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Freitag, 23. Januar 2009

Hoffnung im Kampf gegen Diabetes

Das Hormon Leptin galt lange Zeit als Wunderwaffe gegen Fettleibigkeit, denn Leptin sendet chemische Botschaften aus, die den Hunger zügeln und bewirken, dass der Körper Energie aus den Fettreserven gewinnt. Allerdings greift dieser Effekt nur bei Schlanken, nicht jedoch bei Übergewichtigen. Forschungsergebnisse des renommierten türkischen Wissenschaftlers Prof. Dr. Umut Özcan (29) von der Harvard Universität wecken, nach Angaben der Taraf, die Hoffnung, dass gerade Übergewichtige von den Effekten des Wunderhormons Leptin profitieren können.

Aus den Forschungsergebnissen lässt sich nach Angaben der Wissenschaftler schlussfolgern, dass sich eine vollkommen neue Basis für die Behandlung von Fettleibigkeit ergibt.

Wie Harvard Online berichtet ist es dem türkischen Wissenschaftler Prof. Dr. Umut Özcan und seiner Forschungsgruppe gelungen erstmals zu zeigen, dass fettleibige Mäuse mit Diabetes vom Typ 2 erhöhten Stress im endoplasmatischen Retikulum (ER) vorweisen, wodurch das ER überlastet ist und seine Funktionen nicht richtig entfalten kann. Das Forscherteam konnte nachweisen, dass ER-Stress und die daraus resultierende Aktivierung von weiteren Kettenreaktionen die Wirkung von Leptin im Gehirn blockiert. Durch den Einsatz von chemischen Chaperonen kann der ER-Stress reduziert und somit das Gehirn erneut für Leptin re-sensiblisiert werden, was in Verbindung mit dem Einsatz von Leptin zu einer Gewichtsreduzierung führt. Chaperone sind Proteine, die neuen synthetischen Proteinen „helfen“ sich korrekt zu falten, sprich ihre dreidimensionale Struktur zu erhalten, um so fehlerfrei zu funktionieren.

„Ich denke, dass unsere Studie für die Behandlung von Fettleibigkeit neue Hoffnung weckt“, so Prof. Dr. Özcan. Andere Wissenschaftler hoffen nun, dass die durch Prof. Dr. Özcan seit 2006 bis heute gewonnen Erkenntnisse und Ergebnisse direkt auf den Menschen übertragen werden können.

Prof. Dr. Özcan ist Assistenz-Professor für Kinderheilkunde im Kinderkrankenhaus in Boston und gehört zu den führenden Forschern auf dem Gebiet der Zuckerkrankheit. Hier können Sie den in der Zeitschrift Cell Metabolism am 7. Januar 2009 veröffentlichten Artikel von Prof Dr. Özcan und seinen Mitarbeitern einsehen.

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Mittwoch, 14. Januar 2009

Türkischer Investor an der Universität Witten-Herdecke?

Die Financial Times Deutschland berichtete, dass ein anonymer türkischer Investor bei der privaten Universität Witten-Herdecke einsteigen wolle. Dessen Chancen seien jedoch insbesondere aufgrund seiner Anonymität gering. Nun meldet die Hürriyet, dass die ESI-Holding, die den ominösen Geschäftsmann bei den Verhandlungen vertritt, sich mit der Universitätsleitung über einen konkreten Kaufpreis habe verständigen können.

Wie die Financial Times Deutschland am 9. Januar berichtete, hat sich ein türkischer Geschäftsmann der in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Privatuniversität Witten-Herdecke als Investor angeboten. Wie die FTD jedoch mitteilte, würden die Chancen des Türken als gering eingestuft – sein Angebot gelte als undurchsichtig. Den Vorzug werde wohl die Heidelberger SRH erhalten.

