissenschaftliche Unterstützung zu gewähren, und rufen vor allem das Ministerium für Arbeit und Soziale Sicherheit, Arbeitgeberverbände, und insbesondere die in diesem Sektor tätigen Gewerkschaften dazu auf, ihren Pflichten nachzukommen, und appelieren an die Bevölkerung, sich diesbezüglich noch sensibler zu verhalten."

Die Erklärung wurde von folgenden Wissenschaftlern unterschrieben:

Prof. Dr. Ahmet Makal (Ankara Universität), Prof. Dr. Fevzi Demir (Dokuz Eylül Universität), Prof. Dr. Ahmet Selamoğlu (Kocaeli Universität), Prof. Dr. Engin Yıldırım (Sakarya Universität), Prof. Dr. Veysel Bozkurt (Uludağ Universität), Prof. Dr. Nizamettin Aktay (Gazi Universität), Prof. Dr. Abdurrahman Ayhan (Muğla Universität), Doç. Dr. Oğuz Karadeniz (Pamukkale Universität), Yrd. Doç. Dr. Abdurrahman Benli (18 Mart Universität), Prof. Dr. Gülay Toksöz, Prof. Dr. Mesut Gülmez, Prof. Dr. Kadir Arıcı, Prof. Dr. Eyüp Bedir, Prof. Dr. Pars Esin, Prof. Dr. Kuvvet Lordoğlu, Prof. Dr. Tijen Erdut, Prof. Dr. Zeki Erdut, Prof. Dr. Mustafa Yaşar Tınar, Prof. Dr. Berrin Ceylan Ataman, Prof. Dr. Yüksel Akkaya, Prof. Dr. Müjdat Şakar, Prof. Dr. Serpil Aytaç, Prof. Dr. Gürhan Fişek, Prof. Dr. Ali Nazım Sözer, Prof. Dr. E. Tuncay Kaplan, Prof. Dr. Cem Kılıç, Prof. Dr. Şerife Türcan Özşuca, Doç. Dr. Verda Canbey Özgüler, Doç. Dr. Alpay Hekimler, Doç. Dr. Banu Uçkan, Doç. Dr. Metin Özuğurlu, Doç. Dr. Oğul Zengingönül, Doç. Dr. Faruk Sapancalı, Doç. Dr. Deniz Kağnıcıoğlu, Doç. Dr. İlkay Savcı, Doç. Dr. Özlem Işığıçok, Doç. Dr. İlknur Kılkış, Doç. Dr. Vedat Bilgin, Doç. Dr. Naci Gündoğan, Doç. Dr. Ufuk Aydın, Doç. Dr. Tunç Demirbilek, Doç. Dr. Sevda Demirbilek, Doç. Dr. Hakan Keser, Doç. Dr. Coşkun Saraç, Doç. Dr. Serkan Odaman, Yrd. Doç.(*) Dr. Cemile Gürçay, Yrd. Doç. Dr. Özlem Çakır, Yrd. Doç. Dr. Onat Öztürk, Yrd. Doç. Dr. Şennur Özdemir, Yrd. Doç. Dr. Abdülkadir Şenkal, Yrd. Doç. Dr. Sayım Yorgun, Yrd. Doç. Dr. Betül Urhan, Yrd. Doç. Dr. Aşkın Keser, Yrd. Doç. Dr. Gözde Yılmaz, Yrd. Doç. Dr. Tuncay Güloğlu
Yrd. Doç. Dr. İbrahim Subaşı, Yrd. Doç. Dr. Pir Ali Kaya, Yrd. Doç. Dr. Özlem Çakır, Yrd. Doç. Dr. Recep Kapar, Yrd. Doç. Dr. Serap Özen, Yrd. Doç. Dr. Suat Uğur, Yrd. Doç. Dr. Fatma Yıldırım, Yrd. Doç. Dr. Şenay Gökbayrak, Yrd. Doç. Dr. Ahmet Can Bakkalcı, Yrd. Doç. Dr. Betül Altuntaş, Yrd. Doç. Dr. Fatma Kocabaş, Yrd. Doç. Dr. Dilek Baybora, Yrd. Doç. Dr. Hasan Ejder Temiz, Yrd. Doç. Dr. İlhan Oral, Yrd. Doç. Dr. Handan Kumaş, Yrd. Doç. Dr. Kamil Orhan, Yrd. Doç. Dr. Ahmet Can Bakkalcı, Yrd. Doç. Dr. Nesrin Demir, Yrd. Doç. Dr. Bünyamin Bacak, Yrd. Doç. Dr. Erdinç Yazıcı,
Yrd. Doç. Dr. Bülent Bayat, Yrd. Doç. Dr. Türker Topalhan, Yrd. Doç. Dr. Aydın Başbuğ, Yrd. Doç. Dr. Yücel Uyanık, Yrd. Doç. Dr. İbrahim Aydınlı, Yrd. Doç. Dr. Osman Şimşek, Öğr. Gör. Dr. Seyhan Erdoğdu, Öğr. Gör. Dr. Gülbiye Yenimahalleli Yaşar ile araştırma görevlileri Ar. Gör. Dr. Mehmet Merve Özaydın, Gaye Burcu Yıldız, Elif Tuğba Doğan, Taner Akpınar, Çağla Ünlütürk, Selda Köse, Melih Sertkan, Arzu Özsoy, Taner Akan, Doğa Başar Sarıipek, Mehmetcan Türkölmez, Nail Dertli, Onur Can Taştan, İlker İnan Akçay, Umur Aşkın, E. Özlem Özçatal, Hakan Topateş, Nagihan Durusoy, Simay Karaalp, Ayşe Gözde Koyuncu, Barış Koyuncu, Osman Tezgel, Cemalettin Parıltı, M.Çağlar Özdemir, Hande Bahar Kerimoğlu, Banu Metin, Işıl Kurnaz, Volkan Işık, Murat Çolak.


