Dienstag, 20. Januar 2009

6. Festival des japanischen Films in Istanbul

In Istanbul findet vom 22. bis 25. Januar das "6. Festival des japanischen Films" statt.

Im Levent Kültür Merkezi findet vom 22. bis 25. Januar das "6. Festival des japanischen Films" statt. Der Eintritt zu den Vorführungen ist frei.

Die Filme werden auf Japanisch mit türkischen Untertiteln gezeigt. Das japanische Generalkonsulat in Istanbul informiert hier - leider nur auf Türkisch.

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Hilfe Polizei!

Im Zuge der Beitrittsbemühungen der Türkei zur EU werden Beschwerden gegen die türkische Polizei von einer Kommission untersucht, der neben türkischen Delegierten auch britische Delegierte angehören. Diese Kommission hat für die Jahre 2004 bis 2007 erschreckende Zahlen bekannt gegeben.

Wie die Hürriyet in ihrer heutigen Ausgabe berichtet gingen im letzten Jahr gegen 8 von 100 Polizisten Beschwerden bei der Kommission ein. In jedem der untersuchten Jahre würden zwischen 12.000 und 15.000 Beschwerden eingereicht.

90% der Beschwerden richten sich gegen Polizisten. Der Rest der Beschwerden richte sich gegen die Gendarmerie, Zoll- und Küstenschutzbeamte. Die Stadt in der sich die Beschwerden am meisten häuften ist Istanbul mit 85 Beschwerden pro 100.000 Einwohner, gefolgt von Yalova, Sinop und Antalya.

Liegen landesweit im Schnitt gegen 8 von 100 Polizisten Beschwerden vor, so ist auch in dieser Statistik Istanbul Spitzenreiter: So liegen gegen 33 von 100 Polizisten Beschwerden vor, d.h. dass sich die Bürger gegen jeden dritten Istanbuler Polizisten beschwert haben.

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Angst vor griechischen Verhältnissen?

Auf dem Campus der Middle East Technical University (ODTÜ) in Ankara wurde eine unbekannte Person dabei beobachtet, wie sie Fotos von Studenten machte. Als man bei dem Mann nachhakte, erhärtete sich der Verdacht, dass er ein Angehöriger der Gendarmerie ist.

Im zentralen Café der ODTÜ wurde ein Mann von Studenten festgesetzt, der mit seinem Handy Aufnahmen von Studenten gemacht hat. Zunächst zeigte der Mann einen Ausweis der Handelskammer Ankara, der auf den Namen Şehmus Çelik ausgestellt war. Er stritt es ab, Fotos von Studenten gemacht zu haben. Die Studenten nahmen ihm sein Handy ab und fanden nicht nur Fotos zahlreicher Studenten, sondern auch die Telefonnummern von Militärangehörigen.

Danach behauptete der Mann im Café zu arbeiten. Dort konnte ihn jedoch niemand als Kollegen identifzieren. Als man den Mann durchsuchte, wurde ein militärisches Schriftstück gefunden, welches den Adressaten des Dokuments als Oberfeldwebel Suat Yılmaz bezeichnete. Der stellvertretende Rektor der ODTÜ Tanju Mehmetoğlu kam schließlich zu den Studenten und überbrachte den Mann an das auf dem Campus gelegene Gendarmerie-Quartier und erstattete gemeinsam mit den Studenten Anzeige gegen den Mann.

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Montag, 19. Januar 2009

Erdogan: 2009 – das Jahr der EU-Attacke

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat in einer Rede vor dem Zentrum für Europäische Politik in Brüssel seine Hoffnung geäußert, dass die Beitrittsverhandlungen zwischen der Türkei und der EU 2009 mit erhöhter Geschwindigkeit fortgesetzt werden.

Erdogan hielt sich das erste Mal seit vier Jahren wieder in Brüssel auf. In seiner Rede vor dem Zentrum für Europäische Politik betonte Erdogan, dass der EU-Beitritt die oberste Priorität auf der türkischen Agenda innehabe. Er hoffe, dass die Beitrittsverhandlungen unter der tschechischen und schwedischen Ratspräsidentschaft zügiger fortgeführt würden.