Nun hat die Hürriyet in ihrer heutigen Ausgabe mitgeteilt, dass sich die ESI Holding, die den türkischen Geschäftsmann bei den Verhandlungen vertritt, mit der Universitätsleitung auf eine Summe X geeinigt habe. Der anonyme Investitionswillige wolle seine Identität erst nach Abschluss der Verhandlungen preisgeben, so Hakan Bağtaş von der ESI Holding. Der Preis, der noch vor wenigen Tagen mit € 300 Mio. angegeben wurde, sei in den verhandlungen auf eine zweistellige Millionensumme reduziert worden.

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Freitag, 17. Oktober 2008

Stiftung unter Vorsitz von Adnan Oktar führt an Gymnasien „Konferenzen“ durch

Die „Stiftung zur Erhaltung nationaler Werte“, deren Ehrenvorsitzender Adnan Oktar ist, hat in Konak bei Izmir an Gymnasien Konferenzen zum Thema „Astro- und Geowissenschaften“ durchgeführt. Vom Gouverneur beauftragte Inspektoren ermitteln nun.

Die Stiftung beantragte die Durchführung der Konferenzen beim zuständigen Landrat und der örtlichen Schulbehörde. Nach Erteilung der Genehmigung wurden in den vergangenen Tagen Konferenzen zum Thema „Astro- und Geowissenschaften“ durchgeführt. Dies führte zu Beschwerden einiger Eltern und Lehrer.

Abdullah Tunalı von der Lehrergewerkschaft Eğitim Sen warf den Veranstaltern vor, die Seminare ohne wissenschaftliche Grundlage durchzuführen. Gelcih zu beginn der veranstaltungen stelle sich die Stiftung vor und verweise auf ihre Internetpräsenz. Von dort würden die Schüler jedoch umgehend auf Seiten weitergeleitet, auf denen Bücher des unter dem Pseudonym „Harun Yahya“ publizierenden Adnan Oktar zu finden seien.

Trotz immer stärker werdenden Widerstands hält das türkische Erziehungsministerium an der Evolutionstheorie als verbindlicher Unterrichtsgrundlage im Fach Biologie fest. Aufgrund der Beschwerden hat das Gouvernat der Region Izmir nun zwei Inspektoren damit beauftragt herauszufinden, wer die Erlaubnis zur Durchführung der Veranstaltungen gab. Gegen die Verantwortlichen sollen Disziplinarverfahren eingeleitet werden.

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Mittwoch, 8. Oktober 2008

Die Türkei dreht am ganz großen Rad

Dass die Türkei mitunter den Ruf hat, ein Paradies der Produktpiraterie zu sein, ist eine traurige Wahrheit. Nun hat die staatliche Planungsbehörde DPT Mut zum Stereotyp bewiesen und kopiert ein weiteres europäisches Qualitätsprodukt: das CERN.

Wie der Projektkkordinator Prof. Dr. Ömer Yavaş von der Universität Ankara laut CNNTürk der Nachrichtenagentur Anadolu mitteilte, sollen die Ausschreibungen für das Mammutprojekt des "Türkischen Beschleunigungszentrums" Ende des Monats beginnen. Das Projekt befinde sich seit 1997 in Planung.

Die Türkei werde beim Aufbau der Anlage mit dem CERN, dem Berliner BESSY, dem DESY in Hamburg sowie dem FZD in Dresden kooperieren. Die entsprechenden Kooperationsverträge seien bereits unterschrieben, so Yavaş.

Die Kosten für das Projekt würden sich auf 350 Mio. YTL belaufen, so der Physiker. Bei seiner Fertigstellung, die für den Anfang der 2020er Jahre vorgesehen ist, werde dies die einzige Beschleunigeranlage sein, die auf nationaler Ebene von einem Nicht-G8-Mitglied errichtet wurde.

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Mittwoch, 1. Oktober 2008

ICAT 2008 in Istanbul

In Istanbul findet am 13. und 14. November 2008 die vierte "International Conference on Automotive Technology" statt.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung findet die Konferenz "ICAT 2008" am 13. und 14. November 2008 im Hyatt Regency Hotel in Istanbul statt. Das Thema der diesjährigen Konferenz lautet "Alternative Technologies for the Reduction of CO2 Emissions".