(Die Bezeichnung Yrd. Doç. steht für "Assistierender Dozent") mehr...

Keanus Matrix-Brille gestohlen

Die Metro Group hat im "M1 Tepe"-Store in Gaziantep eine Hollywood-Ausstellung mit Original-Accessoires berühmter Filme veranstaltet.

Die Ausstellung, die vom 5. bis 11. Juni statt fand, präsentierte 55 Originale, darunter die Brille und den Mantel, die Keanu Reeves in "Matrix" trug, das Diktiergerät und die Säge aus "Saw" sowie den Pelz, den Brad Pitt in "Fight Club" trug. Wie nun herauskam, wurde die "Matrix"-Brille am letzten Ausstellungstag gestohlen. Die Polizei tappt noch völlig im Dunkeln. Der Besitzer der Kollektion, Özgür Çift, bestätigte den Diebstahl, wollte jedoch wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens keine detaillierten Angaben machen. Die Kollektion wurde vorab von der Metro Group gegen Diebstahl versichert. mehr...

"Die Türkei schickt jährlich US$ 600 Mio. Hurengeld nach Russland"

Prof. Dr. Hurşit Güneş von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Marmara Universität hat in einem Vortrag interessante Bemerkungen zum Devisentransfer zwischen Deutschland, der Türkei und Russland gemacht.

So sagte Güneş im Rahmen eines Symposiums mit dem Titel "Ökonomische Erwartungen in Zeiten globaler Unsicherheiten", dass fast die Hälfte der aus Deutschland in die Türkei fließenden Gastarbeiterdevisen über russische Prostituierte nach Russland gelangt. In der Türkei befänden sich, so Güneş, 50.000 russische Prostituierte, im Volksmund "Nataschas" genannt, und machte folgende Rechnung auf: "Wenn wir davon ausgehen, dass 50.000 Frauen jeden Monat US$ 1.000 nach Russland schicken, macht das im Monat US$ 50 Mio. und im Jar US$ 600 Mio. Was schicken wir also an Geld in Höhe von US$ 600 Mio. ins Ausland? Wir schicken Hurengeld!" Die von türkischen Gastarbeitern in die Türkei transferierten Devisen beliefen sich auf ca. US$ 1,4 Mrd.

Güneş wies darauf hin, dass in die Türkei sehr viel ausländisches Kapital geflossen sei, was der Wirtschaft bei globalen Krisen Problemen bereite, sobald ein Teil davon wieder abgezogen werde. Auch die Inflation sei ein großes Problem, doch sei nicht jedermann im gleichen Umfang von ihr betroffen. Insbesondere Landwirte seien überproportional hart von den Preissteigerungen betroffen. So liege die aktuelle Teuerungsrate bei ca. 10%, der Preis für Dünger sei jedoch um 100% gestiegen, der Preisanstieg bei Treibstoff sei ähnlich problematisch.