Mit der Benennung eines neuen Chefunterhändlers für die Beitrittsverhandlungen habe die Türkei einen wichtigen Schritt vollzogen, weitere würden zügig folgen, so der Premier. Auf den Vorwurf, dass der türkische Reformeifer erlahmt sei entgegnete Erdogan, dass 2007 und 2008 mehr als 30 „Reformgesetze“ das türkische Parlament passiert hätten, darunter die Reform des umstrittenen Paragrafen 301 des türkischen Starfgesetzbuches sowie das reformierte Gesetz über Stiftungen.

Von der EU forderte Erdogan eine Behandlung unter den gleichen Bedingungen, die auch für andere Mitgliedskandidaten gelten. So sagte er nach Angaben von NTV weiterhin: „Wir wollen nicht in die EU um eine Belastung zu sein, sondern um sie zu entlasten. Unsere Mitgliedschaft wird für alle vorteilhaft sein.“

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In Memoriam: Hrant Dink

Heute vor zwei Jahren wurde Hrant Dink, der Chefredakteur der türkisch-armenischen Zeitung AGOS, vor den Räumen seiner Redaktion in Istanbul bei einem feigen Anschlag hinterrücks erschossen. In der Türkei finden zahlreiche Solidaritätsbekundungen für Dink und seine Familie statt. Die Ermittlungen zu den Tätern blieben lange Zeit auf eine kleine Gruppe aus Trabzon beschränkt, die sich im Umfeld der ultranationalistischen Partei BBP organisierte – die Hintermänner blieben unerkannt. Nun deutet sich eine Wende an: Der damalige Kommandeur der Trabzoner Gendarmerie Ali Öz wird angeklagt und gegen den ehemaligen Polizeichef Ramazan Akyürek wird ermittelt.

Genau zwei Jahre nach dem Anschlag auf Hrant Dink werden sich die Mitglieder der „Gruppe derer, die Gerechtigkeit für Hrant will“ um 14.30 Uhr Ortszeit (13.30 Uhr nach deutscher Zeit) vor der AGOS-Redaktion versammeln. Um 20.30 Ortszeit wird im Lütfi Kırdar Kongresszentrum eine Gedenkfeier zu Ehren Dinks veranstaltet.

Ein Initiative, die sich als „Kreative Protestgruppe“ bezeichnete, hat mit ihrer Aktion bei den anwesenden Journalisten und der Polizei für reichlich Verwunderung gesorgt. Die Gruppe versammelte sich vor dem Galatasaray-Gymnasium. Als das Geräusch eines Schusses ertönte, gaben einige der Gruppenmitglieder einen Schrei von sich und ließen sich auf den Boden fallen. Nach einer Minute lautlosen Ausharrens ertönte eine Sirene. Die Liegenden erhoben sich darauf hin, mischten sich unter die Anwesenden und verschwanden kurze Zeit später.


Quelle:Radikal

Die Ermittlungsbehörden arbeiten sich derweil an die Hintermänner des Anschlags heran. So belegen Aktennotizen, dass die Gendarmerie in Trabzon schon Monate vorher von den Anschlagsplänen unterrichtet war. Während gegen den damaligen Gendarmeriekommandanten Ali Öz und den Polizeichef Ramazan Akyürek nun Anklage erhoben wird, hat das türkische Innenministerium keine Erlaubnis für Ermittlungen gegen die Istanbuler Polizeibehörde erteilt. Diese war in die Kritik geraten, weil herauskam, dass man Hrant Dink herbeizitiert und „gewarnt“ habe. Der Vorwurf an die Behörde lautet, dass man trotz Kenntnis von Anschlagsplänen nichts für Dinks Sicherheit getan habe.

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Freitag, 16. Januar 2009

"Hero Baby": Erster türkischer Babybrei

Der türkische Landwirtschaftsminister Mehdi Eker hielt die Eröffnungsrede zur Einweihung der ersten türkischen Produktionsstätte für pürierte Säuglingsnahrung des türkischen Lebensmittelkonzerns Ülker in Akyurt (Ankara).

In seiner Rede betonte Landwirtschaftsminister Eker die Bedeutung des Lebensmittelkonzerns Ülker mit seinen 43 Fabriken und 30.000 Beschäftigten im In- und Ausland für die türkische Wirtschaft. Weiterhin wies Eker auf zahlreiche für das Jahr 2009 geplante Projekte hin, die die Sicherheit und das Vertrauen in den türkischen Lebensmittelsektor nachhaltig stärken sollen.