Die Organisatoren der Konferenz rufen Fachleute verschiedener Disziplinen, die in der Automobilindustrie beschäftigt sind, dazu auf, neueste Entwicklungen und fortgeschrittene Technologien zu präsentieren. Interessenten können hier weitere Informationen abrufen.

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Donnerstag, 25. September 2008

Adnan Oktar kann´s nicht lassen

Der türkische Kreationist und Pseudo-Wissenschaftler Adnan Oktar hat eine weitere Webseite schließen lassen. Betroffen ist dieses mal die Seite der Lehrergewerkschaft Eğitim-Sen.

Auf der Seite egitimsen.org.tr wurde gefragt, welchem Zweck die massenhafte kostenfreie Verteilung des antidarwinistischen "Altas der Kreation", der aus Oktars Feder stammt, dient. Oktar nahm dies zum Anlass, um gegen die Betreiber der Seite wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten vorzugehen. Die 2. Kammer des Zivilgerichts in Gebze hat Oktars Antrag statt gegeben und die Seite für türkische Nutzer blockieren lassen.

Oktar hatte erst kürzlich die Seite des Autoren Richard Dawkins sperren lassen. Der umtriebige Oktar, der vor einigen Tagen im Spiegel behauptete, dass alle Terroristen Darwinisten seien, hat unter dem Pseudonym "Harun Yahya" mehrere Bücher verfasst - nach eigenen Angaben sind dies Hunderte von Werken.

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Freitag, 19. September 2008

Wissenschaftselite trifft sich in Istanbul

Die internationale Konferenz "EGEE (Enabling Grids for E-SciencE) 2008", die weltgrößte ihrer Art, findet vom 22.09 bis 26.09.2008 im Harbiye Militärmuseum in Istanbul statt. Lokaler Organisator ist die türkische wissenschaftliche und technische Forschungsgemeinschaft (TÜBITAK) bzw. deren Akademisches Netzwerk für Wissenschaft und Forschung ULAKBIM.

Das EGEE-Projekt verbindet Experten von mehr als 240 Institutionen aus 45 Ländern. Ziel des Projektes ist es, neben der Gewinnung neuer Nutzer aktuelle Forschungsergebnisse im Bereich Grid-Technologien erfolgreich für die Entwicklung einer Dienstleistungs-Grid-Infrastruktur zu nutzen, die für Wissenschaftler 24 Stunden am Tag verfügbar ist und unabhängig vom geographischen Einsatzort in Anspruch genommen werden kann.

Das Tagungsprogramm steht hier als Download zur Verfügung.

Als „Keynote-Speakers“ sind folgende Experten vorgesehen: Maite Barroso vom CERN, Peter Coveney vom University College London, Vangelis Floros vom EGEE, der Direktor des EGEE Robert Jones, Oliver Keeble, Dieter Kranzmueller von der Ludwig-Maximilian Universität München, Simon C. Lin vom Academia Sinica Grid Computing Centre, Onur Temizsoylu vom ULAKBIM, Peter Vosshall von Amazon und Nüket Yetis, Präsidentin des TÜBITAK. Eröffent wird die Veranstaltung mit Vorträgen von Erwin Laure und Dr. Bob Jones vom CERN.

Unterdessen stellen die Forscher auf ihrem „Grid-Blog“ einige Brocken „Survival-Türkisch“ vor und machen auf die Besonderheiten türkischer Gebärdensprache aufmerksam.











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Donnerstag, 18. September 2008

Disziplinarstrafe der Universität verletzt Menschenrechte

Gegen 49 Studenten, die 2007 in Mugla gegen den Nationalen Hochschulrat protestierten, wurden seitens der Hochschulleitung Disziplinarstrafen verhängt. Die Menschenrechtskommission der Regionalregierung hat diese Entscheidung nun als Menschenrechtsverletzung gewertet.

Am 6. November 2007 protestierten Studenten der Universität Muğla auf einem zentralen Platz der Stadt. Das Rektorat der Universität hatte im Anschluss an den Protest, der sich gegen den Nationalen Hochschulrat richtete, Disziplinarstrafen gegen 49 Studenten verhängt. Die meisten wurden für die Dauer von einem bis zwei Semestern vom Studium suspendiert.