Der Ökonom hatte auch eine Erklärung für das offensichtliche Mißverhältnis zwischen Euro und Dollar parat. So würden die meisten Touristen in der Türkei mit Euro bezahlen, gleichwohl sei die unter den Türken gängigste Devise nach wie vor der Dollar. Güneş fragte: "Warum hat jeder Dollars in der Tasche aber keine Euros? Wo sind die Euros? Warum zirkulieren in der Türkei so viele Dollars? Warum?" Die Antwort: "In der Türkei wird Rauschgift im Wert von US$ 75 Mrd. umgeschlagen. Und Rauschgift wird mit Dollar bezahlt, nicht mit Euros. Deswegen, und nur deswegen zirkulieren in der Türkei so viele Dollars." mehr...

Avni Anıl ist tot

Der berühmte Komponist Avni Anıl ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

Der für seine Werke im Bereich der Klassischen Türkischen Musik berühmte Künstler ist in seinem Haus in Izmir verstorben, nach dem er die letzten drei Tage keine Nahrung mehr aufnehmen wollte. Anıl ging nach dem Militärdienst auf die Polizeiakademie. 1955 schied er aus dem Polizeidienst aus, arbeitete fortan als Journalist und leitete drei Jahre den Feuilleton der Zeitung "Akşam". Zwischen 1955 und 1967 arbeitete er nebenbei im Nachrichtenressort des Radio Istanbul. 1967 gründete Anıl die "Anıl Nachrichtenagentur" und leitete den Feuilleton der Zeitung "Dünya". Er war Herausgeber der Zeitschrift "Musik und Note" und veröffentlichte des vierbändige "Musik-Wörterbuch", in dem er auch für die aktuelle Musikergeneration wichtige Informationen zur Geschichte der Klassischen Türkischen Musik präsentierte.

Unter seinen berühmtesten Werken befinden sich Klassiker wie "Mihrabım diyerek sana yüz vurdum", "Unutulmuş ne varsa sevgiden geri kalan" und "Bu Akşam Bütün Meyhanelerini Dolaştım İstanbul´un". mehr...

Dionysos hat die Hosen an

Şeref Er betreibt in Korucuk bei Denizli ein Weinhaus, in dem er unter anderem auch Souvenirs und Olivenöl an in- und ausländische Touristen verkauft.

Nun hat Er das von ihm selbst beim Bildhauer Mustafa Küçük in Auftrag gegebene Relief des Weingottes Dionysos zensiert, in dem er der antiken Gottheit einen blauen Lendenschurz verpasste. Auf Anfragen erklärte Er, dass er diese Massnahme aus eigenen Stücke veranlasst habe, um insbesondere die Gefühle der einheimischen Gäste nicht zu verletzen. Allerdings hindert die autozensorische Massnahme Er nicht daran, die Fruchtbarkeitsstatuen der Gottheit Priapos, dem Sohn des Dionysos und der Aphrodite, der für sein übergroßes Gemächt bekannt ist, unverhüllt zu verkaufen. mehr...

Freitag, 13. Juni 2008

Tuzla, wir kommen!

Die türkische Öffentlichkeit ist schon lange nicht mehr bereit, dem Sterben in Tuzla tatenlos zuzusehen. Nun haben sich 394 Intellektuelle, Schauspieler, Professoren, Künstler, Musiker und weitere bekannte Persönlichkeiten dem Protest angeschlossen.

Am morgigen Samstag wird es eine Pressekonferenz geben, auf der die Teilnahme der 394 Persönlichkeiten an einem Streik der Gewerkschaft Limter-İş, der am 16. Juni in Tuzla stattfindet, bekannt gegeben wird. Zwar wird gehofft, dass auch die Bevölkerung an der Demonstration zahlreich teilnehmen wird, allerdings kann davon ausgegangen werden, dass die schrecklichen Szenen vom 1. Mai in Istanbul den Einwohnern der Mega-City immer noch lebhaft in Erinnerung sind. So wird in vielen Foren zwar einmütig Sympathie mit dem Anliegen der Arbeiter bekundet, doch wollen sich viele nicht für den Einsatz für Arbeiterrechte von der Polizei verprügeln lassen.