Die Fabrik in Akyurt ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen Ülker und dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern Hero, die bereits seit 2002 andauert. Die jüngst eröffnete Fabrik mit einer jährlichen Kapazität von 50 Millionen Einheiten repräsentiere den neuesten Stand der Technik und sichere beiden Partnern die Marktführerschaft im Bereich Babynahrung. Wie die Zaman berichtet, sollen vom Produktionsstandort in der Türkei aus weitere 15 Länder mit Babykost beliefert werden.

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Staatlich verordnete Schweigeminute bringt jüdische Schulen in die Klemme

Wie der Türkeimonitor berichtete hat das türkische Bildungsministerium aufgrund des Gaza-Kriegs die ihm unterstehenden Schulen angewiesen eine Schweigeminute abzuhalten. Dieser bindende Erlass bringt die Schüler jüdischer Schulen in der Türkei in die Klemme.

Wie die Hürriyet unter Berufung auf die Zeitung Cumhuriyet berichtet, sind die Schulleitungen der jüdischen Schulen fieberhaft damit beschäftigt, die verfahrene Situation zu lösen. Manche Schüler weigerten sich, an der Schweigeminute teilzunehmen. Auch aus normalen Schulen ist bekannt, dass manche türkischen Schüler eine Teilnahme an der Schweigeminute ablehnen.

Eine namentlich nicht genannte Schulleiterin einer jüdischen Schule wird mit den Worten zitiert, dass man dem Bildungsministerium unterstehe und den Erlass umsetzen müsse. Man habe sich jedoch dafür entschieden, die Schweigeminute von einer kleinen Gruppe abhalten zu lassen.

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Obama bekommt türkischen Käse

Der Priester der orthodoxen St. Georgi-Kirche in Edirne, Alexander Çıkırık, wurde zum „National Prayer Breakfast“ eingeladen und wird dort mit dem neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama zusammen treffen.

Çıkırık wird in Begleitung des Vorsitzenden der Handelskammer von Edirne und einem Mitglied der örtlichen Anwaltskammer nach Washington reisen. Gegenüber NTV betonte Çıkırık, dass man die Gelegenheit nutzen werde, um Obama die Türkei als ein Land zu beschreiben, in dem Christen und Muslime friedlich miteinander leben könnten. Als Gastgeschenk werde man Obama den für Edirne typischen Käse, Mandelpaste und Seife mitbringen.

Das „National Prayer Breakfast“ findet traditionell am ersten Februarwochenende statt und dient dem Austausch von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Seit Dwight D. Eisenhower hat jeder amerikanische Präsident an dem Treffen teilgenommen. Çıkırık wurde von der amerikanischen Professorin Maria Vasileva eingeladen, die seine Kirche und die Stadt Edirne bei einem Aufenthalt kennen gelernt habe.

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Babacan äußert sich zur türkischen Außenpolitik

Außenminister Ali Babacan wird sich heute Abend um 21.00 Uhr türkischer Zeit auf NTV live zu den Leitlinien der türkischen Außenpolitik in diesem Jahr äußern.

Geleitet wird die Sendung von Oğuz Haksever. Nach Angaben von NTV-MSNBC wird sich Außenminister Babacan den Fragen von Semih Idiz (Milliyet), Işın Eliçin (Leiter der NTV-Auslandsnachrichten), Dr. Ibrahim Kalın (Today´s Zaman, Projektleiter der SETA-Stiftung) und Fehmi Koru (Yenişafak) stellen.

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Abgebrannte Waldflächen dürfen verkauft werden

Das türkische Parlament hat mit den Stimmen der AKP einer umstrittenen Gesetzesvorlage zugestimmt, die vorsieht, dass abgebrannte Waldflächen als Bauland verkauft werden, anstatt wieder aufgeforstet zu werden. Kritiker bemängeln, dass damit die organisierte Brandstiftung Aufwind bekommen werde.

Die in der türkischen Öffentlichkeit als „2B“ bekannte Gesetzesvorlage wurde nach Angaben der Radikal vom türkischen Parlament verabschiedet. Die Vorlage sieht vor, dass abgebrannte Waldflächen verkauft werden können. In der vorangegangenen Legislaturperiode hatte der ehemalige Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer das Gesetz per Veto blockiert, das türkische Verfassungsgericht hatte zudem entschieden, dass die gesetzliche Verordnung nicht umgesetzt werden darf.