26 der Studenten beschwerten sich darauf hin bei der Menschenrechtskommission der Region. Die 15 Mitglieder des Gremiums beschlossen einstimmig, dass die Regelung in grober Weise gegen das Recht der Studenten auf Gedanken- und Meinungsfreiheit verstoßen habe. Der Rektor Prof. Dr. Şener Oktik habe sich laut dem Bericht des Gremiums einen Verstoß gegen fundamentale Menschenrechte geleistet. Der Bericht ist rechtlich nicht bindend, kann aber vor Gericht als Beweisstück geltend gemacht werden.

Die Hochschulleitung reagierte mit Unverständnis auf das Votum der Kommission. Der stellvertretende Rektor Prof. Dr. Atilla Yücel sagte, dass man überzeugt sei, sich nicht rechtswidrig verhalten zu haben. Wenn der Bericht der Menschenrechtskommission in Gänze vorliege, werde man eine Presseerklärung zu dem Vorfall abgeben.

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Über Visumswäschen und Gehirnpflichten

Die Zeitung Taraf berichtet, dass die für das Erasmus-Programm an der Marmara-Universität ausgewählten Studenten in einem „Orientierungskurs“ die offizielle Staatsdoktrin der Türkei in Bezug auf sensible Themen wie den Völkermord-Vorwurf der Armenier, die Pontus-Frage mit den Schwarz-Meer-Griechen, die Kurdenfrage und Zypern eingetrichtert bekamen. Wer nicht teilnahm, durfte nicht ins Ausland.

So wurden etwa 150 Studenten per E-Mail dazu aufgerufen, dem „Orientierungskurs“ beizuwohnen. In der von Prof.Dr. Selahattin Güriş unterschriebenen Mail wird darauf hingewiesen, dass ein Fehlen dazu führe, nicht ins Ausland zu dürfen. Der erste Tag des viertätigen Kurses wurde sodann den heiklen Fragen der türkischen Politik gewidmet. Erklärtes Ziel des Modules: die Vermittlung der offiziellen Position der Türkei in Bezug auf Völkermordvorwurf, Kurdenkonflikt, Pontus und Zypern. Der Referent war niemand Geringeres als Yusuf Halaçoğlu, der ehemalige Direktor des Türkischen Historischen Gesellschaft.

Halaçoğlu rief die Studenten dazu auf, diese Thesen bei deren Besuch im Ausland zu verteidigen. Die Wortwahl Halaçoğlus beim Thema des Völkermordvorwurfes brachte einige Studenten in Rage. Sie erwiderten, dass sie ins Ausland führen, um mit Studenten aus anderen Ländern „zu verschmelzen“, nicht um in einen Krieg zu führen. Einige verliessen wutentbrannt den Saal.

Die Veranstaltung fand offenbar auf Anraten der Rektorin Necla Pur statt. Der Erasmus-Koordinator der Marmara-Universität und Unterzeichner der E-Mail, Prof. Selahattin Güriş, erklärte, dass man den Studenten lediglich unnötige „Kopfschmerzen“ habe ersparen wollen. Es sei aber jedermanns eigenen Entscheidung, ob er im Ausland über die angesprochenen Themen diskutiere. Studenten, die nicht an der Veranstaltung teilnahmen, müssten jedoch keine Disziplinarmaßnahmen befürchten, vielmehr habe er mit seinem angedrohten Reiseverbot lediglich die Teilnahmequote erhöhen wollen.

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Mittwoch, 17. September 2008

Türkische Sperre für Richard Dawkins´ Internetseite

Die Webseite des Biologen und Autoren Richard Dawkins kann aus der Türkei nicht mehr abgerufen werden.