Insbesondere aus diesem Grund wollen die "Aufgeklärten", wie Intelektuelle in der Türkei gerne genannt werden, dem Streikzug vorangehen und ein Schutzschild der Vernunft bilden. mehr...

Türkei ist Ehrengast auf Frankfurter Buchmesse

In diesem Jahr ist die Türkei offizielles Gastland der Frankfurter Buchmesse.

Die vom 15. bis 19. Oktober stattfindende größte Büchermesse der Welt soll, so der Koordinator des Türkei-Projekts Ahmet Arı, für die Türkei ein großer Erfolg werden. Die Bemühungen der türkischen Organisatoren seien insbesondere in Einklang mit der TEDA-Initiative, die sich darum bemühe, herausragende Werke der türkischen Literatur in andere Sprachen zu übersetzen und so einer globalen Leserschaft verfügbar zu machen.




Arı betonte, dass der Auftritt der Türkei insbesondere die kulturelle Vielfalt betonen werde, auf die man stolz sein könne. Auch hinsichtlich der in Deutschland lebenden Türken sei die Veranstaltung wichtig. In den Bereichen Tourismus, Sport, und Wirtschaft sei die Türkei mittlerweile fest in Deutschland verankert. Nun gelte es, dies auch im Bereich der Kultur zu bewerkstelligen. mehr...

Grundbesitzbande verhaftet

Die türkische Polizei hat eine Verbrecherorganisation ausgehoben, die insbesondere ältere und vereinsamte Nicht-Muslime erpresst und sich deren Grundbesitz angeeignet hat.

Auf den Fund der Leiche einer älteren Dame in Istanbul-Beykoz hin hat die Polizei weitreichende Ermittlungen gestartet, im Zuge derer ein Gruppe von ca. dreißig Personen ermittelt werden konnte, die an den Verbrechen beteiligt waren. Unter den dringend Tatverdächtigen befinden sich der Leiter des Grundbuchamtes von Beykoz sowie zwei Ärzte. Es wird davon ausgegangen, dass die hohe Zahl nicht-muslimischer Opfer damit zusammen hängt, dass diese keine Angehörigen mehr in der Türkei hatten. Die beteiligten Ärzte stellten bei Bedarf Unzurechnungsfähigkeitsatteste aus.

Die Bande soll wie folgt vorgegangen sein: Einige Mitglieder waren damit beauftragt, ältere, alleinstehende und vorzugsweise nicht-muslimische Personen ausfindig zu machen. Danach hat man Haushaltshilfen in die betreffende Haushalte eingeschleust, um das Vertrauen der hilflosen Senioren zu erschleichen. Nach kurzer Zeit wurden die Opfer entführt und dahingehend erpresst, der Bande ihren Grundbesitz zu überschreiben. Bei den Opfern, die sich weigerten, wurde der "Schweineknoten" angewandt, der auch von der türkischen Terrororganisation "Hizbullah" bei ihren Morden verwendet wird. mehr...

Neuer türkischer Satellit ins Weltall geschossen

Der neue türkische Satellit "Türksat 3A" ist in Französisch-Guayana ins All geschossen worden.

Der neue Satellit soll es ermöglichen, die angebotenen TV- und Radioprogramme mit kleineren Empfangschüsseln als bisher üblich zu empfangen. Neben den klassischen Rundfunkangeboten wird Türksat 3A auch für Datenübertragungen im Bereich Internet und Telefonie genutzt werden. Der künstlich Trabant, dessen Einsatzdauer mit 20 Jahren angegeben wird, soll die Gebiete Europa, Naher Osten, Nordafrika, Zentralasien und China mit entsprechenden Signalen beliefern.

Wie Verkehrs- und Kommunikationsminister Binali Yıldırım sagte, soll das US$ 200 Mio. teure Gerät in zehn Tagen einsatzbereit sein. An der Produktion des Satelliten waren 22 türkische Ingenieure beteiligt. Diese Quote soll bei dem für 2011 geplanten Start des Türksat 4A noch erhöht werden, um den für 2014 geplanten Türksat 5A in kompletter Eigenregie produzieren zu können. Um die Kosten für den Weltraumtransport gering zu halten, wurde zeitgleich mit Türksat 3A der britische Satellit SKYNET transportiert. mehr...