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Der Weihnachtsmann beglückt auch die Türken

Das St. Nikolaus-Museum in Demre bei Antalya, dem alten lykischen Myra, hat im Jahr 2008 einen neuen Besucherrekord aufgestellt. So besuchten ca. 500.000 Touristen das Museum, welches an der Wirkungsstätte des ehemaligen Bischofs von Myra an den Schutzpatron Russlands, Kroatiens und Serbiens erinnert.

Die Verantwortlichen der türkischen St. Nikolaus-Stiftung legten die Zahlen für das Jahr 2008 vor. So haben 490.458 Menschen das St. Nikolaus-Museum in Myra besucht. Die Einnahmen durch die Besucher beliefen sich auf 1.871.895 Türkische Lira.

Die Verantwortlichen betonten, dass man die Zahl der Besucher im Jahr 2009 auf über 500.000 und die Einnahmen auf über 2 Mio. Türkische Lira steigern wolle.

In dem Museum können Gegenstände, die dem Heiligen gehörten, in Augenschein genommen und berührt werden. Seine Gebeine ruhen allerdings im italienischen Bari, in welches italienische Kaufleute die Überreste vor dem Ansturm der türkischen Seldschuken retteten. Die türkische St. Nikolaus-Stiftung fordert die Gebeine seit Jahren zurück.

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Donnerstag, 15. Januar 2009

Armenier bedanken sich

Eine Gruppe armenischstämmiger Intellektueller und Künstler hat eine Dankeskampagne für die Initiatoren der Initiative „Ich entschuldige mich“ gestartet.

„Teşekkürler“ - Viele Dank. Dies ist der Anfang des Textes der Unterschriftenkampagne, mittels derer sich armenischstämmige Intellektuelle und Künstler bei den türkischen Initiatoren von „Ich entschuldige mich“ bedanken. Die in Frankreich und Kanada lebenden Armenischstämmigen sprechen den türkischen Aktivisten ihre Unterstützung aus und betonen, dass deren Engagement ein historisches Zeichen der Verständigung und des Fortschritts sei.

Unter den Unterzeichnern befinden sich die französische Schauspielerin und Regisseurin Simon Abkaryan, der Schauspieler und Produzent Serge Avedikyan, der Schriftsteller Denis Donikyanian, der in Toronto lebende Regisseur Atom Egoyan, Robert Guedigayan, Jean-Claude Kebabciyan, Nairi Nahapetiyan, Gerard Torikyanyar sowie der Philosoph Michel Mariyan.

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Mittwoch, 14. Januar 2009

Türkischer Investor an der Universität Witten-Herdecke?

Die Financial Times Deutschland berichtete, dass ein anonymer türkischer Investor bei der privaten Universität Witten-Herdecke einsteigen wolle. Dessen Chancen seien jedoch insbesondere aufgrund seiner Anonymität gering. Nun meldet die Hürriyet, dass die ESI-Holding, die den ominösen Geschäftsmann bei den Verhandlungen vertritt, sich mit der Universitätsleitung über einen konkreten Kaufpreis habe verständigen können.

Wie die Financial Times Deutschland am 9. Januar berichtete, hat sich ein türkischer Geschäftsmann der in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Privatuniversität Witten-Herdecke als Investor angeboten. Wie die FTD jedoch mitteilte, würden die Chancen des Türken als gering eingestuft – sein Angebot gelte als undurchsichtig. Den Vorzug werde wohl die Heidelberger SRH erhalten.

Nun hat die Hürriyet in ihrer heutigen Ausgabe mitgeteilt, dass sich die ESI Holding, die den türkischen Geschäftsmann bei den Verhandlungen vertritt, mit der Universitätsleitung auf eine Summe X geeinigt habe. Der anonyme Investitionswillige wolle seine Identität erst nach Abschluss der Verhandlungen preisgeben, so Hakan Bağtaş von der ESI Holding. Der Preis, der noch vor wenigen Tagen mit € 300 Mio. angegeben wurde, sei in den verhandlungen auf eine zweistellige Millionensumme reduziert worden.