Der türkische Kreationist Adnan Oktar, der sich selbst von seinen Gefolgsleuten "Adnan Hoca" nennen lässt und unter dem Pseudonym "Harun Yahya" schreibt, hat vor einem Istanbuler Gericht ein zeitweiliges Verbot der Seite www.richarddawkins.net erwirkt. Oktar machte geltend, dass Dawkins ihn und sein Werk, den "Atlas der Kreation", verunglimpft habe.

Oktars Gefolgsleute haben den türkischen Verleger von Dawkins Werken, von denen einige sogar vom Wissenschaftlichen und Technischen Forschungsrat der Türkei (TÜBITAK) übersetzt wurden, mehrfach mit Klagen überzogen, jedoch stets ohne Erfolg.

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Freitag, 22. August 2008

Literaturwettbewerb für Schizophrene

Die türkische Föderation der Schizophrenie-Vereine veranstaltet einen Wettbewerb, an dem sich ausschließlich an Schizophrenie Erkrankte beteiligen können.

Die Föderation beabsichtigt mit dem Wettbewerb die Sensibilität für die Krankheit, an der statistisch gesehen jeder hundertste Türke erkranken kann, in der türkischen Öffentlichkeit zu erhöhen. Gleichzeitig sollen die Kranken die Möglichkeit erhalten, ihre inneren Welten nach außen zu transportieren und auch der Öffentlichkeit gegenüber das in ihnen liegende kreative Potenzial aufzuzeigen. Die Veranstalter rufen die Interessenten dazu auf, Erzählungen und Novellen zu verfassen und einzureichen.

Die Jury besteht aus den türkischen Literaten Mario Levi und Murat Yalçın, den Theaterschauspielern Payidar Tüfekçi und Tuncel Kurtiz, dem Vorsitzenden der Föderation der Schizophrenie-Vereine Prof. Dr. Haldun Soygür sowie dem Geschäftsführer des Pharmazie-Unternehmens Bilim İlaç, Erhan Baş.

Der Wettbewerb läuft noch bis zum 30. Oktober, am 30. November werden die Gewinner bekannt gegeben. Das erstplatzierte Werk wird von Studenten der Theatergruppe an der Medizinischen Fakultät Çapa aufgeführt. Der Erstplatzierte erhält ein Preisgeld in Höhe von 2.500 YTL, der Zweite 1.500 YTL und der Dritte 1.000 YTL. Die drei Bestplatzierten können sich ferner ein Semester im Schreibatelier von Mario Levi weiterbilden.

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Montag, 18. August 2008

Yaşar Kemal sagt "Nein" zum Zement

In der bei Adana gelegenen Region Osmaniye, in der die antiken kilikischen Stätten der Hierapolis Kastabala sowie ein als "Vogelparadies" bezeichnetes Naturschutzgebiet liegen, ist die Errichtung einer Zementfabrik geplant. Nun formiert sich der Widerstand mit einem äußerst prominenten Namen an der Spitze: Yaşar Kemal

Die Anwaltskammer Adanas, die örtliche Architektenkammer sowie einige Dorfvorsteher der betroffenen Region haben nun juristische Schritte gegen das Projekt eingleitet. Der prominenteste Unterzeichner der anhängigen Unterschriftenkampagne hat sich indes schon gefunden. Es ist dies niemand Geringeres als Yaşar Kemal, der Großmeister der türkischen Literatur.

Neben Kemal haben sich weitere prominente Künstler wie z.B. die Schauspieler Tarık Akan und Rutkay Aziz bereit erklärt, die Kampagne zu unterstützen. Die geplante Anlage soll jährlich 2 Mio. Tonnen Zement produzieren, was nach Angaben von Fachleuten sowohl für die Natur als auch für die historischen Stätten ein Fiasko bedeuten würde. Während die Verantwortlichen des Zementfabrikanten darauf hinweisen, die erforderlichen Genehmigungen von allen beteiligten Institutionen eingeholt zu haben, weist der Archäologe und Restaurator Murat Akman darauf hin, dass einem Archäologen der Universität Gaziantep die Grabungsgenehmigung vom Kulturministerium wegen der Gefährdung der historischen Stätten verweigert wurde. Somit sei die geplante Errichtung einer industriellen Anlage noch viel abwegiger.