Türkisches Parlament sucht die Entspannung

Parlamentspräsident Köksal Toptan (AKP) sucht derzeit nach Wegen und Strategien, die immer angespanntere Atmosphäre im türkische Hohen Haus, die sich bisweilen in Handgreiflichkeiten niederschlägt, zu entspannen.

So hat Köksal den Vorschlag eines Gipfeltreffens ins Gespräch gebracht, bei welchem die Spitzen der im Parlament vertretenen Parteien im kleinen Kreis die herrschenden Spannungen ausdiskutieren und zu einer zivilisierteren Gesprächskultur zurückfinden sollen. Im Vorfeld dieses Gipfels hat Toptan nun einen Mini-Gipfel zur Vorbereitung der eigentlichen Gesprächsrunde abgehalten und um konkrete Vorschläge gebeten. Neben Toptan und den Präsidiumsmitgliedern Nevzat Pakdil, Eyüp Cenap Gülpınar, Güldal Mumcu und Meral Akşener waren als stellvertretende Fraktionsvorsitzende der einzelnen Parteien Nihat Ergün (AKP), Kemal Kılıçdaroğlu (CHP), Oktay Vural (MHP) und Selahattin Demirtaş (DTP) anwesend.

Wie bekannt wurde, hat der Vorschlag von Nihat Ergün für einiges Gelächter gesorgt. So schlug der Politiker vor, dass die Parteivorsitzenden mit ihren Gattinnen gegenseitige Hausbesuche durchführen sollten. Nach einer kurzen Lachpause machte Kemal Kılıçdaroğlu geltend, dass zwischen der AKP und der CHP ein immenses Vertrauensproblem bestünde. Nach Beispielen gefragt, gab er an, dass sich die AKP nicht für Unterstellungen gegenüber dem CHP-Generalsekretär Önder Sav sowie eine Beleidigung des zweiten Staatspräsidenten Ismet Inönü entschuldigt habe. Außerdem wies er auf die parlamentarischen Konsultationen zur Reform des türksichen Rundfunkstaatsvertrags hin, während derer der Vorsitzende der staatlichen Rundfunkanstalt İbrahim Şahin die Abgeordneten der AKP darum gebeten habe, ihn vor den eindringlichen Fragen der CHP in Schutz zu nehmen. Ferner bekämen die Abgeordneten der AKP ihre Reden fertig ausgedruckt vom Ministerpräsidenten und würden sich damit begnügen, diese eins zu eins zu verlesen.

Oktay Vural von der MHP machte hingegen sowohl die AKP als auch die CHP für die Aggressivität im Parlament verantwortlich und fügte hinzu, dass die diesbezüglich auffälligsten Abgeordneten immer in den vorderen Reihen Platz nähmen, um freie Bahn für ihre Provokationen zu haben. mehr...

Verfügungsurteil des Verfassungsgerichts im Staatsanzeiger veröffentlicht

Das türkische Verfassungsgericht hat per Anzeige in der "Resmi Gazete", dem türkischen Staatsanzeiger, die Umsetzung der von der AKP beschlossenen Verfassungsänderung, mit der das Tragen von Kopftüchern an Universitäten erlaubt werden sollte, gestoppt.

In der Meldung hieß es, dass mit Erscheinen der Anzeige die Umsetzung der Verfassungsänderung bis zur Publikation des schriftlichen Urteils im Hauptverfahren auszusetzen sei. Das Urteil war dem Antrag der Oppositionsparteien CHP und DSP entsprechend zweistufig angelegt. Das Aussetzungsurteil entspricht somit einer einstweiligen Verfügung zum Stopp der Anwendung der Verfassungsänderungen. Das Urteil im Hauptverfahren zu den zwei geänderten Verfassungsartikeln war mit 9 zu 2 Stimmen gefällt worden. Der Aussetzungsantrag ist jedoch einstimmig beschlossen worden.

In dem Urteil heißt es: "Das am 09. Februar 2008 beschlossene Gesetz Nr. 5735 zur Änderung einiger Artikel der türkischen Verfassung ist am 05. Juni 2008 per Urteil mit dem Aktenzeichen E.2008/16, K.2008/116 aufgehoben worden. Um vor unabsehbaren und nicht mehr revidierbaren Folgen, die durch die Umsetzung dieses Gesetzes entstehen können, vorzubeugen, darf das Gesetz nicht umgesetzt werden, bis das entsprechende schriftliche Urteil in der Resmi Gazete veröffentlicht wurde. Dieser Beschluss wurde einstimmig gefasst." mehr...