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Protesterlass für Grundschulen

Der türkische Bildungsminister Çelik rief in einem Erlass zu einer Schweigeminute für getötete palästinensische Kinder im Gazakrieg auf. Mit Rufen wie "Nieder mit dem israelischen Staat, es lebe das muslimische Palästinenservolk" beteiligten sich landesweit viele Grundschulen an der Protestminute. Gegen diesen Protest wird nun Protest laut.

Der Radikal-Kolumnist Haluk Şahin fragt, ob denn nun bei jedem palästinensischen Selbstmordanschlag in Israel auch für die getöteten Kinder dort eine Schweigeminute abgehalten wird und weist auf ein viel größeres Problem hin: "Es bricht mir das Herz zu fühlen, in was für einer psychologischen Zerrissenheit ein jüdisches Kind sich befindet, wenn es solche Reden in der Schule hört. Können Kinder in diesem Alter zwischen Israelis oder Juden unterscheiden? Führen nicht solche Proteste gegen diejenigen, die Kinder in Gaza töten, zu lebenslangen antisemitischen Vorurteilen? Ganz besonders wenn diese Kinder von Erwachsenen umgeben sind, die die Proteste in das Gift der Judenfeindlichkeit tauchen und auch nicht differenzieren?"

Das Bildungsministerium hat überdies noch an die Eltern Briefe geschickt, in denen um Spenden für Gaza aufgerufen wird. Şahin ärgert sich ob des Umstandes, dass sowieso überall in der Türkei zu Spenden aufgerufen wird, in Moscheen und auf der Straße. "Muss man das auch in den Schulen machen?" fragt Şahin und spekuliert über mögliche Verbindungen zwischen der Hamas und der Regierungspartei AKP.
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Montag, 12. Januar 2009

New York Times: Erdogan gibt Rätsel auf

Wie die Zeitung Taraf berichtet, hat die Türkei-Korrespondentin der New York Times, Sabrina Tavernise, die Aussagen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, wonach die israelischen Militäraktionen im Gazastreifen ein „Schandfleck auf der Menschheitsgeschichte“ seien, als „nicht gerade brillante Performance eines politischen Führers, der sein Profil als internationaler Vermittler schärfen will“ bezeichnet.

Die NYT gehe zwar davon aus, dass diese und ähnliche Äußerungen Erdogans den Beziehungen zwischen der Türkei und den USA keinen dauerhaften Schaden zufügen würden, doch würden insbesondere die wohlwollenden Äußerungen Erdogans über die Hamas vermehrt zu Irritationen führen. Die NYT weist darauf hin, dass die AKP enge Beziehungen zur Hamas unterhalte. Es werde sogar darüber spekuliert, ob die Türkei ihren Sitz im UN-Sicherheitsrat dafür nutze, dem Gremium die Waffenstillstandsbedingungen der Hamas zu Gehör zu bringen.

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Freitag, 9. Januar 2009

Egemen Bağış ist neuer türkischer EU-Chefunterhändler

Der AKP-Abgeordnete Egemen Bağış aus Istanbul ist der neue türkische Chefunterhändler für die Beitrittsverhandlungen mit der EU und in dieser Funktion zum Staatsminister ernannt worden.

Wie das Pressezentrum im Ministerpräsidialamt in einer Presseerklärung mitteilte, wurde der Istanbuler AKP-Abgeordnete Egemen Bağış zum neuen türkischen Chefunterhändler und Nachfolger von Außenminister Ali Babacan ernannt. Babacan hatte die Funktion des Chefunterhändlers parallel zu seiner Tätigkeit als Außenminister der Türkei ausgeübt und war zunehmend in die Kritik geraten, da der Türkei Passivität und mangelnde Präsenz im Beitrittsprozess vorgeworfen wurde.

Der 1970 in Bingöl geborene Bağış ist der Berater des türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan für Internationale Beziehungen und Vorsitzender der türkisch-amerikanischen Parlamentariergruppe. Er lebte von 1985 bis 2002 in den USA und absolvierte sein Studium der Wirtschaft mit dem Schwerpunkt "Human Ressources" an der City University of New York.