Prof. Dr. Halet Çambel, der die wissenschaftlichen Grabungen in dem betreffenden Gebiet Kilikiens leitet, in welches Raoul Schrott auch den historischen Homer situiert hatte, spricht angesichts des Vorhabens von einer kulturellen Katastrophe. So befänden sich unter dem für den Bau geplanten Areal noch unerschlossene Grabanlagen. Er habe bei Kulturminister Ertuğrul Günay persönlich interveniert, jedoch sehe er keine Bestrebungen des Ministers, seinen Zusagen nachzukommen.

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Wie gefährdet ist Istanbul?

Die beiden renommierten Geowissenschaftler Prof. Dr. Şener Üşümezsoy und Prof. Dr. Ahmet Ercan haben Warnungen vor einem verheerenden Erdbeben, welches die Mega-City Istanbul in den nächsten Jahren heimsuchen könnte, als Panikmache bezeichnet, die einzig dazu diene, die Bauindustrie zu stimulieren.

So sagte Üşümezsoy, dass Forschungen im Auftrag des TÜBITAK ergeben hätten, dass die in der Marmara-Region zahlreich vorhandenen tektonischen Plattengrenzen keine nennenswerten Spannungen aufgebaut hätten. Lediglich die bei Mudanya-Imrali liegende Plattengrenze sei unter verstärkter Beobachtung und könne nach heutigem Kenntnisstand ein Beben der Stärke 6-7 auslösen. Es sei jedoch irreführend, wenn davon die Rede sei, dass sich in Istanbul ein Beben der Stärke 8 ereignen werde. So würde die Angst vor einem solchen Beben bewusst geschürt, um der Bauindustrie Auftrieb zu verschaffen. Natürlich müssten gefährdete Gebäude notfalls abgerissen werden. Dies bedeute jedoch nicht, dass die gesamte Stadt neu erbaut werden müsse. Eine Modernisierung sei dort, wo es angebracht ist, ausreichend.

Laut Prof. Ercan kann sich Istanbul mindestens bis zum Jahr 2015 in Sicherheit wiegen. 25 Geologen beobachteten im Rahmen des in der Marmara-Region aufgebauten geologischen Beobachtungsnetzwerks permanent jede tektonische Bewegung. Ercan schloss sich der Kritik von Prof. Üşümezsoy an, und warnte die Bauindustrie, aber auch die Politik davor, mit solchen Gerüchten die Angst in der Bevölkerung zu schüren.

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Samstag, 16. August 2008

TÜBITAK verliert in aller Stille seine Unabhängigkeit

Dem Wissenschaftlichen und Technischen Forschungsrat der Türkei (TÜBITAK), einer der letzten unabhängigen Institutionen der Türkei, wurde per Gesetz das Recht entzogen, die Hälfte der Mitglieder des Wissenschaftlichen Rates selbst bestimmen zu können. Diese werden nun nach dem Muster des Nationalen Hochschulrates (YÖK) direkt vom Ministerpräsidenten ernannt.

Die Gesetzesreform wurde am 13. August im Staatsanzeiger "Resmi Gazete" veröffentlicht. Der ehemalige Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer hatte 2004 sein Veto gegen die Reform eingelegt, da er die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Einrichtung in Gefahr sah.

Die CHP zog später vor das Verfassungsgericht und kippte das Gesetz endgültig - wie man damals dachte. Nun wurde es in aller Stille doch noch durchgedrückt. Die TÜBITAK ist der wichtigste Forschungsförderer der Türkei. Seit Prof. Nükhet Yetiş an der Spitze der Einrichtung steht, sind die staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung regelrecht explodiert. Die Chemikerin steht jedoch in dem Ruf, der AKP nahe zu stehen. Ihre bisherige Amtszeit wurde von Gerichtsprozessen gegen sie und die TÜBITAK überschattet.