Donnerstag, 12. Juni 2008

In eigener Sache: Türkeimonitor.de

Ein Post in eigener Sache:

Ab sofort ist "Der Türkeimonitor" unter http://www.türkeimonitor.de/ verfügbar. mehr...

Reisen auf Kosten der Toten

Die parlamentarische Untersuchungskommission, die aufgrund der anhaltenden Todesfälle in den Werften von Tuzla eingerichtet wurde, ist angesichts ihrer jüngsten Entscheidung endgültig in das Zentrum der Kritik gerückt.

So hat die Kommission beschlossen, ausgedehnte Inspektionsreisen in die Ukraine und nach Südkorea zu unternehmen, um, wie es heißt, die dortigen Arbeitsbedingungen zu untersuchen. Die Reisen sollen von einer 20-köpfigen Delegation angetreten werden, der neben den 16 Auschussmitgliedern auch Sachverständige und Stenografen angehören sollen. Während sich die Zahl der getöteten Arbeiter seit 2006 auf 86 beläuft, hat der Auschussvorsitzende Mehmet Domaç von der AKP beim Parlamentspräsidium die Übernahme sämtlicher Kosten beantragt.

Der Parlamentspräsident Köksal Toptan sei von den Plänen jedoch nicht sonderlich angetan. Toptan, dessen Zustimmung für die Finanzierung der Reise nötig ist, hatte seinerzeit eine Übernahme der Kosten für die Italien-Reise der Olivenöl-Kommission abgelehnt. mehr...

Ankara muss sich entscheiden

Die Bevölkerung Ankaras ist in diesen Tagen hin- und hergerissen zwischen ihrer Stadtverwaltung und der renommiertesten Bildungseinrichtung der Stadt. Die Stadtverwaltung Ankaras hat vor geraumer Zeit mit einer groß angelegten Marketing-Kampagne für mehr Vertrauen in das lokale Trinkwasser geworben. Im Rahmen der Kampagne bezog man sich auf diesbezügliche Analysen der Middle East Technical University, kurz ODTÜ.

Wie der Rektor der ODTÜ Prof. Dr. Ural Akbulut mitteilte, sei dies eine irreführende Behauptung. Die ODTÜ habe zwar tatsächlich Qualitätsproben vom Kızılırmak-Fluss entnommen, doch sei dies nicht im Auftrag der Stadtverwaltung geschehen. Ferner habe man zum Zeitpunkt der letzten Analyse insbesondere den Gehalt an Arsen nicht gemessen, da die seinerzeit verwendete Methode hierfür nicht tauglich gewesen sei.

Der Bürgermeister von Ankara Melih Gökçek hatte vor kurzem behauptet, dass der Arsengehalt des in Ankara verfügbaren Trinkwassers unbedenklich sei und in den Haushalten bei ca. 1 Mikrogramm pro Liter liege. Prof. Akbulut wies hingegen darauf hin, dass der bei neueren Messungen seiner Universität festgestellte Arsengehalt deutlich über dem Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter liege.

Prof. Akbulut teilte weiter mit, dass die ODTÜ rechtliche Schritte gegen die Stadtverwaltung erwäge, da man mit dem Namen und dem Renommé der Universität die Bürger betrogen habe.
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Türkische Kriegsdienstverweigerer gehen auf die Strasse

Sympathisanten des Kriegsdienstverweigerers Mehmet Bal haben vor dem Galatasaray Gymnasium gegen dessen Verhaftung durch die Gendarmerie protestiert.


In der Türkei steht Kriegsdienstverweigerern der alternative Weg eines Zivildienstes nicht zur Verfügung. Bei Kriegsdienstverweigerung, und sei es aus Gründen der moralischen Überzeugung, wird Anklage wegen Befehlsverweigerung erhoben. Bal hatte im Jahr 2002 erklärt, aus moralischen Gründen keinen Dienst an der Waffe ableisten zu wollen. Während des Protestes wurden vier Demonstranten verhaftet. mehr...