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Donnerstag, 8. Januar 2009

Ethnomarketing (II)

Migranten, ob türkischer, russischer oder anderer Herkunft, wurden in Deutschland lange Zeit als zahlungskräftige Konsumenten ignoriert. Ethnomarketing, d.h. die gezielte werbliche Ansprache dieser Kunden unter Berücksichtigung ihrer sprachlichen und kulturellen Eigenheiten, wird in Deutschland erst seit den 1980er Jahren praktiziert. Die Pionierarbeit leisteten Unternehmen wie Wüstenrot und Hamburg-Mannheimer, die die türkische Klientel mit türkischen Vertretern köderten. Ein weiterer Vorreiter des Ethnomarketing in Deutschland war der Pharmafabrikant Dr. Karl Thomae, der für sein Produkt „Finalgon“ die Bedürfnisse türkischer Fließbandarbeiter nach Schmerzsalben mit türkischsprachiger Werbung befriedigte.

Doch mit einem Mal geht ein regelrechter Ethnomarketing-Boom durch Deutschland. Seit einiger Zeit gibt es immer mehr national und multinational operierende namhafte Unternehmen, die das Instrument Ethnomarketing für sich entdecken. Ethnomarketing wird branchenübergreifend betrieben. Volkswagen, Daimler-Benz, die Postbank, die Deutsche Bank, die Hypovereinsbank, Vodafone, E-Plus mit seiner Tochter Ayyildiz, die Deutsche Telekom sowie die Bild-Zeitung sind hier die prominentesten Beispiele.

Parallel zu diesem Boom entsteht eine deutsch-türkische „Zulieferindustrie“, deren Protagonisten sich als vermeintliche Experten an der Schnittstelle inländischer Unternehmen und "ausländischer" Kunden positionieren wollen. Studenten verschiedener Fachrichtungen widmen sich in ihren Arbeiten diesem Thema. Unternehmen, die von Migranten der zweiten, dritten oder vierten Generation gegründet worden sind, verlagern den Schwerpunkt Ihrer Dienstleistungen auf das Gebiet des Ethnomarketing. Das schöne daran: alle sind vermeintliche Experten, die die Wünsche und Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe bestens kennen.

Es geht sogar noch weiter. Mit einem Mal erhöht sich der Anteil der Mitarbeiter mit ausländischer Abstammung in vielen Unternehmen. Schöne heile Welt! Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Auf der einen Seite jene Unternehmen, die Ihren Gewinn durch „neue“ Kunden maximieren möchten oder Kunden mittel- bis langfristig an sich binden möchten. Auf der anderen Seite die pfiffigen Unternehmer mit Migrationshintergrund, die den Entscheidern der oben benannten Unternehmen entsprechende Budgets entlocken wollen. Und zu guter Letzt die Konsumenten, denen die Aufmerksamkeit der Unternehmen schmeichelt und deren Kaufentscheidung durch eben dieses Ethnomarketing beeinflusst wird. Schließlich werden sie im Autohaus, in der Bank oder in der Versicherung endlich in der türkischen Sprache umworben, vielleicht sogar bei einem Glas Tee.

Was ist mit den Akademikern und ausgebildeten jungen Erwerbstätigen türkischer Herkunft? Selbstverständlich erfüllen auch Sie eine wichtige Rolle in diesem Markt. Sie schließen die Lücke zwischen Unternehmen und Konsumenten. Sie bringen die Produkte an den Mann, und zwar idealerweise an den Landsmann. Ihre Existenzberechtigung leitet sich aus der Nachfrage der Konsumenten mit Migrationshintergrund ab und es entstehen Positionen, die es vorher nicht gegeben hat. In der Bank, der Versicherung, der Post, dem Autohaus, vielleicht irgendwann auch im Supermarkt oder der Tankstelle. Kurzum, im ganzen Land warten gut geschulte Verkäufer mit Migrationshintergrund auf Ihre Zielgruppe.

Doch wo führt diese Entwicklung hin? Setzt sich diese Entwicklung konsequent fort, haben die deutsch-türkischen Konsumenten in der Zukunft gar keinen Kontakt mehr zu Deutschen, da ihnen auf Schritt und Tritt Deutsch-Türken als Gesprächspartner vorgesetzt werden. Die politisch verpönte Parallelisierung der deutsch-türkischen Gesellschaft gilt unter diesen Bedingungen als ökonomisch opportun. Eine neue Generation deutsch-türkischer Gatekeeper wäre die Konsequenz. Künftige Erwerbstätige mit Migrationshintergrund wären dann nur noch für dementsprechende Aufgaben vorgesehen.

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