Der ehemalige TÜBITAK-Vorsitzende Prof. Kemal Gürüz warnte davor, dass ähnlich wie beim YÖK auch die Mitglieder des TÜBITAK nun nach ihrer Nähe zur AKP ausgewählt werden und nicht wissenschaftlichen Kriterien. Damit drohe der türkischen Wissenschaft ein enormer Prestigeverlust und eine Vergeudung der schon jetzt knappen Ressourcen.

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Mittwoch, 13. August 2008

Das große Erdbeben kommt in den nächsten 30 Jahren

Die Direktorin des Seismographischen Instituts der Bosporus Universität in Istanbul, Prof. Dr. Gülay Altay, erklärte, dass die Region rund um Istanbul in den nächsten 30 Jahren von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht werde.

Seit dem 1. Januar 2008 hätten sich in der Türkei 5.000 Erdbeben ereignet. Dies sei jedoch kein besonderer Grund zur Besorgnis. Um die Analyse- und Prognosefähigkeiten des Instituts zu erhöhen, werde seit geraumer Zeit in die notwendige Technik investiert.

Bisherige Untersuchungen würden zeigen, dass die Marmara-Region ein Erdbebenpotenzial von 60% besitze. Dies sei gleichbedeutend mit einem schweren Erdbeben in den kommenden 30 Jahren. Ihre Ausführungen wollte sie jedoch nicht als Panikmache verstanden wissen. Vielmehr gehe es ihr darum, in der Öffentlichkeit um Aufmerksamkeit für das Thema zu werben.

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Donnerstag, 7. August 2008

Der älteste Palast der Welt wird zum Freilichtmuseum

Arslantepe, eine der ältesten bekannten Siedlungen der Menschheit, die in der Nähe des heutigen Malatya in der Osttürkei gelegen ist, beherbergt eine Palastanlage aus dem 4. Jahrtausend v.Chr. Die Stätte, an der immer noch archäologische Grabungen durchgeführt werden, soll nun als Frelichtmuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die wissenschaftlichen Ausgrabungen an Arslantepe, dem "Löwenhügel", werden von Prof. Dr. Marcella Frangipane von der Universität "La Sapienza" in Rom geleitet. Die Hochschule hat türkischen Behörden im Jahr 2006 ein Konzept für die Nutzung des Areals als Freilichtmuseum unterbreitet.

Die zuständige Behörde in Sivas hat das Projekt genehmigt und hat die Ausschreibungen für den 11. August angesetzt. Derviş Özbay von der Kultur- und Tourismusdirektion in Malatya sagte, dass das Projekt mit der Universität "La Sapienza" kofinanziert werden soll. Für den Fall, dass die Mittel aus Italien nicht mehr zur Verfügung stehen, würde seine Behörde das Projekt, für dessen Realisierung 500.000 YTL nötig sind, alleine finanzieren.

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Montag, 4. August 2008

Wechsel an der Spitze der Türkischen Historischen Gesellschaft

Prof. Dr. Ali Birinci ist der neue Mann an der Spitze der Türkischen Historischen Gesellschaft "Türk Tarih Kurumu" (TTK). Sein Vorgänger, Prof. Dr. Yusuf Halaçoğlu, stand der Einrichtung, die noch von Atatürk selbst gegründet wurde, 15 Jahre lang vor.

Von seiner Absetzung als Direktor des TTK hat Halaçoğlu im Urlaub erfahren. Die Umstände seines Ausscheidens deuteten viele beobachter als Konzession der Türkei an Armenien. Halaçoğlu hat sich immer wieder für eine bilaterale Historiker-Kommission stark gemacht, wurde jedoch von armenischer Seite als latenter Genozid-Leugner betrachtet. Im Zuge der langsamen, aber stetigen Annäherung beider Nationen kam die Absetzung Halaçoğlus überraschend.

Diesbezügliche Fragen beantwortete Halaçoğlu jedoch negativ und wies darauf hin, dass er Amtsmüde sei und sich auf viel Freizeit freue. Sein Nachfolger Birinci machte für sich die Freiheit der Wissenschaft geltend und kündigte an, auch künftig nur der Wahrheit und keinesfalls politischen Opportunitäten verbunden bleiben zu wollen. Dies wird von Beobachtern dahingehend verstanden, dass auch Birinci eine harte Linie gegenüber armenischen Ansprüchen fahren wird.

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Samstag, 2. August 2008

Systematische Plünderung durch Archäologen?

Die türkische Archäologie macht durch einen kaum zu glaubenden Skandal von sich reden. Ramazan Özkan, Grabungsleiter im antiken Knidos bei Marmaris, hat erhaltene Artefakte weder ordnungsgemäß katalogisert, noch ausreichende Präservationsmaßnahmen getroffen. Einer der schwerwiegendsten Vorwürfe: Ein römisches Mosaik aus der Zeit um Christi Geburt sei spurlos verschwunden.

Wie türkische Zeitungen berichten, habe Kulturminister Ertuğrul Günay die Arbeiten mit sofortiger Wirkung gestoppt. Ein antikes Brückenfundament sei als Fundament für die Grabungsbaracke zweckentfremdet worden. Neşe Kırdemir, die Direktorin des Museums von Marmaris, spricht sogar davon, dass Knidos in den vergangenen Jahren systematisch ausgeplündert worden sei.

Grabungsleiter Özkan von der Selçuk Universität in Konya, der die Grabungen seit über 20 Jahren "leitete", ist mittlerweile suspendiert, weist jedoch alle Anschuldigungen zurück. Wie das Magazin "epoc" berichtet, sei er sogar Korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts.
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Donnerstag, 31. Juli 2008

Die türkische Heimat des frühchristlichen Montanismus wird erforscht

Im westtürkischen Uşak werden die Wurzeln des frühchristlichen Montanismus freigelegt.

Die prophetische Bewegung zeichnete sich durch ekstatische und charismatische Elemente aus. In ihr kam Frauen eine große Rolle zu. Die Mitte des zweiten Jahrhunderts n.Chr. gegründete Bewegung wurde jedoch rasch als eigenständige Kirche verketzert. Die Montanisten glaubten, dass das in der Bibel angekündigte "Neue Jerusalem" in ihrem Zentrum Pepouza entstehen werde. Dieses galt jedoch bis 2001 als verschollen, als Prof. Dr. Peter Lampe von der Universität Heidelberg Pepouza gemeinsam mit anderen Forschern im wessttürkischen Uşak entdeckte.

Prof. Dr. Lampe wird ab Anfang August in der historischen Stätte mit Untersuchungen beginnen. Ein weiteres Team wird von Prof. Dr. Richard Petrovszky aus Speyer geleitet. Die örtlichen Behörden erhoffen sich von den Untersuchungen positive Auswirkungen auf den Torusimus in der Region.
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Mittwoch, 18. Juni 2008

Kekova muss gerettet werden

Die bei Erdbeben am Anfang des 2. Jh. v. Chr. untergegangenen Überreste des antiken Hafens von Kekova nahe Myra, in dem der Apostel Paulus auf seiner Reise nach Rom das Schiff wechselte, sind in einem sehr schlechten Zustand.

Der Fotoreporter Cem Özdel von der Agentur Anadolu Ajans hat eine Sondergenehmigung des Kulturministeriums erhalten, um den Zustand der unter Wasser liegenden historischen Stätten dokumentieren zu können. Auf den Fotos ist deutlich zu erkennen, dass die antike Hafenanlage Gefahr läuft, komplett mit Sediment bedeckt zu werden. Illegale Antikenjäger haben hunderte einst gut erhaltene Tongefässe zerschlagen. Durch die Strömung lagert sich auf den Unterwasserruinen ferner illegal entsorgter Müll von Booten und Schiffen ab.

Nun wird die Möglichkeit geprüft, die an bedeutsamen archäologischen Stätten reiche Region zum Nationalpark zu erklären. In der Umgebung Demres befindet sich neben den genannten antiken Stätten unter anderem die Basilika des Heiligen Nikolaus von Myra, dem Namensgeber des 6. Dezember, sowie bedeutende Nekropolen aus lykischer Zeit. mehr...